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Verschwundene Fan Bingbing meldet sich

China streicht Premiere von Bruce Willis-Film "Air Strike"

Sie ist eine der bestbezahlten Schauspielerinnen der Welt - und seit dem 1. Juli war sie aus der Öffentlichkeit verschwunden: Bingbing Fan. Dass dieser Rückzieher nicht freiwillig war, ließ sich erahnen, als die Regierung ihr in einem halboffziellen Bericht über chinesische Filmstars im Feld "soziale Verantwortung" eine auffallend schlechte Bewertung erteilte und einen TV-Bericht von CNN über ihr Verschwinden ausblendete.

Nun ist klar: Bingbing ist unter Hausarrest gestellt worden. Gegen die Aktrice, im Westen unter anderem durch eine Nebenrolle in "X-Men: Days of Future Past" im Jahr 2014 bekannt, wird laut der chinesischen "Börsenzeitung" wegen Steuerbetrugs ermittelt. Sie soll bei der Steuerbehörde fingierte Honorarverträge mit absichtlich minimierten Beträgen vorgelegt haben, um Steuern zu sparen. Nun muss sie insgesamt 883 Millionen Yuan, das sind umgerechnet 130 Millionen Dollar, Steuern und Strafnachzahlungen berappen.

Am 3. Oktober meldete sich die 37-Jährige über den chinesischen Kurznachrichtendienst Sina Weibo, bei dem sie 62 Millionen Abonnenten hat, und übte den Kotau: "Ohne die gute Politik der Kommunistischen Partei und des Staates und ohne die Liebe des Volkes gäbe es Fan Bingbing nicht. Ich akzeptiere die Entscheidung der Steuerbehörde und werde mein Bestes versuchen, alle Schwierigkeiten zu überwinden und Geldmittel zu beschaffen, um die Steuern und die Strafe zu bezahlen. Ich bin des Vertrauens der Gesellschaft unwürdig und habe die Fans, die mich lieben, enttäuscht."

Der chinesische Staat belässt es aber nicht dabei. Gestern meldete sich ebenfalls über Sina Weibo der chinesische Regisseur Xiao Feng, um mitzuteilen, dass die für den 26. Oktober angesetzte Premiere seines Films "Air Strike" abgeblasen sei. Dass Adrien Brody und Bruce Willis in dem chinesischen Abenteuerfilm, der im Zweiten Weltkrieg spielt, mitwirken, ist da einerlei. Es reicht, dass Fan Bingbing ebenfalls auf der Besetzungsliste steht. Bitter für Feng, der schreibt, dass er acht Jahre Arbeit in die Produktion gesteckt habe.

Die öffentliche Kujonierung von Fan passt ins aktuelle Bild der chinesischen Politik, die gerade eine Kampagne gegen die ihrer Ansicht nach aus dem Ruder gelaufenenen Star-Gagen fährt. Im Juni verfügten die Behörden, dass die Gagen für die Stars höchstens 40 Prozent des Budgets und nicht mehr als 70 Prozent der gesamten Honorare für alle an der Produktion beteiligten Schauspieler ausmachen dürfen.


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