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Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger
Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger
© 20th Century Fox

TV-Tips für Samstag (28.5.): Schiffbruch mit Tiger

Sat1 zeigt "Life of Pi"

Ein guter Sat1-Kinofilmabend am Samstagabend, mit zwei Meisterregisseuren in Hochform: Ang Lee verfilmte den als unverfilmbar geltenden "Life of Pi", den Sat1 im Hauptprogramm ausstrahlt, während Danny Boyle vor Ort im indischen Mumbay seinen wuchtigen "Slumdog Millionär" drehte, der im Anschluss gezeigt wird.

"Life of Pi: Schiffbruch mit Tiger", Sat1, 20:15 Uhr

Ein junger Mann (Suraj Sharma), der einen Schiffsuntergang überlebt, wird in eine epische Reise von Abenteuer und Entdeckung hineingezogen. Während er in einem Rettungsboot dahintreibt, baut er eine Beziehung mit dem anderen Überlebenden des Unglücks auf: Einem Bengalesischen Tiger.

Dieser Abenteuerfilm von 2012 brachte Ang Lee seinen zweiten Regie-Oscar nach "Brokeback Mountain" ein. Insgesamt war diese Romanverfilmung für elf Academy Awards nominiert, von denen sie vier gewinnen konnte - neben Lee für die Beste Kamera, die Beste Musik und Beste Visuelle Effekte. Letzterer Gewinn warf indes ein Schlaglicht auf die Branche der Visuellen Effekte-Bearbeitung, denn die für die Effekte verantwortliche amerikanische Firma musste just ein paar Wochen vor der Oscar-Verleihung im Februar 2013 Insolvenz anmelden. Die Kinobranche vergab ihre Aufträge inzwischen lieber an Billiglöhner-Firmen in Übersee. Als Visual Effects Supervisor Bill Westenhofer das in seiner Dankesrede ansprechen wollte, wurde ihm das Mikrophon abgedreht...

Zum Film selbst: Lee gelang die Verfilmung eines eigentlich für unverfilmbar gehaltenen Buches des Kanadiers Yann Martel aus dem Jahr 2001. Ein Großteil des Werkes - inklusive dem Tiger - ist dabei am Computer entstanden; diese technische Meisterleistung geht einher mit einer berührenden, kraftvollen und zum Nachdenken anrührenden Geschichte, die sich an einem ungewöhnlichen Ort abspielt: In einem Rettungsboot auf dem Meer. Im Hintergrund stellt Lee die Frage, ob das Leben eines Menschen eine Geschichte ist, die er selbst schreiben kann - und welche Rolle Gott in dieser Geschichte spielt. Und der taiwanesische Filmemacher zeigt, wie persönliches Wachstum durch unüberwindbar scheinende Hindernisse möglich ist.

Die 20th Century-Fox-Produktion war mit einem weltweiten Umsatz von 609 Millionen Dollar bei Kosten von 120 Millionen Dollar ein großer Erfolg an den Kinokassen und erhielt großartige Kritiken. Eine davon schrieb Jim Schembri: "Dieses außergewöhnliche, lyrische, schöne, bewegende, jedem Genre trotzenden Werk kann mit der einfachen und pauschalen Versicherung empfohlen werden, dass man so etwas noch nie gesehen hat."



"Slumdog Millionär", Sat1, 22:45 Uhr
Ein Teenager (Dev Patel) lässt sein Leben in den Slums Revue passieren, als er beschuldigt wird, bei der indischen Version von "Wer wird Millionär?" betrogen zu haben.

Mit "The Feel Good Movie of the Decade" wurde 2008 dieses britische Drama beworben - und tatsächlich zaubert das Werk ein Lächeln auf das Gesicht. Aber das sollte nicht täuschen, dass dies zugleich ein harter Film ist, bei der Armut, Folter, Gewalt, Mord und Bettlerkinder, die geblendet werden, weil sie blind mehr erbetteln können, gezeigt werden. Es ist dem Genius von Regisseur Danny Boyle und Drehbuchautor Simon Beaufoy zu danken, dass sie eine potenziell bittere Geschichte in einen lebensbejahenden Streifen verwandelt haben, welche die verschiedenen Farben großartig verwebt. Dies alles visuell überwältigend und emotional berührend, ist der Film unterhaltsam und wuchtig zugleich.

Beaufoy adaptierte den 2005 erschienen Roman "Q & A" (Fragen und Antworten) des indischen Autoren Vikas Swarup, der in Deutschland als "Rupien! Rupien!" veröffentlicht wurde. Der Drehbuchautor nahm wesentliche Veränderungen an der Vorlage vor und destillierte die zahlreichen Handlungsstränge und Motive zu einer kohärenten Geschichte mit zahlreichen Rückblenden. Simon reiste dreimal nach Indien, um Straßenkinder zu befragen und das Millieu der Slums aufzunehmen. "Was man dort aufnimmt, ist diese Masse von Energie", erklärte der Autor. Die sich dann auf der Leinwand wiederfinden sollte.

Boyle hatte zunächst kein Interesse, "Slumdog Millionaire" zu drehen, weil er dachte, dies sei nur ein Marketing-Trick der Produktionsgesellschaft Celador, die auch die Produzenten der britischen TV-Ausgabe von "Who Wants to Be a Millionaire?" waren. Doch als er von Beaufoy's Beteiligung hörte, war sein Interesse geweckt, denn dieser hatte das Skript zu einem der Lieblingsfilme des Regisseurs verfasst: "The Full Monty" ("Ganz oder gar nicht"), der ähnlich wie "Slumdog Millionaire" eigentlich ernste Themen unterhaltsam aufbereitet hatte. Danny gefielt dessen Drehbuch und sagte zu.

Im September 2007 begann man, in Mumbai einheimische Schauspieler und Techniker einzustellen, und der Filmemacher entschied sich, ein Fünftel des englischen Dialoges in Hindi zu übersetzen, um mehr Authentizität zu erreichen. Gedreht wurde vor Ort in der indischen Mega-Stadt.

Das Ergebnis begeisterte die Kritiker, das Publikum und die Filmindustrie gleichermaßen. Die nur 15 Millionen Dollar teure Produktion spielte weltweit 378 Millionen Dollar ein und erhielt zehn "Oscar"-Nominierungen. Ausgezeichnet wurde "Slumdog Millionaire" als "Bester Film", für die Regie, das adaptierte Drehbuch, die Kamera, den Schnitt, die Musik, den Song "Jai Ho" und die Tonmischung. Nur der Song "O Saya" und der Tonschnitt gingen leer aus. Bei den Golden Globes und den Britischen Filmpreisen räumte das Werk ebenfalls ab.

Kritiker Martin Tsai schrieb in "Critic's Notebook": "Danny Boyle beschwört eine universelle Identifikation mit den Charakteren herauf und taucht zugleich in ihr ganz spezielles Milieu ein."



"Liebesgrüße aus Moskau", ZDF, 23:20 Uhr
James Bond (Sean Connery) versucht eine sowjetische Chiffriermaschine, die von SPECTRE gestohlen wurde, wiederzubeschaffen und wird in eine Attentatsfinte mit einer naiven Russin (Daniela Bianchi) verwickelt.

Nach dem Achtungserfolg des ersten James Bond-Abenteuers "Dr. No" gaben United Artists sofort grünes Licht für die Fortsetzung und verdoppelten das Budget für die Produzenten Albert Broccoli und Harry Saltzman auf 2 Millionen Dollar. Diese wählten für den zweiten Teil den Roman "From Russia with Love" von 007-Autor Ian Fleming aus dem Jahr 1957 - hauptsächlich deshalb, weil das Buch gerade in die Medien geraten war: US-Präsident John F. Kennedy hatte im "Life"-Magazin die Spionagegeschichte als eines von zehn Lieblingsbüchern genannt.

Für die Regie engagierte man wieder Terence Young, der "Dr. No" überzeugend auf die Leinwand gebracht hatte; Sean Connery stand sowieso langjährig für die Hauptrolle unter Vertrag. Wieder adaptierte Richard Maibaum die Vorlage, wobei während der gesamten Dreharbeiten noch umgeschrieben wurde. Aus der sowjetischen Organisation SMERSH machte man die Krimininellen-Vereinigung SPECTRE, um sich nicht irgendwelchen politischen Anwürfen auszusetzen.

Als weibliche Hauptdarstellerin ging man nach Aussehen, weniger nach Talent: Die Italienerin Daniela Bianchi hatte 1960 an den "Miss Universe"-Wahlen teilgenommen. Ihr Englisch war allerdings so schlecht, dass man sie durch die britische Bühnendarstellerin Barbara Jefford nachsynchronisieren ließ. Erstmals dabei war der walisische Schauspieler Desmond Llewelyn, der als Waffenmeister Q auftrat und diese Rolle bis zu seinem Tod 1999 in die Pierce Brosnan-Ära hinein verkörpern sollte.

Gedreht wurde von April bis August 1963 in Großbritannien, der Türkei, Serbien, Italien und Spanien. Die Produktion erlitt verschiedene Rückschläge, die dazu führten, dass die Dreharbeiten länger dauerten und teurer wurden als geplant. Durch die schwere Krebserkrankung des mexikanischen Nebendarstellers Pedro Armendáriz, der sich buchstäblich todkrank - es wurde sein letzter Streifen - durch die Dreharbeiten schleppte, musste man den Drehplan umstellen, um die Szenen mit ihm früher als geplant drehen zu können. Es gab zahlreiche Unfälle, bei denen Stuntmen und Schauspieler verletzt wurden. Für die Nachproduktion blieben gerade mal zwei Monate, denn der Premierentermin in London war bereits für den Oktober festgelegt worden - heute in Zeiten aufwendiger Nachbearbeitung am Computer völlig undenkbar!

Doch dem britischen Thriller sieht man seine Probleme und die Zeitnot nicht an. Bis heute gilt "From Russia with Love" als einer der besten Bond-Filme aller Zeiten und wurde ein Riesenerfolg: Weltweit kamen 79 Millionen Dollar zusammen, was heute etwa 600 Millionen Dollar entspricht. In Großbritannien war das 007-Abenteuer der erfolgreichste Film des Jahres 1963.

Auch im zweiten Teil wurden Standards gesetzt, die bis heute gelten: Erstmals gibt es eine Szene vor dem Vorspann. Zum ersten Mal kommen in jenem leichtbekleidete Damen vor. Es gibt erstmals die ab da obligatorische Szene mit einem Hubschrauber, einen Titelsong (gesungen von Matt Monro), wenn auch erst über dem Abspann, und die Einblendung "James Bond will return" am Schluss. Sein Bond-Debut gab Komponist John Barry, der die Musik der Reihe wie kein zweiter prägen sollte und mit Aussetzern bis "The Living Daylights" von 1987 involviert war.

"From Russia with Love" ist ein messerscharfer Thriller mit flottem Tempo und zahlreichen aufregenden Action-Szenen. Der Titelsong wurde für einen Golden Globe nominiert, und Kameramann Ted Moore gewann den Britischen Filmpreis.

Ein amerikanischer Zuschauer lobt: "Ohne Frage einer der besten Bond-Filme aller Zeiten, ein ungeschminkter und realistischer Kalter Kriegs-Thriller, voller Sex, Gewalt und purer Spannung, mit einigen eleganten Einstellungen."



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