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Blau ist eine warme Farbe mit Adèle Exarchopoulos und...ydoux
Blau ist eine warme Farbe mit Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux
© Alamode Film

TV-Tipps für Sonntag (14.1.): Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux geben alles

3sat zeigt "Blau ist eine warme Farbe"

3sat präsentiert im Spätprogramm mit "Blau ist eine warme Farbe" den Gewinner der Goldenen Palme von Cannes, während die ARD im Nachtprogramm "Härte" zeigt, eines von Rosa von Praunheim's beeindruckendsten Werken.

"Blau ist eine warme Farbe", 3sat, 22:15 Uhr

Das Leben einer jungen Frau (Adèle Exarchopoulos) ändert sich, als sie eine Frau (Léa Seydoux) mit blauen Haaren trifft, die es ihr ermöglicht, erstmals echte Begierde zu spüren und sich als Erwachsene und als Frau zu behaupten.

Die Stehende Ovation auf den Filmfestspielen von Cannes hatte es mehr als angedeutet, und als offenkundiger Favorit im Wettbewerb 2013 gewann "La vie d'Adèle" - "Das Leben der Adèle", so der Originaltitel - dann auch die Goldene Palme. Erstmals vergab dabei die Jury um ihren Vorsitzenden Steven Spielberg dabei den Hauptpreis des wichtigsten Filmfestivals der Welt nicht nur wie gewöhnlich an den Regisseur, sondern explizit auch an die beiden Hauptdarstellerin. Das war der Beleg für die außergewöhnlichen Leistungen von Adèle Exarchopoulos und Léa Seydoux, aber auch ein pikante Entscheidung.

Denn ein halbes Jahr später sollten sich die Aktricen und ihr tunesischer Regisseur Abdellatif Kechiche eine Auseinandersetzung via die Presse liefern, in der Exarchopoulos und Seydoux dem Filmemacher vorwarfen, sie ausgebeutet und mies behandelt zu haben. Die Dreherfahrung sei schrecklich gewesen, und sie wollten nie wieder mit Kechiche zusammen arbeiten. Zwar relativierten die Mimiminnen ihre Aussagen später, aber sie deckten sich mit den Vorwürfen der Gewerkschaft Syndicat des professionnels de l'industrie de l'audiovisuel et du cinéma, die bereits vor der Premiere des französischen Dramas öffentlich geworden waren. Der Stab beschwerte sich da über die schlechte Arbeitsatmosphäre, untertarifliche Bezahlung und die Verstöße gegen das Arbeitsrecht mit zu langen Arbeitszeiten.

Eines waren die Dreharbeiten zu der 4 Millionen Euro teuren Produktion in jedem Fall: Lang. Statt der ansgesetzten zweieinhalb Monate dauerte das Filmen sechs Monate; Kechiche nahm fast 800 Stunden Material auf, das er dann auf drei Stunden schneiden musste.

Die Kontroversen im Vorfeld und im Nachhinein können dabei die Qualität der Arbeit von Abdellatif nicht schmälern: Ihm gelang ein ungeschliffenes, ehrliches und vorzüglich intensives Werk, das in Sachen eines elegant komponierten und emotional packenden Dramas seinesgleichen suchte. Viel Aufmerksamkeit zogen dabei die realistischen und vor allem langen Sexszenen auf sich, die für manche Betracher schon unangenehm nah an einem Porno lavierten. Kein Wunder, dass die notorisch prüden Amerikaner "La vie d'Adèle" nur für Erwachsene freigaben.

Doch es wird dem Streifen, der auf dem Comic "Le Bleu est une couleur chaude" ("Blau ist eine warme Farbe") von Julie Maroh aus dem Jahr 2010 basiert, nicht gerecht, ihn auf diese Szenen zu reduzieren. Kechiche wollte nach eigenen Aussagen keinen "lesbischen Liebesfilm" drehen, sondern "einen universellen Film über die Leidenschaft und die Suche nach der sexuellen Identität, eine Geschichte eines Liebespaares schlechthin, um die Höhen und Tiefen einer tief empfundenen Beziehung, die jeden, ganz unabhängig von seiner sexuellen Orientierung, anrühren". Das ist ihm zweifelsfall triumphal gelungen.

Weltweit spielte "La vie d'Adèle" knapp 20 Millionen Dollar ein, lief mit 738 000 Besuchern in Frankreich erfolgreich und stand auf vielen Bestenlisten des Jahres 2013. Bei den Golden Globes und den Britischen Filmpreisen war er als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert, von Argentinien bis Norwegen hagelte es Preise und Nominierungen. Bei den Europäischen Filmpreisen waren der Film und Regisseur Abdellatif Kechiche nominiert. Bei den Französischen Filmpreisen gab es indes enttäuschenderweise bei acht Nominierungen nur einen César für Adèle Exarchopoulos als "Beste weibliche Neuentdeckung". Vielleicht waren die Kontroversen doch nicht ganz folgenlos geblieben...

Kritiker Christopher Runyon befand in "Movie Mezzanine": "Man muss einen Film bewundern, der drei Stunden dauert und so durchgehend fesselnd ist."



"Härte", ARD, 00:05 Uhr
Die wahre Geschichte des Kampfsportlers und Zuhälters Andreas Marquandt (Hanno Kofler), der mit Hilfe seiner Freundin (Luise Heyer) seinen Weg ins bürgerliche Leben findet.

Produzent, Regisseur und Drehbuchautor Rosa von Praunheim hat sein deutsches Drama in einer Mischung aus Spielfilm- und Dokumentarfilmszenen zusammen gesetzt, in denen der echte Andreas Marquardt, der heute eine Kampfsportschule in Berlin-Neukölln leitet und eine Wohltätigkeitsorganisation für misshandelte und missbrauchte Kinder gegründet hat, und seine Freundin Marion zu Wort kommen. Das Skript basiert auf der 2006 veröffentlichten Autobiographie "Härte – Mein Weg aus dem Teufelskreis der Gewalt" von Marquardt.

Die heikle Darstellung des Kindesmissbrauchs ist von Praunheim zusammen mit seinen Schauspielern sensibel gelungen. Insgesamt ist es die Stärke des Werks, seinen offenen Blick auf die schwierige Geschichte nie voyeuristisch abgleiten zu lassen und trotz seiner Offenheit die Verhaltensweisen von Marquandt nicht zu rechtfertigen.

Seine Premiere feierte der spannende und hervorragend gespielte Streifen 2015 auf den 65. Internationalen Filmfestspielen Berlin und erhielt gute Kritiken. Hanno Kofler wurde als "Bester Hauptdarsteller" für den Deutschen Filmpreis nominiert.

Kritiker Manfred Riepe urteilte im "Filmdienst": "Ein kleiner, aber wuchtiger Film, dessen 'Härte' im Gedächtnis bleibt."



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