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Spartacus
Spartacus
© Universal Pictures International

TV-Tipps für Karsamstag (20.4.): Kirk Douglas startet eine Revolution

ZDF zeigt "Spartacus"

Am Karsamstagabend werden Nachteulen mit Spielfilmen von Spitzenregisseuren belohnt: Im Nachtprogramm von 3sat läuft Billy Wilder's Komödie "Eine auswärtige Affäre", während parallel das ZDF das Epos "Spartacus" von Stanley Kubrick ausstrahlt.

"Eine auswärtige Affäre", 3sat, 00:15 Uhr
Im nach dem Zweiten Weltkrieg besetzten Berlin ist ein US-Armeehauptmann (John Lund) hin- und hergerissen zwischen einer Nachtclubsängerin (Marlene Dietrich) mit früheren Beziehungen zu hohen Nationalsozialisten und ausgerechnet der US-Kongressabgeordneten (Jean Arthur), die herausfinden soll, welcher US-Soldat eine schützende Hand über die Deutsche hält.

"A Foreign Affair", so der Originaltitel, funktioniert ebenso als Komödie wie auch als Zeitdokument. Der aus Österreich stammende Regisseur und Drehbuchautor Billy Wilder, der von 1926 bis zu seiner Auswanderung zu Beginn des Dritten Reichs 1933 in Berlin gelebt hatte und inzwischen zu einem der erfolgreichsten und bekanntesten Hollywood-Regisseure geworden war, wurde im Sommer 1947 im Auftrag der US-Regierung in das zerstörte und besetzte Berlin geschickt. Dort sollte er einen Propagandafilm über die US-Besetzung in der ehemaligen Reichshauptstadt drehen.

Doch Wilder wusste zu gut, dass Filme "mit dem erhobenen Zeigefinger" beim Publikum nicht verfingen. Statt dessen schrieb und drehte er zusammen mit seinem langjährigen Mitautoren Charles Brackett ("Sunset Boulevard") ein amüsantes, frivoles und ironisches Werk über die fließenden Übergänge zwischen Moral und Unmoral auf Seiten der Sieger wie der Besiegten - mit den gewohnt messerscharfen Dialogen ("Auf diesem Balkon wettete Adolf Hitler, dass sein Reich 1000 Jahre halten würde. Das war der Tag, an dem er seinen Buchmachern das Herz brach."). Gedreht wurde vor Ort in Berlin und in den Paramount Studios in Hollywood.

Die drei Lieder "Black Market", "Illusions" und "The Ruins Of Berlin", die Marlene Dietrich im Film singt und die mit der Handlung verknüpft sind, wurden eigens für sie von Friedrich Hollaender komponiert, der wie Wilder wegen seiner jüdischen Religion 1933 vor den Deutschen hatte fliehen müssen und der die Dietrich hier am Klavier begleitet.

"A Foreign Affair" lief 1948 erfolgreich beim US-Publikum und wurde für das Drehbuch und die Kameraführung von Charles Lang für Academy Awards nominiert.

In Deutschland kam die Produktion, die sich auch über die Wendehälse der deutschen Gesellschaft lustig machte, erst gar nicht in die Kinos. Erst rund 30 Jahre später sollte die ARD den Streifen ausstrahlen.

Ein Zuschauer schreibt: "Eine der Komödien, die für immer in der Stratosphäre des Witzes, der Intelligenz und der Wahrheit existieren wird. Sie hält sich nicht zurück, um Politik, Gier, Heuchelei und Opportunismus bloß zu stellen, und behandelt ihr Publikum wie Erwachsene."



"Spartacus", ZDF, 01:40 Uhr
Der Sklave Spartacus (Kirk Douglas) führt im 1. Jahrhundert vor Christus eine Revolte gegen die dekadente römische Republik an.

Es hatte Kirk Douglas gewurmt, dass ihm Charlton Heston 1958 bei der Besetzung der Titelrolle von "Ben Hur" vorgezogen worden war. Doch der Akteur sagte sich: "Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt..." und organisierte sein eigenes römisches Epos. Nachdem der Vize seiner eigenen Produktionsgesellschaft Bryna Productions ihn auf den Roman "Spartacus" von Howard Fast aus dem Jahr 1951 aufmerksam gemacht hatte, beschloss Douglas, das Buch mit sich selbst in der Hauptrolle auf die Leinwand zu bringen und konnte Universal Pictures als Finanzier gewinnen.

Als Regisseur für den aufwendigen Abenteuerfilm mit einem Budget von 12 Millionen Dollar - was nach heutigem Wert rund 100 Millionen Dollar entspricht - und etwa 10 000 Komparsen wählte Kirk Anthony Mann ("El Cid"), mit dem er sich nach einer Woche Drehzeit allerdings bereits so zerstritt, dass er Mann feuerte. Als Ersatz holte der Darsteller Stanley Kubrick ("Full Metal Jacket"), mit dem er 1957 bei "Paths of Glory" erfolgreich zusammen gearbeitet hatte.

Kubrick zeigte sich der Mammutaufgabe gewachsen, aber nicht ohne im ständigen Clinch mit dem Studio oder seinem Kameramann Russell Metty zu liegen, weil der Filmemacher seine stets sehr spezifischen Vorstellungen durchsetzen wollte. Gedreht wurde in Spanien und in Hollywood, und im Michigan State Football Stadium ließen Kubrick und seine Crew 76 000 Zuschauer "Hail Crassus!" und "I am Spartacus!" brüllen, um den Ton aufzunehmen.

Politisch brisant wurde das Werk, weil Kirk Douglas nicht nur darauf bestanden hatte, den wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe mit einem Berufsverbot belegten Drehbuchautoren Dalton Trumbo ("Papillon") zu beschäftigen, sondern seinen Namen auch im Vorspann zu nennen. Mit diesem mutigen Schritt, der Proteste und Boykottaufrufe konservativer Gruppen heraufbeschwor, beendete Douglas das Unwesen der "Schwarzen Liste" mit ihren Berufsverboten wegen angeblicher kommunistischer Umtriebe.

Für alle Beteiligten war "Spartacus" ein Triumph. Mit einem weltweiten Einspiel von 60 Millionen Dollar - das entspricht heute rund 480 Millionen Dollar - wurde der Streifen mit seinen großartigen darstellerischen Leistungen eines Ensembles, das seinesgleichen suchte, und den epischen Action-Szenen der bis dahin erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte von Universal Pictures und der einspielstärkste des Jahres 1960 in den USA.

Dazu kamen vier Academy Awards für Peter Ustinov als "Bester Nebendarsteller", für Kameramann Russell Metty, für die "Beste Ausstattung" und für die "Besten Kostüme". Dazu gab es noch zwei Nominerungen für Komponist Alex North und Cutter Robert Lawrence. Bei den Golden Globes zeichnete die Auslandspresse das Werk als "Besten Film" aus, neben fünf weiteren Nominierungen für Regisseur Stanley Kubrick, Hauptdarsteller Laurence Olivier, den Nebendarstellern Woody Strode und Peter Ustinov sowie Komponist Alex North. Bei den Britischen Filmpreisen war der Film nominiert. 2017 wurde der Film von der US-Library of Congress als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsames Werk" in das National Film Registry aufgenommen, um es der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer preist den Film: "Das düsterste historische Epos. Keine tanzenden Mädchen, keine Wagenrennen, alles in gedecktem Braun und Rot gefilmt. Der Film hat Tiefe und Gewicht und die Charaktere sind rund gezeichnet, wobei die schauspielerischen Leistungen beinahe makellos sind. Ich war erstaunt, wie mutig der Film ist - der Held weint mehrere Male, einmal sogar aus Selbstmitleid, und das Ende ist herzzerreißend. Ironischerweise ist der Film aber trotz seines pessimistischen Tons erhebend."



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