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Der Große Diktator
Der Große Diktator
© Piffl Medien

TV-Tips für Sonntag (3.4.): Chaplin? Schtonk!

Arte zeigt Meisterwerk "Der große Diktator"

Pro7 hat bei den Free TV-Premieren am Sonntagabend mit dem möglicherweise besten "X-Men"-Abenteuer "Zukunft ist Vergangenheit" ein echtes Schmankerl im Angebot. Doch Empfehlung des Abends ist Charlie Chaplin's bedeutsames Meisterwerk "Der große Diktator", den Arte parallel im Hauptprogramm ausstrahlt.

"X-Men: Zukunft ist Vergangenheit", Pro7, 20:15 Uhr

Die X-Men schicken Wolverine (Hugh Jackman) in die Vergangenheit, um die Geschichte zu ändern und ein Ereignis zu verhindern, das in der Katastrophe sowohl für Menschen wie Mutanten mündet.

Nach dem erfolgreichen Reboot der "X-Men"-Reihe, künstlerisch wie kommerziell, mit "X-Men: First Class" im Jahr 2011 schoben 20th Century Fox die Fortsetzung "X-Men: Days of Future Past" an, die nun Teil einer neuen Trilogie sein sollte, die in diesem Jahr mit "X-Men: Apocalypse" ihren Abschluss in den Kinos findet.

Der Autor des dritten Teils "X-Men: The Last Stand" Simon Kinberg wurde engagiert, auf der Basis des Comics "Days of Future Past" aus dem Jahr 1981 eine Handlung zu ersinnen, welche die alte Crew um Hugh Jackman, Halle Berry, Anna Paquin, Ian McKellen und Patrick Stewart mit der neuen (aber eigentlich älteren) Generation um die jungen X-Men James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence und Ellen Page verband. Der Zeitreise-Plot war dazu das Mittel der Wahl.

"First Class"-Regisseur Matthew Vaughn verließ das Projekt bereits vor Produktionbeginn zu Gunsten von "Kingsmen: The Secret Service", so dass der Mann auf das Regiestühlchen zurückkehren konnte, der die Marvel-Helden einst mit "X-Men" im Jahr 2000 und "X-Men 2" im Jahr 2003 erfolgreich begonnen und zuletzt "First Class" zumindest produziert hatte: Bryan Singer. Der Filmemacher reagierte auf die zunehmend komplizierten, teilweise nicht mehr kompatiblen Handlungsstränge der Originaltriologie, der "Wolverine"-Ableger und des Vorgängers "First Class", indem er einfach manche Vorgeschichten schlicht ignorierte.

Indem er das tat, gelang ihm das Unwahrscheinliche: Das fünfte (zählt man die beiden "Wolverine"-Abenteuer hinzu, sogar das siebte) "X-Men"-Werk wurde zum besten Part der gesamten Reihe, von den Kritikern gefeiert, vom Publikum geliebt und mit weltweit 755 Millionen Dollar auch noch der mit Abstand erfolgreichste.

Singer nutzte das Wahnsinnsbudget von 200 Millionen Dollar, um die besten Elemente der Serie zu kombinieren und einen unterhaltsamen, originellen, aufwendigen und temporeichen Fantasy-Film in Szene zu setzen, der als Sahnehäubchen auch noch die Themen Akzeptanz und Diskrimierung aufgreift.

Gedreht wurde im kanadischen Montreal mit 3D-Kameras, und noch während der Dreharbeiten im Sommer 2013 und der Nachbearbeitung, bei der zwölf Firmen die rund 1300 Spezialeffekte erzeugten, lief eine gigantische Werbekampagne an - fast ein Jahr vor der Filmpremiere im Mai 2014. Als erster "X-Men"-Film erhielt dieser Teil eine "Oscar"-Nominierung für die "Besten Spezialeffekte"; auch bei den Britischen Filmpreisen waren diese genannt.

Kritiker Corey Hall lobte in der "Metro Times Detroit": "Ein Film voller bissiger Dialoge, augenzwinkender Insider-Witze und hervorragender Darsteller, die zu einer Ebene emotionaler Resonanz und moralischer Komplexität beitragen und das Material erden, wenn es in einem Blizzard von herumfliegenden Splittern weggetragen zu werden droht."



"(Es ist ein Fehler aufgetreten)", Arte, 20:15 Uhr
Diktator Adenoid Hynkel (Charles Chaplin) versucht sein Reich zu vergrößern, während ein jüdischer Barbier (ebenfalls Chaplin) den Häschern seines Regimes zu entkommen versucht.

Ein Film gegen Adolf Hitler? Im Jahr 1940, als die Deutschen halb Europa besetzten? Ein solches Werk musste in den USA, zumal wenn ein solcher Meister wie Charles Chaplin sich daran machte, den Diktator zu veralbern, doch mit Begeisterung aufgenommen werden. Doch so einfach war die Sache nicht. In den Vereinigten Staaten gab es durchaus Sympathien für den deutschen Machthaber als "Bollwerk gegen den Sowjet-Kommunismus" und dazu eine starke isolationistische Strömung, die vor allem Amerika aus einem Krieg gegen Deutschland heraushalten wollte - und gegen alles war, was die Nationalsozialisten hätte reizen können.

So ist zu erklären, dass die Zeitungen des konservativen Pressemoguls William Randolph Hearst Chaplin und "The Great Dictator" der "Kriegshetze" beschuldigten. Doch das konnte jenem egal sein, denn seine Komödie wurde mehrheitlich mit Begeisterung aufgenommen und vor allem sein erfolgreichter Film an den Kinokassen.

Dass sich der Regisseur und Drehbuchautor an die Figur Hitler wagen würde, hatte sich bereits in den Dreißigern abgezeichnet. Auf die Ähnlichkeit der beiden dunkelhaarigen, schmalen Personen, die im selben Monat geboren worden waren und den gleichen kleinen Schnurrbart trugen, waren Komiker und Cartoonisten schon längst aufmerksam geworden. Nun wollte Charles das imaginäre Duell Clown gegen Diktator selbst auf die Leinwand bringen und dies mit einer humanitären Botschaft verknüpfen, denn die Hetze gegen Juden war auch in den USA kein Geheimnis.

Der damals 50-Jährige schrieb ein Drehbuch und sich selbst die Doppelrolle auf den Leib und stattete sein Werk mit vielen verbalen und visuellen Verballhornungen der deutschen Sprache, des Nationalsozialismus und von Diktaturen insgesamt aus. Dabei bekommt seine Diktatorfigur mehr als genug von infantiler Geltungssucht und sexueller Triebhaftigkeit ab.

Für 2 Millionen Dollar drehte Chaplin seinen ersten echten Tonfilm - und damit rund zehn Jahre, nachdem sich das Format durchgesetzt hatte - in seinen Studios in Los Angeles. Die Arbeiten begannen im September 1939, also direkt nach dem deutschen Angriff auf Polen, und dauerten rund sechs Monate. Als "The Great Dictator" im Oktober 1940 Premiere feierte, war das gesamte west- und südosteuropische Festland plus Teile Skandinaviens unter deutsche Herrschaft gezwungen. Insofern konnte das Werk nicht zeitgemäßer sein.

Chaplin's letztes Meisterwerk schlingert wie so viele seiner Filme zwischen großartiger Burleske und tiefem Pathos; am Schluss wendet er sich so gut wie direkt mit einer Rede ans Publikum, um klar seinen Standpunkt zu beziehen. Dass ein Künstler sein Handwerk und seine Kunstfertigkeit in den Dienst einer "Sache" stellt, mag nicht jedem gefallen, aber der Einfallsreichtum und der Witz dieses Meilensteins der Filmgeschichte kann nicht in Abrede gestellt werden, ebensowenig wie sein Wert als Zeitdokument. "The New York Times" schrieb zur Uraufführung: "Das wahrlich herausragende Werk eines wahrlich großen Künstlers und vielleicht der bedeutsamste Film, der je produziert wurde."

"The Great Dictator" wurde für fünf "Oscars" nominiert: Als "Bester Film", für das "Beste Drehbuch", Chaplin als "Bester Hauptdarsteller", Jack Oakie für seine großartige Mussolini-Parodie als Benzino Napaloni als "Bester Nebendarsteller" und für die "Beste Musik". 1997 nahm die US-Library of Congress den Streifen als "künstlerisch, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" ins National Film Registry auf, um es für die Nachwelt zu erhalten.

Ein amerikanischer Zuschauer ist begeistert: "Dieser Film ist mehr als exzellent. Charlie Chaplin schafft es, äußerst komisch und witzig zu sein und doch gleichzeitig mit seiner Satire eine starke Aussage gegen den Faschismus zu machen. Die Rede am Ende, in der er verschiedene Werte aufzählt, ist einer der großen Momente der Filmgeschichte. Ich hatte während des ganzen Films das Gefühl, dass hier eine höhere Einsicht, jenseits des wahrhaft intelligenten Filmemachens, am Werk war."



"Watchmen", Pro7, 22:45 Uhr
In einem anderen 1985, in dem Ex-Superhelden existieren, untersucht der noch aktive Selbstjustiz verübende Rorschach (Jackie Earle Haley) den Mord an einem Kollegen. Seine ausgedehnte Untersuchung deckt etwas auf, was den Lauf der Geschichte völlig verändern könnte.

Alan Moore, der britische Autor der "Watchmen"-Comics, hielt sein Werk für "unverfilmbar". Und jahrzehntelang sah es auch so aus, als sollte er damit recht behalten. Die Versuche der Filmindustrie, die graphic novel auf die Leinwand zu bringen, setzten direkt nach der Veröffentlichung 1986 an und blieben sämtlich folgenlos. Zwei Komponenten sprachen gegen eine Kinoversion: Die komplexe Handlung der Comics und die Kosten, deren Fantasy-Welt zum Leben zu erwecken.

Das Projekt flipperte über die kommenden 20 Jahre von einem Studio zum anderen: 20th Century Fox, Warner Brothers, Revolution Studios, Universal Pictures, Paramount Pictures, erneut Fox und dann schließlich erneut Warner und Paramount - immer wieder wurde die Produktion auf die Agenda gesetzt und dann aus Kostengründen gestrichen. Als Regisseure waren dabei Terry Gilliam, Darren Aronofsky, Paul Greengrass, Tim Burton und Michael Bay vorgesehen.

2006 schließlich entschieden sich Warner Brothers und Paramount Pictures, den Fantasy-Film gemeinsam zu realisieren. Zum Einen brachten Comic-Verfilmung seit dem erfolgreichen "X-Men"-Start 2000 inzwischen recht zuverlässig Geld, zum Anderen glaubte man, mit Zack Snyder - gerade mit "Batman vs. Superman: Dawn of Justice" in den Lichtspielhäusern - den richtigen Regisseur gefunden zu haben. Sein Abenteuerfilm "300" hatte sich als visuell wegweisend und vor allem mega-erfolgreich erwiesen.

Snyder gelang es weiterhin nicht, Alan Moore für die Produktion zu gewinnen, aber Zeichner Dave Gibbons arbeitete als Berater mit. Zack wollte sich so eng wie möglich an die DC Comic-Vorlage halten und nahm die Comic-Bilder teilweise als Bild-für-Bild-Vorlage. Dennoch änderte er die Geschichte an einigen Stellen.

Im Gegensatz zu "300" entschied sich der Filmemacher, diesmal nicht alles vor Green Screen-Hintergrund zu drehen und die Filmbilder abseits der Schauspieler dann am Computer zu produzieren, sondern bei dem 130 Millionen Dollar teuren Streifen mit echten Kulissen zu arbeiten, die im kanadischen Vancouver entstanden. Zehn Firmen arbeiteten an den 1100 Spezialeffekten.

Snyder machte keine Kompromisse in der Darstellung von Gewalt und Sex, so dass sein Werk nur die Altersfreigabe "R" erhielt und somit Jugendliche unter 17 Jahren ohne Erwachsenenbegleitung ausschloss. Als künstlerische Integrität musste man ihm dies zugute halten in einer Zeit, in der die meisten Studios bis heute versuchen, die Wischiwaschi-Altersfreigabe "PG-13" zu erhalten, indem sie Gewaltszenen gewalt- und blutlos aussehen lassen. Der aktuell gigantische Erfolg von "Deadpool", der auch bewusst auf ein "R" gesetzt hat, mag diesen Trend vielleicht brechen.

Auf jeden Fall war "Watchmen" ein knallharter und visuell bemerkenswerter Film, dem aber seine Treue zur Vorlage insofern nicht zum Vorteil gereichte, weil viele Zuschauer, die mit den Comics nicht bekannt waren, nur schwerlich durch die komplexe Erzählstruktur fanden. Die Kritiken und die Zuschauerreaktionen waren bei der Premiere 2009 total polarisiert.

Mit einem weltweiten Einspiel von 185 Millionen Dollar wurde der Film ein solider Erfolg, angesichts der hohen Produktionskosten aber ein Verlustgeschäft, weshalb es keinen weiteren Versuch gab, die Watchmen auf die Leinwand zu bringen.

Kritiker Brian Johnson lobte in "Maclean's Magazine": "Dieses epische Spektakel wird nicht durch viel Wirrwarr beschwert. Seine intellektuelle Komplexität ist wohlverdient und nicht aufgepfropft. Dazu ist er auch noch visuell erstaunlich."



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