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Aladdin - Mena Massoud und Will Smith
Aladdin - Mena Massoud und Will Smith
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

TV-Tipps für Samstag (27.11.): Will Smith läuft blau an

Sat1 zeigt Premiere "Aladdin"

Am Samstagabend wartet Sat1 mit der Premiere eines Hollywood-Blockbusters auf: Im Hauptprogramm zeigen die Unterföhringer die Realneuverfilmung von Disney's Zeichentrickklassiker "Aladdin" mit einem sehr blauen Will Smith. Im Spätprogramm von 3sat ist dann einer der wichtigsten Counter Culture-Klassiker der Filmgeschichte zu sehen: "Easy Rider" von und mit Peter Fonda und Dennis Hopper.

"Aladdin", Sat1, 20:15 Uhr
Ein Straßendieb (Mena Massoud) soll für den machthungrigen Großwesir (Marwan Kenzari) des Sultans (Navid Negahban) eine verzauberte Lampe aus einer Wunderhöhle holen, die ihm dann jedoch selbst von Nutzen ist.

Bevor wir über die Farbe Blau sprechen, muss von Weiß die Rede sein. Kudos an Walt Disney Studios, dass sie aus der (Film)Geschichte gelernt hatten und ihr US-Musical, das in Arabien spielt, nicht mit weißen Schauspielern besetzten, sondern auf unbekannte farbige Darsteller vertrauten. Für die Titelrolle und die weibliche Hauptrolle der Prinzessin Jasmine veranstaltete das Haus mit der Maus eine Besetzungssuche, bei der rund 2000 Mimen vorsprachen und -sangen. Es stellte sich als gar nicht so einfach heraus, Akteure in ihren Zwanzigern, die nicht nur spielen, sondern auch singen konnten und aus dem Mittleren Osten oder Indien stammten, zu finden.

Nach vier Monaten konnte das Filmstudio schließlich verkünden, dass Naomi Scott, eine englische Darstellerin mit indischen Wurzeln, und Mena Massoud, ein kanadischer Darsteller mit ägyptischen Wurzeln, gefunden waren. Auch die Nebenrollen besetzte man mit dem tunesischstämmigen Marwan Kenzari und den indischen Mimen Nasim Pedrad und Navi Negahban. Einziger Hollywood-Star auf der Besetzungsliste, aber auch definitiv kein Weißer, war Will Smith.

Womit wir beim Blau wären. In Anlehnung an ihren Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1992, den der englische Regisseur und Drehbuchautor Guy Ritchie ("The Man from U.N.C.L.E.") mit ein paar Ausschmückungen und zeitgemäßen Akzentverschiebungen - Jasemine ist hier zum Beispiel wesentlich selbstbewusster angelegt - recht getreut neu verfilmte, war Smith als Geist aus der Flasche blau computergeneriert. Dies zog nach Veröffentlichung des ersten Teasers den Spott vieler Zuschauer auf und zahllose Memes und Photoshop-Bearbeitungen nach sich.

Ein Debakel wurde an die Wand gemalt, zumal auch die Kritiken für die in den Longcross Studios in der englischen Grafschaft Surrey und im jordanischen Wadi Rum für satte 183 Millionen Dollar gefilmte Produktion nur gemischt waren.

Doch die Zuschauer straften alle Skeptiker Lügen: Mit dem Giga-Ergebnis von weltweit 1,0 Milliarde Dollar wurde die Real-Neuverfilmung 2019 ein riesiger Erfolg, so dass eine Fortsetzung im Raum steht.

Auch wenn das Werk nicht an die Qualität des Originals heranreicht und ausgerechnet die neu hinzuerfundenen Teile die überflüssigsten und schwächsten sind, überzeugt es doch mit genügend Spektakel und Kunstfertigkeit - und einem phantastischen Will Smith.

Kritikerin Katie Smith-Wong schrieb in "Flick Feast": "Dankenswerterweise ist der Film kein Remake Einstellung für Einstellung, was Guy Ritchie Raum gibt, seine eigene besondere Version umzusetzen. Er baut kleine Duftmarken in die raffinierten Verfolgungsjagdszenen und unterhaltsame Dialoge ein, um den Streifen aufzumöbeln."



"Easy Rider", 3sat, 23:05 Uhr
Zwei junge Männer (Peter Fonda und Dennis Hopper) fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans, um dort mit dem Verkauf von geschmuggeltem Rauschgift das große Geld zu machen.

1998 wurde "Easy Rider" von der US-Library of Congress als "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsam" ins National Film Registry aufgenommen, um es der Nachwelt zu erhalten. Bei wenigen Werken trifft es das Wort "kulturell" so sehr wie bei diesem US-Drama, das kaum von seiner Entstehungszeit zu lösen ist. Provokant, faszinierend schön und bahnbrechend, fasste dieser Streifen 1969 wie kein zweiter die Träume und Hoffnungen der US-Gegenkultur in den sechziger Jahren und deren Platzen zusammen. Er erforscht die sozialen Verfasstheiten und Spannungen der US-Gesellschaft wie das Aufkommen der Hippie-Bewegung, den Drogenkonsum und das Leben in Kommunen ebenso wie das aggressive Unverständnis vieler Menschen.

Die für nur 400 000 Dollar gedrehte Columbia Pictures-Produktion - das Lizensieren der vielen Songs war einer der größten Posten - kam zur genau rechten Zeit. Mit weltweit 60 Millionen Dollar Umsatz wurde sie ein Riesenerfolg und öffnete Hollywood die Augen, dass es auch für durch junge Filmemacher erzählte, dem Leben abgelauschte Stoffe ein Publikum gab. Die Jahreskino-Charts der USA im Jahr 1969 zeigten die Zeitenwende des New Hollywood bereits an: Hinter "Butch Cassidy and the Sundance Kid" rangierten "Midnight Cowboy" und eben "Easy Rider". Keine Filme, für die man die Großmutter mit ins Kino nahm, aber offensichtlich solche, die den Zeitgeist trafen.

Hinter dem Phänomen "Easy Rider" standen Peter Fonda und Dennis Hopper, die nicht nur die Hauptrollen übernahmen, sondern auch zusammen mit dem Schriftsteller Terry Southern das Drehbuch schrieben; Hopper führte Regie. Wobei viele Szenen improvisiert und für kleinere Rollen Laiendarsteller engagiert wurden, um die Authentizität zu erhöhen und Kosten zu sparen. Ebenso wie die Dreharbeiten vor Ort ohne künstliche Beleuchtung. Viele seiner Stimmungen und Botschaften wurden durch die von Fonda zusammen gestellten Songs transportiert. Die beiden Künstler hatten bereits bei "The Trip" von 1967 zusammen gearbeitet, zu dem Jack Nicholson das Drehbuch verfasst hatte. Letzterer übernahm eine Nebenrolle, die sein Durchbruch zum Star werden sollte.

Bei den Filmfestspielen von Cannes ging die Goldene Palme an den britischen "If...", der ebenfalls ein Beispiel für die Gegenkultur im Kino darstellt, aber Dennis Hopper wurde mit einem Preis für den besten Erstlingsfilm ausgezeichnet. Bei den Academy Awards wurden das Drehbuch und Nebendarsteller Jack Nicholson nominiert, der auch Nennungen für den Golden Globe und den Britischen Filmpreis erhielt.

Ein Zuschauer lobt: "Ein cooler, ungemein unterhaltsamer Film mit ungewöhnlicher Kraft, mächtigen Szenen mit fließenden Kamerabewegungen und psychedelischen Bergaussichten. Großartige Darsteller machen dies mit der phantastischen Photographie von Laszlo Kovacs und einem Schluss, der das Publikum herausfordert, zu einem wahren amerikanischen Klassiker. Übrigens: Wenn die Schauspieler zugedröhnt sehr überzeugend wirken, könnte es daran liegen, dass sie tatsächlich Marihuana rauchten, wie man munkelt. Das hat funktioniert."



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