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Gone Girl mit Ben Affleck
Gone Girl mit Ben Affleck
© 20th Century Fox

TV-Tipps für Sonntag (26.2.): David Fincher findet das perfekte Opfer

Pro7 zeigt Meisterwerk "Gone Girl" in FreeTV-Premiere

Gleich zwei Meisterwerke und Romanverfilmungen warten am Sonntagabend im Hauptprogramm als TATORT-Alternative. Pro7 zeigt erstmals "Gone Girl" von David Fincher, während Arte "Rebecca", Alfred Hitchcock's einzigen Oscar-Gewinner, ausstrahlt.

"Gone Girl", Pro7, 20:15 Uhr

Während nach dem Verschwinden seiner Frau (Rosamund Pike) ein erbitterter Medienzirkus losbricht, sieht sich der Ehemann (Ben Affleck) auf einmal selbst im Rampenlicht, da sich der Verdacht erhöht, dass er schuldig sein könnte.

Noch vor dem Erscheinen und dem Welterfolg des Romans "Gone Girl" von Gillian Flynn 2012 wurde Reese Witherspoon 2011 auf das Manuskript des Buches von der Produzentin Leslie Dixon aufmerksam gemacht und sicherte sich die Verfilmungsrechte. Damals war geplant, das Buch mit Witherspoon in der Hauptrolle zu verfilmen. Doch nachdem 20th Century Fox und Regisseur David Fincher an Bord kamen, erhielt die Engländerin Rosamund Pike den Zuschlag; Reese blieb als Produzentin an Bord.

Ebenfalls dabei blieb Autorin Flynn, die das Drehbuch schrieb, obwohl sie bis dahin keinerlei Erfahrung damit hatte. "Als jemand, der für Magazine geschrieben hat, habe ich keine Probleme damit, Sachen aus meinem Roman rauszuschmeißen", meinte Gillian zur intensiven Zusammenarbeit mit Regisseur Fincher, die gemeinsam die fertige Form des Kriminalfilms fanden und dabei zahlreiche Nebenhandlungen des Buches unter den Tisch fallen ließen.

Für 61 Millionen Dollar drehte David in Los Angeles und in Cape Girardeau im US-Bundesstaat Missouri. Die makabre Handlung spielte den Vorlieben von Fincher in die Hände, der hier ein düsteres, intelligentes und elegantes Meisterwerk in Szene setzte und dabei seine Hauptdarsteller Rosamund Pike und Ben Affleck zu Höchstleistungen trieb. Insbesondere Rosamund wurde für ihre Darstellung gerühmt und unter anderem für den Oscar, den Golden Globe, den Britischen Filmpreis und den Screen Actors Guild Award nominiert, wo sie jeweils das Nachsehen hinter Julianne Moore und deren "Still Alice" hatte. Mit sehr guten Kritiken entwickelte sich "Gone Girl" 2014 analog zum Roman zu einem Publikumserfolg und brachte weltweit 369 Millionen Dollar ein.

Kritiker Nick Dent schrieb für den australischen "Daily Telegraph": "David Fincher hat diese listige, verstörende Geschichte raffiniert inszeniert, unterstützt durch die unheimliche Musik von Trent Reznor und Atticus Ross."



"Rebecca", Arte, 20:15 Uhr
Eine unsichere Frau (Joan Fontaine) wird von den Erinnerungen an die erste Gattin ihres neu angetrauten Mannes (Laurence Olivier) gequält.

Was für ein Einstand in Hollywood für Alfred Hitchcock! Gleich mit seinem ersten amerikanischen Spielfilm erntete der Engländer 1940 einen gigantischen Erfolg bei Presse und Publikum. Seine Adaption des gleichnamigen Bestsellers der Engländerin Daphne du Maurier aus dem Jahr 1938 erhielt den Oscar als "Bester Film" - der einzige Hitchcock-Film, dem das gelingen sollte - und wurde zur erfolgreichsten Produktion des Jahres mit 6 Millionen Dollar Umsatz.

Damals war ein solcher Karriereschritt von London nach Hollywood ein gravierender als heute, allein schon räumlich. Die Reisen zu den Verhandlungen mit Produzent David O. Selznick legte der damals 40-Jährige noch mit dem Dampfer zurück. Es fiel Hitchcock nicht leicht, die Heimat zu verlassen, in der er bereits einen Namen hatte, aber nur Hollywood konnte ihm das Arsenal bieten, mit dem er ein noch breiteres Publikum erreichen und noch größere Geschichten erzählen konnte. "Rebecca" wurde mit über 1 Million Dollar Budget sein bis dahin mit Abstand teuerster Film.

Für die Besetzung der weiblichen Hauptrolle wollte Selznick den Besetzungsrummel von "Gone with the Wind" wiederholen und veranstaltete wieder ein großes Casting, aus dem Fontaine siegreich hervorging. Sehr zum Leidwesen von Olivier, der sich sehr für seine damalige Frau Vivien Leigh stark gemacht hatte.

Um den Übergang fließend zu gestalten, eignete sich dieses Projekt hervorragend, denn eigentlich ist es in weiten Teilen noch sehr britisch: Die Vorlage stammt aus Großbritannien, die Handlung spielt in Cornwall und die Besetzung bestand fast ausschließlich aus britischen Darstellern. Hitchcock fand sich hier in seinem Element und schuf ein Meisterwerk unheimlicher und dichter Atmosphäre, schauerlichen Nervenkitzels und packender Spannung mit hervorragenden Schauspielern.

Doch die Dreharbeiten machten Alfred auch deutlich, dass die Zeiten, in denen er den Ton angab, einstweilen vorbei waren. Produzent Selznick mischte sich laufend in den Arbeitsprozess ein, angefangen vom Drehbuch, das ihm nicht passte, weil Hitchcock zu viel verändern wollte. "Wir möchten keine verzerrte und vulgarisierte Version eines Werks, das sich doch bereits als erfolgreich erwiesen hat", lautete die klare Ansage, nach der das Skript wieder umgeschrieben werden musste. An einer Stelle musste wegen der Zensurvorschriften das Drehbuch indes geändert werden: Rebecca's Tod musste als Selbstmord und nicht wie im Buch als Mord dargestellt werden, denn sonst hätte es kein Happyend für Laurence Olivier und Joan Fontaine geben dürfen. Der Hollywood Production Code schrieb vor, dass kein Verbrechen am Ende eines Films ungesühnt bleiben durfte.

Um zu verhindern, dass Selznick, wie er das üblicherweise bei anderen Filmemachern zu tun pflegte, seinen Streifen später im Schneideraum verändern würde, drehte der Regisseur nur die Szenen, die er für nötig hielt, damit kein Raum für eine andere Fassung blieb. "Schneiden in der Kamera", nannte man diesen Prozess.

"Rebecca" erhielt elf Oscar-Nominierungen: Als "Bester Film" und für Kameramann George Barnes konnte er gewinnen. Leer gingen Regisseur Hitchcock, das Drehbuch, Hauptdarstellerin Fontaine, Hauptdarsteller Olivier, Nebendarstellerin Judith Anderson, Komponist Franz Waxman, Schnitt, Ausstattung und Spezialeffekte aus.

Ein US-Zuschauer lobt: "Alfred Hitchcock hat hier mehr geschafft, als einen großartigen, kinotauglichen Roman und grandiose Schauspieler auszuwählen. Mit den romantischen, opulenten Kulissen, Lichtgebung wie aus einem Fiebertraum und der reichhaltigen, vielschichtigen Photographie, alles flüssig kombiniert, um Szenen zu erschaffen, die so schön sind, dass man sie beinahe schmecken, fühlen, riechen, greifen kann, hat der Regisseur einmal mehr bewiesen, dass er die instinktive Kraft des Kinos versteht. Es ist das Tempo und das Verbinden der ganzen brillanten Momente, die einen in diese Welt hineinzieht und nicht wieder loslässt."



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