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Keine Netflix-Filme in Cannes

Gespräche brachten keine Einigung

Es hätte vergangenen Monat nicht viel gefehlt, und "Roma" hätte zu seinen drei Oscars auch noch den wichtigsten geholt - als "Bester Film". Das hätte in der Filmindustrie mit Sicherheit zu noch mehr Zähneknirschen gesorgt als ohnehin schon, denn das mexikanische Drama von Academy Award-Triple-Triumphator Alfonso Cuarón ist von Netflix produziert worden, der Internet-Streaming-Firma, die Serien wie "House of Cards" für ihren Kanal eigenproduziert hat und seit 2015 mit "Beasts of No Nation", der zeitgleich in die Kinos kam und im Internet veröffentlicht wurde, auch Spielfilme produziert.

Das hat die Kinowelt in zwei Lager gespalten: Die Einen erklären, dass nur für das Kino produzierte Spielfilme, die dort auch aufgeführt werden - und das nicht nur mit ein bis zwei Pseudo-Vorstellungen, um sich für Preisverleihungen und Festivals zu qualifizieren - echte Spielfilme sind. Nur jene hätten die Berechtigung, zum Beispiel ins Oscar-Rennen zu gehen oder auf Filmfestivals wie der Berlinale gezeigt zu werden. Das Internet sei ein natürlicher Konkurrent - oder gar Totengräber - des Kinos, den man nicht gleich behandeln dürfe.

Das andere Lager hält die Trennung in Kino- und Streaming-Produktionen für künstlich, um so mehr, weil sich die Welten immer mehr annäherten und miteinander verschmölzen. Das Internet-Rad ließe sich nicht zurückdrehen, und für das Internet produzierte Filme eröffneten ganz neue Möglichkeiten. Viele Filme würden ansonsten überhaupt nicht entstehen, weil sie den großen Filmstudios als "zu sehr Nische" erschienen, wie zum Beispiel aktuell "Roma". Entscheidend dürfe allein die Erzählkunst für die Bewertung eines Werkes sein, unabhängig von seinem Medium.

Wie schwierig die Abwägung ist, zeigte die sehr diplomatische Antwort - oder auch das Herumeiern - von Kevin Costner, der am Rande des SXSW Film Festivals letzte Woche erklärte: "Man kann stundenlang beiden Parteien zuhören und jeweils feststellen: Da haben sie recht. Oder: Das ist auch ein guter Punkt. Ich denke, Filme sind für das Kino gedacht. Aber auch Gott sei Dank für diese Möglichkeiten, sich Filme herunterzuladen und anzusehen, denn nun gibt es noch mehr Konkurrenz."

Kulminationspunkt der Netflix-Kontroverse ist seit Jahren das Cannes Filmfestival. Die französische Filmindustrie tobte vor zwei Jahren, als zwei Netflix-Produktionen dort in den Wettbewerb eingeladen worden waren. Vergangenes Jahr machte Festivaldirektor Thierry Fremaux einen Rückzieher und erklärte, solange Netflix-Produktionen nicht landesweit in den französischen Kinosälen aufgeführt würden, dürften sie in Cannes nicht weiter gezeigt werden. Da Netflix seine Distributionspolitik nicht zu ändern bereit war, fehlen die US-Produktionen seither und werden es wohl auch in diesem Jahr tun, wie "Variety" berichtet. "Roma" wurde statt dessen im September bei den Filmfestspielen in Venedig uraufgeführt, wo er prompt den Goldenen Löwen gewann.

Zwar sind Netflix und Cannes in Gesprächen, aber beide Seiten beharren auf ihren Standpunkten. So werden weder Martin Scorsese's "The Irishman" mit Robert De Niro, Steven Soderbergh's "The Laundromat" mit Meryl Streep oder "The King" mit Timothée Chalamet an die Croisette kommen können.


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