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Nokan - Die Kunst des Ausklangs
Nokan - Die Kunst des Ausklangs
© Kool/Filmagentinnen

TV-Tipps für Sonntag (19.8.): Mashiro Motoki lässt das Wochenende ausklingen

ARD zeigt "Nokan"

Der Sonntagabend lässt das Wochenende mit dem hervorragenden japanischen Oscar-Gewinner "Nokan" im ARD-Nachtprogramm im wahrsten Wortsinne bewegend ausklingen. Zuvor kann man in "Out of Sight", dem King of Cool-Krimi im Arte-Hauptprogramm, anschauen, wie George Clooney vor 20 Jahren zum Kino-Star wurde.

"Out of Sight", Arte, 20:15 Uhr
Ein Bankräuber (George Clooney) bricht aus dem Gefängnis aus und beginnt eine Affaire mit einer US-Marshallin (Jennifer Lopez), die ihn eigentlich jagt.

Nachdem Produzent Danny DeVito mit der Verfilmung von Elmore Leonard's "Get Shorty" 1995 einen Erfolg gelandet hatte, zögerte er nicht und erwarb für Universal Pictures die Verfilmungsrechte an Leonard's aktuellem Roman "Out of Sight" aus dem Jahr 1996.

Für 48 Millionen Dollar übernahm Steven Soderbergh ("Ocean's Eleven") die Regie des US-Kriminalfilms, für den er mit Sandra Bullock in der Hauptrolle plante, aber nach Leinwandtests mit ihrem potentiellen Co-Star George Clooney stand für den Filmemacher fest: "Die Chemie stimmt definitiv zwischen den Beiden, sie sollten wirklich einen Film zusammen drehen. Aber für diesen Film passt es nicht." Statt dessen wurde Jennifer Lopez engagiert, die sich später beklagte, dass sie mit 2 Millionen Dollar Gage abgespeist wurde, während Clooney 10 Millionen Dollar erhielt. Insgesamt lag das Budget bei 48 Millionen Dollar.

Sowohl für Soderbergh als auch für Clooney wurde "Out of Sight" ein wichtiger Wendepunkt in ihrer Karriere, die Mitte der Neunziger weitgehend am Publikum und teilweise schwer an den Kritikern vorbeigegangen war. Die intelligent inszenierte Literaturverfilmung ist witzig, sexy und unterhält mit ihren überraschenden Wendungen.

"Out of Sight" machte aus dem "Emergency Room"-Fernsehstar George mit zwei Jahren Verzögerung auch einen echten Kinostar, der diesen Status zusammen mit Steven drei Jahre später mit "Ocean's Eleven" weiter festigen sollte.

Mit weltweit 77 Millionen Dollar wurde der Streifen, der großartige Kritiken erhielt, ein solider Erfolg und erhielt zwei Oscar-Nominierungen für Drehbuchautor Scott Frank und Cutterin Anne V. Coates.

Eine Zuschauerin befindet: "Für mich hat dieser Film alles: Phantastische Hauptdarsteller, die wirklich die Funken fliegen lassen - anders als in so vielen 'romantischen' Filmen; eine brillante und mannigfaltige Nebendarstelleriege; Dialoge, die zugleich witzig und anrührend sind; Musik und Kameraführung, welche die Atmosphäre aufbauen und ein alles durchdringendes Gefühl der Coolness. Es ist einfach ein Genuss von Anfang bis Ende, und ich würde kein Detail daran ändern wollen. Das ist wahrlich vollkommenes und intelligentes Filmemachen. Einige Filme lassen einen beschwingt aus dem Kino kommen, weil man gerade gemerkt hat, wie cool das Leben sein kann. Das ist definitiv einer dieser Streifen."



"Nokan - Die Kunst des Ausklangs", ARD, 01:15 Uhr
Ein gerade arbeitslos gewordener Cellist (Masahiro Motoki) übernimmt eine Stelle als Leichenwäscher.

"Okuribito" gewann 2009 den Oscar als "Bester nicht englischsprachiger Film". Das zwar langsame und voraussehbare, aber leise und lebensbejahende Drama eroberte somit nicht nur die Herzen der Kritiker und des Publikums, sondern konnte sich auch über die Wertschätzung der US-Filmindustrie freuen. Im Heimatland erhielt der Streifen von Yôjirô Takita 13 Nominierungen bei den Japanischen Filmpreisen und konnte zehn davon gewinnen, darunter als "Bester Film".

Der Film entstand über zehn Jahre hinweg. Hauptdarsteller Masahiro Motoki lernte das Cello-Spielen und auch die Kunst der Bestattung bei einem Leichenwäscher. Regisseur Takita besuchte Bestattungsfeiern, um die Gefühle der Angehörigen verstehen zu können. In Japan sind Tod und Bestattung – wie im Film gezeigt – in ein Zeremoniell gebettet, gehören aber in der Öffentlichkeit zu den Tabuthemen, was ebenfalls Thema des Werks ist. Der Filmemacher war daher unsicher, ob sein Werk genügend Zuschauer anlocken würde. Er musste sich nicht sorgen: "Okubirito" (Der den Abschied gibt) wurde zur erfolgreichsten heimischen Produktion des Jahres 2008 in Japan und erreichte Platz 15 der umsatzstärksten Filme insgesamt.

Es muss eine Genugtuung für Takita gewesen sein, der sich seit Mitte der Neunziger, nachdem er bei einer Indien-Reise eine Begräbniszeremonie am Ganges gesehen hatte, mit der Idee trug, aus dem Thema Bestattung und Abschiednehmen einen Film zu machen, aber aufgrund der Thematik lange kein Filmstudio fand, dass die Produktion finanzieren wollte. Selbst das Anmieten von Drehorten erwies sich als schwierig - sobald die Grundstücks- oder Hausbesitzer erfuhren, worum es in dem Film gehen sollte, lehnten sie ab. Auch daher zog sich die gesamte Produktion über ein Jahrzehnt hin. Gedreht wurde schließlich für 40 Tage in Kaminoyama, Sakata, Tsuruoka, Yuza und Amarume.

Selbst als der Film fertig war, bestand die Schwierigkeit darin, ihn nun in die Kinos zu bringen. Die Filmverleiher lehnten ab. So musste "Okubirito" im Ausland Premiere feiern: Beim Montreal World Film Festival gewann er im August 2008 den Großen Preis. Diese Wertschätzung führte zum Umdenken in der Heimat: Der Verleiher Shochiku brachte den Streifen einen Monat darauf auf die Leinwände. Der Film lief gut, steigerte sich dank Mundpropaganda und erhielt nochmal einen Riesenaufwind durch den Oscar-Gewinn im Februar 2009. Weltweit spielte der Film 70 Millionen Dollar ein.

Yôjirô Takita gelingt es, mit Komik zunächst die Berührungsängste vor dem Thema Tod aufzuheben und die Geschichte dann in eine ruhig erzählte, berührende Reflexion über das Sterben als Teil des Lebens, die Suche nach innerem Frieden und der Aussöhnung mit dem persönlichen Schicksal zu überführen.

Kritiker Philip De Semlyen lobte in "Empire": "Herzerwärmend, witzig, weise und tiefgründig."



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