Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Alien mit Harry Dean Stanton
Alien mit Harry Dean Stanton
© 20th Century Fox

TV-Tipp für Mittwoch (17.5.): Wie das Alien in die Welt kam

Kabel1 zeigt Meisterwerk "Alien"

"Alien", Kabel1, 22:50 Uhr
Im Jahr 2122 emfängt ein Handelsschiff im Weltraum ein Notsignal von einem Planetoiden und landet dort. Statt Überlebender findet man Zeichen außerirdischen Lebens, und ein Mitglied (John Hurt) der Crew wird von einer geheimnisvollen Lebensform angegriffen - nur der Auftakt zu einem Kampf ums Überleben an Bord des Raumschiffes.

Morgen startet "Alien: Covenant" in den hiesigen Kinos und schreibt damit eine Geschichte fort, die vor rund 40 Jahren begann und seitdem Fortsetzungen, Spin-offs, Spielzeuge, Romane, Comics und Video-Spiele nach sich gezogen hat. Von "Alien" - vom viel imitierten Monster selbst, wie auch von dem Gesamtpaket der Filme - geht offensichtlich eine Faszination bis zum heutigen Tag aus, was auch der Erfolg von "Prometheus" vor fünf Jahren belegt hat.

"Alien" legte dazu 1979 das Fundament. Zwar war der Horrorfilm zunächst bei den Kritikern nur gemischt aufgenommen worden, aber das Publikum strömte in die Lichtspielhäuser und machte den Streifen trotz seiner hohen Altersfreigabe, welche Jugendliche vom Besuch ausschloss, mit weltweit rund 200 Millionen Dollar - das entspräche heute 670 Millionen Dollar, wäre also auf einem Niveau mit zum Beispiel "Doctor Strange" - zu einem großen Erfolg. Erstaunlich für einen Horrorfilm. Auch die Industrie zollte dem Werk mit einem Oscar für die Visuellen Effekte und einer Oscar-Nominierung für die Ausstattung ihren Respekt. Dazu kamen zwei Britische Filmpreise für die Ausstattung und den Ton.

Vater des "Alien" ist dabei nicht Regisseur Ridley Scott, der die Saga mit "Prometheus" und "Alien: Covenant" wieder aufgenommen hat, sondern Drehbuchautor Dan O'Bannon. Dieser hatte das Drehbuch zu dem Science Fiction-Film "Dark Star" von 1974 geschrieben, der sozusagen die komödiantische Variante einer schief gehenden Weltraummission zeigte. Und er weckte O'Bannon's Appetit, einen ernsten Science Fiction-Film mit einem unheimlichen Monster zu drehen.

Zunächst hatten die Filmstudios an seiner Version von "'Der weiße Hai' im Weltraum", wie er sein Skript zu verkaufen suchte, kein Interesse. Das änderte sich schlagartig mit dem gigantischen Erfolg von "Star Wars" 1977. Nun konnten die Produktionsgesellschaften gar nicht genug von allem bekommen, was im Weltraum spielte. 20th Century Fox bissen an und produzierten den Film. Allerdings zerschlugen sich die Hoffnungen von Dan, sein eigenes Drehbuch auch selbst in Szene setzen zu können. Fox wollten das Projekt keinem Debutanten anvertrauen, sondern engagierten Scott, der gerade mit seinem Debut "The Duellists" überzeugt hatte.

Der Filmemacher verschob den Schwerpunkt nochmals deutlich von Science Fiction Richtung Horror. Für ihn sollte "Alien" wie "'The Texas Chainsaw Massacre' im Weltraum" sein. Seine Konzeptzeichnungen überzeugten die Fox-Manager dermaßen, dass sie das ursprünglich vorgesehene Budget von 4 auf 11 Millionen Dollar erhöhten. Dem Engländer war es unter anderem so möglich, in den Shepperton Studios bei London große Kulissen wie das des Alien-Planeten aufbauen zu lassen und weniger auf Modelle und Tricks setzen zu müssen.

Eine weitere Entscheidung, die wegweisend für das Werk, aber auch den weiteren Verlauf der Filmgeschichte werden sollten, war Ridley's Entschluss gegen alle Widerstände und Bedenken des Studios, mit Sigourney Weaver eine weibliche Heldin auf die ursprünglich als Mann geschriebene Figur zu setzen und so erstmals in einem großen Hollywood-Action-Film eine Frau in den Mittelpunkt zu stellen. Auch das Design war ungewöhnlich: Keine funkelnde "Enterprise" fliegt hier mit Wissenschaftlern durch den Weltraum, sondern ein dunkles, dreckiges Handelsschiff mit frustrierten Technikern, die ihren Job des Geldes wegen erledigen, und mit Ausnahme der Darstellerinnen Weaver und Veronica Cartwright von Männern jenseits der 40 und nicht wie in "Star Wars" von Mittzwanzigern dargestellt wurden.

Auch der Ton des Films unterscheidet sich von dem eines "Star Wars": Das Tempo ist langsam, Action nur sehr vereinzelt, statt dessen sorgen sorgfältig orchestrierte Spannungsmomente und die dröhnende Tonspur für Anspannung und Nägelkauen. Einen riesigen Anteil an der Wirkung und am Erfolg des Films kommt dabei dem schweizerischen Künstler H.R. Giger,der das Alien-Monster entwarf, und dem italienischen Modellbauer Carlo Rambaldi zu, der es zum Leben erweckte und drei Jahre später mit "E.T." ein etwas anderes Weltraumwesen ebenfalls weltbekannt machen sollte.

Besonders originell ist die Handlung nicht. Dan O'Bannon gab freimütig zu: "Ich habe nicht bei jemanden geklaut. Ich habe bei allen geklaut." Aber Ridley Scott verbindet hier Science Fiction, Horror und freudlose Poesie stilistisch brillant zu einem makellosen Meisterwerk. 2002 nahm die US Library of Congress den Streifen als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" in das National Film Registry auf, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein spanischer Zuschauer schwärmt: "Die Inszenierung ist perfekt, jede Einstellung großartig, jede Kamerabewegung Atem beraubend. Es gibt absolut nichts, was man hinzufügen oder weglassen könnte. Die Schauspieler sind phantastisch und lassen eine unglaublich glaubwürdige Version der Zukunft entstehen. Das Drehbuch ist gut aufgebaut und frei von absurden Wendungen. Seine Einfachheit und seine Wirksamkeit warten immer noch darauf, übertroffen zu werden. Die Atmosphäre ist genial: Gotisch, klaustrophobisch und manchmal barock. Der Einsatz von Licht und Schatten ist großartig, der Einsatz des Tons so unheimlich, wie er nur sein kann. Und dann natürlich das Alien. Die einzige Kreatur, die Sigourney Weaver die Show stehlen kann."

Hier geht es zum kompletten TV-Programm



Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.