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Deutsche Filmstarts: Denis Villeneuve bezwingt den Wüstenplaneten

"Je suis Karl" gegen rechts

Zwei deutsche Produktionen für Jung ("Madison") und Älter ("Je suis Karl") hat die neue Kinowoche zu bieten, dazu einen weiteren Aufguss der "Saw"-Folterreihe - diesmal mit Chris Rock-Sprüchen -, vor allem aber das mit Spannung erwartete Remake des unverfilmbaren "Dune" durch den unvergleichlichen Denis Villeneuve. Was lohnt den Kinobesuch? Und wann lässt man das Portemonnaie besser stecken?

"Dune"
Science Fiction
USA
155 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Im Zentrum von Machtkämpfen in der fernen Zukunft in einer Galaxie steht ein Wüstenplanet, der einen unentbehrlichen Rohstoff, aber auch viele Gefahren birgt.

Woran David Lynch 1984 gescheitert war - der kanadische Regisseur Denis Villeneuve ("Blade Runner 2049") schafft es. Zwar muss auch er mit dem sperrigen Ausgangsmaterial - dem gleichnamigen Roman von Frank Herbert aus dem Jahr 1965 - ringen, aber die Größe und die Ambition seines US-Science Fiction-Films sind einfach nur beeindruckend. Die Kritiken und erste Mundpropaganda für die 165 Millionen Dollar teure Warner Brothers Pictures-Produktion sind sehr gut, so dass dem angekündigten nächsten Film, der die zweite Hälfte der Buchvorlage abdecken soll, nichts im Wege stehen dürfte.

Sehr zur Freude unseres Kritikers Falk Straub, der begeistert ist und die Höchstwertung vergibt: Fünf von fünf Sternen! Er schreibt: "Ein in allen Gewerken brillanter Film, der den Segen vieler Fans der Vorlage erhalten dürfte. Atem beraubende Bilder und erwachsene Action machen aus dem Roman eine echte Alternative für all jene, die mit dem Kinderquatsch der Comic-Verfilmungen nichts anfangen können. Ob diese Neuverfilmung allerdings die von Denis Villeneuve gewohnte Tiefe besitzt, wird sich erst in der Fortsetzung zeigen. Ein imposanter Auftakt, der auf Großes hoffen lässt."

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"Saw: Spiral"
Horror
USA
93 Minuten
FSK 18

Unsere Empfehlung: Spart Euch das Geld!

Ein einzelgängerischer Polizist (Chris Rock) soll zusammen mit einem neuen Kollegen (Max Minghella) einen Nachahmungstäter des Jigsaw-Mörders zur Strecke bringen, gerät dabei aber selbst in Verdacht.

Die Teile 2 bis 4 der nun neunteiligen "Saw"-Reihe hatte Regisseur Darren Lynn Bousman einst in Szene gesetzt - nun kehrt er nach 14 Jahren zurück für einen Ableger, der die torture porn-Elemente mit einer Kriminalgeschichte und flotten Sprüchen à la Chris Rock kreuzt. Eine interessante Mischung, aber letztlich nichts Halbes und nichts Ganzes. Die überraschungsfreie Handlung kann nur hier und da durch die von Fans erwarteten und erhofften Brutalitäten belebt werden. Die Kritiken für die 20 Millionen Dollar teure Studiocanal-Produktion sind schlecht, die Zuschauerreaktionen ebenso.

Unser Rezensent Björn Schneider urteilt milder: "Vereinzelt überraschend spaßiges, passend besetztes Spin-Off mit deftigen Gewaltspitzen, dessen Spannungskurve leider nie wirklich Fahrt aufnimmt."

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"Je suis Karl"
Drama
Deutschland
125 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Spart Euch das Geld!

Nach einem Terroranschlag in Berlin, bei dem fast ihre ganze Familie ausgelöscht wurde, lernt eine traumatisierte Studentin (Luna Wedler) einen charismatischen jungen Mann (Janis Niewöhner) kennen, der sich nach und nach als manipulativer Extremist entpuppt.

Regisseur Christian Schwochow ("Deutschstunde") und Drehbuchautor Thomas Wendrich ("Ich und Kaminski") können für sich in Anspruch nehmen, dass ihr deutsches Drama mit seinen ehrenvollen Absichten gleich für vier Deutsche Filmpreise nominiert ist: Als "Bester Film", für Hauptdarstellerin Luna Wedler, Hauptdarsteller Janis Niewöhner und Nebendarsteller Milan Peschel. Die Schauspieler sind ja auch wirklich überzeugend in dieser Pandora-Produktion, aber ansonsten ist das Ganze peinlich platt, holzschnittartig und konstruiert. Als Warnung vor rechten Rattenfängern eine versemmelte Chance.

Unseren Kollegen Christian Klosz hat der Streifen geradezu erzürnt, so dass er die Höchststrafe verhängt: Einer von fünf Sternen! Er schreibt: "Plump, laut, schrill und äußerst banal. Ein zynischer Film für Menschen, die nicht denken wollen und kein Problem damit haben, sich durch Leid unterhalten zu lassen. Dem Portrait der neuen Rechten in Europa fehlt es völlig an Tiefgang und ernsthaftem Interesse an einem realen, Besorgnis erregenden Phänomen, wodurch der diskursive Beitrag dazu gleich null ist. Ein boulevardesker Polit-Porno."

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"Madison - Ungebremste Girlpower"
Abenteuer
Deutschland
87 Minuten
FSK 6

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Eine verbissene 13-jährige Bahnradrennfahrerin (Felice Ahrens) muss die Sommerferien wider Willen in den Tiroler Bergen verbringen, wo sie über Gleichaltrige das Mountainbike-Fahren und neue Lebensfreude für sich entdeckt.

Regisseurin und Drehbuchautorin Kim Strobl gibt mit diesem deutschen Abenteuerfilm ein gelungenes Spielfilmdebut: Schwungvoll und tiefgreifend setzt sich die Farbfilm-Produktion differenziert mit Aufwachsen und Loslösen von Jugendlichen auseinander. Die ersten Kritiken sind gut.

Unserem Kritiker Falk Straub hat es auch gefallen: "Ein abwechslungsreicher und schön photographierter Film voll sympathischer Figuren und starker Mädchen. Zwar ist das Debut nicht frei von Schwächen, vermittelt aber die 'ungebremste Girlpower', die der Titel verspricht."

Hier geht es zu den kompletten Filmstarts


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