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The Eternals
The Eternals
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Deutsche Filmstarts: Chloe Zhao bringt neues Marvel-Abenteuer

Kate Winslet und Saoirse Ronan als Power-Paar

Natürlich ist das neue Marvel-Opus "Eternals" der große Debutant in den deutschen Kinos in dieser Woche, aber verstecken muss sich die Konkurrenz aus Europa im Schatten des Giganten gar nicht. Das britische Drama "Ammonite" bringt ein schauspielerisches Feuerwerk von Kate Winslet und Saoirse Ronan, "Die Geschichte meiner Frau" eine ungarische Literaturverfilmung der Goldenen Bär-Preisträgerin Ildikó Enyedi und "Bergman Island" das englischsprachige Debut der französischen Regisserin Mia Hanson-Love. Was lohnt den Kinobesuch? Und wann lässt man die Geldbörse besser stecken?

"Eternals"
Fantasy
USA
156 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Die alterslosen, von kosmischer Energie beseelten "Eternals" müssen die Menschheit vor den monströsen "Deviants" beschützen.

Man reibt sich die Augen: Der nächste Part im Marvel Cinematic Universe ist von der chinesischen Oscar-Preisträgerin Chloe Zhao ("Nomadland") inszeniert und geschrieben worden. Walt Disney Studios und Marvel Studios haben einmal mehr Mut bewiesen, eine unkonventionelle Wahl für das Regiestühlchen eines 200 Millionen Dollar schweren US-Fantasy-Films zu treffen. "Nomadland" hatte 5 Millionen Dollar gekostet...
Ist dieser Mut belohnt worden? Jein. Die Comic-Verfilmung beflügelt und strapaziert die Nerven in gleichen Teilen. Zhao führt das MCU mit einer Liebeserklärung an unseren blauen Planeten in eine faszinierende, teilweise aber auch verworrene neue Richtung. Die Kritiken sind vollkommen gemischt, ebenso die ersten Zuschauerreaktionen.

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"Happy Family 2"
Animation
Deutschland
102 Minuten
FSK 0

Unsere Empfehlung: Spart Euch das Geld!

Eine US-amerikanische Vorstadtfamilie verwandelt sich durch einen Zauberstein erneut in Werwolf, Mumie, Frankenstein-Monster und Vampirella, nachdem die Tochter eines Superhirn-Paares sich daran macht, auf Geheiß der Eltern alle wichtigen Monster der Zeitgeschichte zu entführen.

Obwohl "Happy Family" vor vier Jahren schlechte Kritiken einfuhr, konnte er immerhin weltweit 26 Millionen Dollar einspielen - allerdings bei Kosten von 30 Millionen Dollar. Dennoch haben verschiedene Produktionsfirmen diese Fortsetzung finanziert, die Warner Brothers Pictures auf die Leinwände bringen. Leider, muss man sagen. Denn die erneut verantwortlichen Regisseur Holger Tappe und Drehbuchautor David Safier haben bei dem wieder für den internationalen Markt mit englischen Mimen wie Emily Watson, Nick Frost und Jason Isaacs gedachten deutschen Animationsstreifen nichts viel besser gemacht als beim ersten Teil. Ein unsympathisches, zielloses und langweiliges Werk mit durchschnittlicher Animation. Die Kritiken sind wieder mies.

Unser Kritiker Björn Schneider ist da noch vergleichsweise milde: "Inhaltlich und dramaturgisch seelenloser Animationsfilm, dem der nötige Biss fehlt, mit seiner beschwingten Komik und den exotischen Schauplätzen aber Akzente setzen kann."

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"Ammonite"
Drama
Großbritannien
117 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt eine Fossilienforscherin (Kate Winslet) eine Liebesbeziehung mit einer verheirateten Geologin (Saoirse Ronan).

Mary Anning gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts zu den Pionieren auf dem Gebiet der Paläontologie. Ihre verbürgte Begegnung mit der Geologin Charlotte Murchison hat Regisseur und Drehbuchautor Francis Lee ("God's Own Country") mit einer verbotenen Liebesgeschichte weiter gesponnen. Überraschen kann das britische Drama nicht, aber die beiden grandiosen Darstellerinnen heben die vorhersehbare Geschichte auf eine höhere Ebene. Kostümbildner Michael O'Connor war für den Britischen Filmpreis nominiert. Die Kritiken für die rund 10 Millionen Pfund teure Tobis-Produktion sind gut.

Unsere Rezensentin Bianka Piringer hebt ihren Daumen vorsichtiger: "Der Film bleibt auffallend geprägt von der verhaltenen Atmosphäre, hinter der sich die Leidenschaft ihren Weg bahnen muss."
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"Die Geschichte meiner Frau"
Drama
Ungarn
169 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Ein Schiffskapitän (Gijs Naber) wettet in einem Café, die erste Frau (Léa Seydoux) zu heiraten, die das Lokal betritt. Wider Erwarten wird aus dieser Begegnung eine intensive Liebesgeschichte mit vielen Höhen und Tiefen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Ildikó Enyedi ("Körper und Seele") hat den Roman "A feleségem története" - so auch der Originaltitel dieses ungarischen Dramas - von Milán Füst aus dem Jahr 1942 adaptiert und seziert differenziert die Geschlechterverhältnisse, die nicht nur von persönlichen, sondern auch von gesellschaftlichen Komponenten bestimmt werden. Leider sind ihr die Dialoge papierern geraten, und die Schauspieler mühen sich sichtlich mit der englischen Sprache, die nicht ihre eigene ist, ab. Die Kritiken für die Alamode-Produktion sind gemischt ausgefallen.

Unsere Kollegin Bianka Piringer kommt zu einem ebensolchen Urteil: "Der mit epischem Atem erzählte Film vermag lange zu fesseln. Denn die Hauptdarsteller Gijs Naber und Léa Seydoux überzeugen als Charaktere, die weder zueinander passen, noch voneinander loskommen. Die Inszenierung taucht mit prächtiger Ausstattung und visueller Eleganz in die Ära der zwanziger Jahre in Europa ein. Im Laufe der überlangen Romanverfilmung aber lässt die Spannung aber nach, und es zeigen sich leichte dramaturgische Schwächen."

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"The Many Saints of Newark"
Krimi
USA
120 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Ein junger Mann (Michael Gandolfini) schickt sich in den Sechzigern in New Jersey inmitten sozialer Unruhen und Machtkämpfen zwischen rivalisierenden italienischen und afro-amerikanischen Banden an, zum Mafiaboss aufzusteigen.

Dieser US-Kriminalfilm erzählt die Vorgeschichte der von 1999 bis 2007 laufenden US-Fernsehserie "The Sopranos" und bietet als Zückerli Michael Gandolfini in der Paraderolle Tony Soprano seines Vaters James auf. Das Ganze ist sicherlich besonders für Fans der Serie reizvoll, aber die Handlung von Drehbuchautor Lawrence Konner ("Mona Lisa Smile") könnte diese ebenso frustrieren, wie sie Neueinsteiger verwirren dürfte. Die Inszenierung von Regisseur Alan Taylor ("Terminator Genisys") ist uneinheitlich ausgefallen, und spannend ist das Ganze auch nicht besonders. Die Kritiken für die 50 Millionen Dollar teure Warner Brothers Pictures-Produktion sind dennoch positiv ausgefallen, während die Zuschauer das Unterfangen ablehnen.

Unser Kritiker Björn Schneider kommt zu einem ausgewogenen Urteil: "Famos gespielter, mit vielen Anspielungen auf die legendäre Serie gespicktes Fan-Geschenk, das insgesamt etwas zu vorhersehbar und bieder geraten ist."

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"Bergman Island"
Drama
Frankreich
112 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Reingehen!

Ein Filmemacher-Paar (Vicky Krieps und Tim Roth) zieht auf die schwedische Ostseeinsel Fårö, um sich von deren berühmtesten Bewohner Ingmar Bergman inspirieren zu lassen.

Regisseurin und Drehbuchautorin Mia Hansen-Love ("Alles was kommt") nutzt in ihrem französischen, aber auf Englisch gedrehten Drama geschickt das Vermächtnis des schwedischen Meisterregisseurs Ingmar Bergman für ein traumgleiches und charmantes Nachsinnen über Romantik und Kreativität. Die Kritiken für die Weltkino-Produktion sind gut.

Und auch unser Rezensent Falk Straub ist angetan: "Mia Hansen-Løves siebter abendfüllender Spielfilm ist nicht nur ihr erster englischsprachiger, sondern auch ein ausgeklügelter Film im Film. Das semi-autobiografische Werk verschränkt zwei Beziehungsdramen und das echte Leben so geschickt miteinander, dass es am Ende schwerfällt, Fiktion und Realität voneinander zu unterscheiden. Eine Übung in Metafiktion, die mal den Intellekt anspricht und mal mitten ins Herz trifft."

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"Red Notice"
Thriller
USA
118 Minuten
FSK 12

Unsere Empfehlung: Ihr könnt, müsst aber nicht!

Ein FBI-Agent (Dwayne Johnson), der Verbrecher jagt, die von Interpol mit einer "Red Notice" zu den meistgesuchten Kriminellen weltweit erklärt wurden, gerät im Zuge eines Coups an einen genialen Kunstdieb (Ryan Reynolds) und sieht sich gezwungen, mit diesem gemeinsame Sache zu machen, um einer Kollegin (Gal Gadot) des Diebs das Handwerk zu legen.

Netflix träumen natürlich auch davon, die Kinoleinwände zu erobern. Der Internet-Gigant hat nun 200 Millonen Dollar investiert, um mit diesem komödiantischen US-Thriller, der ein Action-reiches Katz und Maus-Spiel an eleganten Schauplätzen rund um den Globus entfaltet, Zuschauer von der Konkurrenz in die eigenen Säle zu locken. Regisseur und Drehbuchautor Rawson Marshall Thurber hat dabei zum dritten Mal nach "Central Intelligence" und "Skyscraper" mit Dwayne Johnson zusammen gearbeitet. Und möglicherweise ist tatsächlich aller guten Dinge drei: Ein leidlich unterhaltsamer Streifen, der allerdings zu lang geraten ist und mit seinem Zuviel von allem schließlich ermüdet.

Hier geht es zu den kompletten Filmstarts


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