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Die Nacht des Jägers - Sally Anne Bruce, Billy...tchum
Die Nacht des Jägers - Sally Anne Bruce, Billy Chapin, Shelley Winters und Robert Mitchum
© MGM

TV-Tipp für Montag (16.7.): Robert Mitchum erzählt von Gut und Böse

Arte zeigt "Die Nacht des Jägers"

"Die Nacht des Jägers", Arte, 20:15 Uhr
Ein religiöser Fanatiker (Robert Mitchum) heiratet eine naive Witwe (Shelley Winters) mit zwei kleinen Kindern (Sally Jane Bruce und Billy Chapin), um an versteckte 10 000 Dollar aus einem Raubmord des hingerichteten Vaters (Peter Graves) zu kommen.

Eine der größten Ungerechtigkeiten der Filmgeschichte ist der Misserfolg dieses US-Thrillers aus dem Jahr 1955, der die Zuschauer wahrscheinlich weiterer interessanter Werke des englischen Schauspielers Charles Laughton beraubt hat, der nach diesem Regiedebut nie wieder einen Film drehen sollte.

"The Night of the Hunter" erhielt nur gemischte Kritiken und floppte. Heute wird die United Artists-Produktion einhellig gepriesen, landete bei einer Liste der besten Filme aller Zeiten der französischen Kinozeitschrift "Cahiers du cinéma" 2008 auf Platz zwei und war schon 1992 als "kulturell, historisch oder ästhetisch" bedeutsames Werk von der US-Library of Congress in das National Film Registry aufgenommen worden, um es der Nachwelt zu erhalten. Zu spät für den schon 1962 zu früh verstorbenen Laughton; Hauptdarsteller Mitchum hat die Wende in der kritischen Beurteilung indes noch miterlebt.

Dieser war nicht die erste Wahl für den ikonischen Part des "Priesters" gewesen, der auf seinen Händen die Worte "Love" und "Hate" eintätowiert hat. Charles wollte Gary Cooper, dem die Rolle aber zu negativ erschien. Das Glück der Zuschauer: Robert gibt eine formidable Darstellung und bezeichnete Laughton als den besten Regisseur, mit dem er je gearbeitet hatte.

Der Streifen basiert auf dem gleichnamigen Roman von David Grubb aus dem Jahr 1953, der Motive der wahren Geschichte von Harry Powers aufnahm, der 1932 im US-Bundesstaat West Virginia für die Morde an zwei Witwen und drei Kindern gehängt wurde. Produzent Paul Gregory begeisterte das Buch, das zum Bestseller wurde, und kaufte die Verfilmungsrechte. Er konnte Laughton für die Regie gewinnen; beide hatten bereits am Broadway bei Theaterstücken als Produzent und Regisseur zusammen gearbeitet.

Für das Drehbuch engagierte man den renommierten Autoren James Agee ("African Queen"), dessen erste Fassung laut Laughton allerdings "so dick wie ein Telephonbuch" war. Der Filmemacher selbst kürzte es auf eine verfilmbare Länge.

Gedreht wurde die in West Virginia spielende Handlung für 800 000 Dollar in den Filmstudios von RKO Pictures im kalifornischen Culver City und auf einer Ranch im San Fernando Valley.

Dass "The Night of the Hunter" von manchen Zuschauern damals wie heute verlacht wird, hat sicher auch mit Erwartungshaltungen zu tun. Auf das Seherlebnis dieses Streifens bereitete damals wie heute nichts vor, und das Wort "Thriller" oder auch "Krimi" weckt bestimmte Erwartungshaltungen, die das Werk nicht einlösen will oder kann. Ähnlich verhält es sich zum Beispiel mit einem Film wie "The Thin Red Line" ("Der schmale Grat"), den man zwar als "Kriegsfilm" bezeichnen kann, dessen Wirkung aber mit diesem Wort bei weitem nicht vorausgesehen werden kann.

Charles selbst bezeichnete seinen Film als ein "alptraumhaftes Märchen". Der damals 55-Jährige bediente sich bei seiner Inszenierung beim filmsprachlichen Arsenal der deutschen Stummfilmzeit, dem Expressionismus. Vieles wirkt bewusst irreal - eben wie in einem Traum - und wird durch bizarre Schatten, stilisierte Dialoge, verzerrte Perspektiven, surreale Kulissen und ungewöhnliche Kameraperspektiven betont. Meisterhaft spielt Kameramann Stanley Cortez mit Licht und Schatten und starken Kontrasten, um eine beklemmende Atmosphäre zu erreichen, die tatsächlich zwischen Märchen, Schauergeschichte und Alptraum changiert.

Eine Zuschauerin lobt: "Dieser Film wimmelt von bewusst stilisierten, Gemälde-gleich arrangierten Bildern, eindringlichen Tönen, einem Gefühl wie bei einem Puppentheater. Charles Laughton findet die Grausamkeit und die Schönheit in Gut und Böse und zeichnet die Linien schärfer und eindeutiger. Niemand scheint jemals bedrohlicher als Robert Mitchum's manipulativer Prediger, der die Kinder rücksichtslos jagt. Keine Frau reiner als Lilian Gish, die den Kindern ein Einschlaflied singt, mit einem Gewehr auf ihrem Schoß. Eine klassische amerikanische Reise, gespeist aus deutschem Expressionismus und europäischen Märchen. Eine Moralgeschichte mit dem Bösewicht auf dem aufsteigenden Ast. Ein Märchen, bei dem sich die Kinder buchstäblich im Wald verlieren und der Fluss als Pfad aus dem Wald führt und Hoffnung und Ruhe bringt."



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