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Der Stadtneurotiker - Diane Keaton und Woody Allen
Der Stadtneurotiker - Diane Keaton und Woody Allen
© MGM

TV-Tipps für Sonntag (12.6.): Diane Keaton und Woody Allen haben sich getrennt

ARD zeigt "Der Stadtneurotiker"

Zwei US-Filme stehen am Sonntagabend zur Auswahl: Marvel-Opus Nummero 18 "Black Panther" ist im Hauptprogramm von Pro7 zu sehen, und der Oscar-Sieger "Der Stadtneurotiker" von und mit Woody Allen beschließt im Nachtprogramm der ARD das Wochenende erstklassig.

"Black Panther", Pro7, 20:15 Uhr
Eine von der Außenwelt abgeschirmte Hochkultur wacht mitten in Afrika über ein außerirdisches Metall und muss sich eines mächtigen Gegenspielers erwehren.

Es ist 2018, es ist der 18. Film des Marvel Cinematic Universe (MCU), und es ist Zeit, Filmgeschichte zu schreiben. Erstmals produzierte die Walt Disney-Tochter Marvel Films eine Comic-Verfilmung mit einem afro-amerikanischen Superhelden und vertrauten den 200 Millionen Dollar teure Streifen dabei erstmals einem afro-amerikanischen Regisseur und Drehbuchautoren an; zudem wurde dieser US-Fantasy-Film der erste mit einer überwiegend afro-amerikanischen Besetzung.

Wesley Snipes hatte sich seit 1992 bemüht, die 1966 von Stan Lee eingeführte Comic-Figur auf die Leinwand zu bringen, und schon damals darauf hingewiesen - was auch rund zwei Jahrzehnte später betont werden sollte -, dass hier die Chance bestand, Afrika und Afro-Amerikaner in einem positiven Licht darzustellen. Doch die Snipes-Version hatte sich spätestens erledigt, als der Akteur 2008 zu drei Jahren Gefängnis wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde.

Marvel Films, die 2005 "Black Panther" offiziell auf ihre Liste der beabsichtigten Verfilmungen gesetzt hatten, besetzten statt dessen Chadwick Boseman als T'Challa alias Black Panther und führten die Figur 2016 in "Captain America: Winter Soldier" ein. Die Regie übernahm Ryan Coogler, ein bekennender Fan und Kenner der Comics, der auch das Drehbuch schrieb. Coogler wollte künstlerisch eigene Akzente und sich von den bisherigen Marvel-Adaption absetzen und verhandelte daher mit dem Studio aus, dass er sein Team aus Kamerafrau Rachel Morrison, Komponist Ludwig Göransson und Bühnenbildnerin Hannah Beachler mitbringen konnte, die mit ihm bereits an "Fruitville Station" und "Creed" gerarbeitet hatten.

Gedreht wurde wie stets bei MCU-Produktionen in Filmstudios in Atlanta und in und um die Hauptstadt des US-Bundesstaats Georgia sowie für die Autoverfolgungsszene im südkoreanischen Busan. Ein Großteil der Arbeit fand dann wie ebenfalls bei diesen Werken üblich in der Nachproduktion statt, bei der rund 30 Firmen unter Koordination von Industrial Light & Magic mit den visuellen Effekten betraut waren.

Als "Black Panther" in die Kinos kam, waren sich Industrie und Presse der kulturellen Bedeutung dieses Films bewusst, und dieser Aspekt wurde auch ausführlich beleuchtet und gewürdigt. Zuvorderst aber war entscheidend, dass Coogler und seinem Team ein hervorragender Streifen gelungen war: Sie erzählen eine packende Geschichte in nahezu technischer Perfektion und mit komplex ausgemalten Charakten und bewiesen, dass auch das Superheldenkino intelligente Unterhaltung bieten konnte. Die Kritiker würdigten dies mit durchweg hymnischen Kritiken, und viele erklärten diesen Part zum besten des MCU - eine Einschätzung, die viele Zuschauer indes nicht teilen.

Die Besucher stürmten nichtsdestotrotz die Kinosäle: Mit weltweit 1,3 Milliarden Dollar Umsatz wurde "Black Panther" ein Mega-Erfolg und hinter "Avengers: Infinity War" der zweiterfolgreichste Film des Jahres.

Weitere Geschichte schrieb dann die Preisverleihungssaison 2018/19. Erstmals wurde ein Marvel-Streifen als "Bester Film" für den Academy Award nominiert, erstmals konnte er Goldjungen gewinnen und vereinte nicht weniger als über 100 Siege und rund 280 Nominierungen auf sich.

Komponist Ludwig Göransson, die Bühnenbildner Hannah Beachler und Jay Hart sowie Kostümbildnerin Ruth E. Carter gewannen den Oscar. Unglaublicherweise waren Beachler und Carter damit die ersten afro-amerikanischen Frauen, die in der rund 90-jährigen Geschichte der Acadamy Awards mit dem Goldjungen ausgezeichnet wurden - auch hier wurde also Geschichte geschrieben. Nominiert waren neben dem Film noch die Tonschneider und die Tonmischer sowie der Song "All the Stars".

Golden Globes-nominiert wurden der Film, Komponist Göransson und der Song "All the Stars". Die Visuellen Effekte waren für den Britischen Filmpreis nominiert.

Im November wird die Fortsetzung "Black Panther: Wakanda Forever" in die Kinos kommen - ohne den 2020 an Krebs verstorbenen Boseman, dessen Rolle nicht nachbesetzt worden ist. Coogler inszeniert erneut sein eigenes Drehbuch.

Kritiker Jeffrey Zhang schrieb in "Strange Harbors": "Gewiss ist dieser Streifen ein Superheldenfilm für die Massen mit Atem beraubenden Action, Kampfszenen und CGI-Spektakel. Aber er ist auch eine abgewogene und außerordentliche Erkundung von Rasse und Stolz."



"Der Stadtneurotiker", ARD, 00:05 Uhr
Ein New Yorker Komiker (Woody Allen) lässt - nach einer unglücklichen Romanze mit einer Sängerin (Diane Keaton) wieder einmal in eine Krise geraten - seine Vergangenheit Revue passieren.

Viele "Star Wars"-Fans werden bis zum heutigen Tag schäumen, dass diese US-Komödie und nicht ihr Blockbuster 1978 den Oscar als "Besten Film" gewonnen hat. Dazu ist nur zu sagen: Es ist keine Schande, gegen einen Woody Allen ("Midnight in Paris") in der Form seines Lebens zu verlieren.

"Annie Hall" - so der Originaltitel der United Artists-Produktion - ist bis heute sein besucherstärkster Film und war 1977 mit 38 Millionen Dollar Umsatz allein in den USA - das entspräche heute rund 170 Millionen Dollar - ein Riesenerfolg beim Publikum. Die Kritiker priesen ihn durchweg, und Kritikerpapst Roger Ebert bezeichnete den Streifen als "jedermanns Lieblings-Woody Allen-Film".

Dabei war das Werk, das auf die Leinwände traf, gar nicht das, welches Allen intendiert und auch gedreht hatte. Aber die erste, 140 Minuten lange Version war seinem Co-Autoren Marshall Brickman zufolge so nicht aufzuführen: "Ich hatte das Gefühl, dass der Film in neun verschiedene Richtungen gleichzeitig rannte." Woody ließ sich überzeugen, dass er die Geschichte neu fokussieren musste und trennte sich von gut 50 Minuten, wobei ganze Nebenstränge wegfielen, die er später sogar zu eigenen Produktionen wie "Manhattan Murder Mystery" ausweitete.

Die fertige Schnittfassung konzentrierte sich nun viel stärker auf die Beziehung zwischen dem Komiker Alvy Singer und seiner Freundin Annie Hall, deren Name es auch zum Filmtitel schaffte und deren Charakter bis heute Diane Keaton's Lieblingsfigur geblieben ist. Die beiden Figuren und ihre Beziehung ziehen dabei biographische Elemente, auch aus der realen Beziehung von Diane und Woody, die von 1969 bis 1972 ein Paar gewesen waren. Allen schrieb die Rolle eigens für sie; insgesamt drehten die Beiden acht Filme zusammen.

Für den Filmemacher war das Werk ein Wendepunkt und Quantensprung in seiner Karriere, verzichtete er doch auf die Gagfülle und den Slapstick früherer Werke und durchdrang seinen Streifen mit mehr Melancholie und Ernst - und fand damit die perfekte, virtuos inszenierte Mischung.

Der für 4 Millionen Dollar in Los Angeles und New York City gedrehte Film zeigt den ersten Leinwandauftritt der damals 27 Jahre alten Sigourney Weaver; in weiteren Klein(st)rollen sind die ebenfalls noch jungen Shelley Duvall, Jeff Goldblum und Christopher Walken zu sehen.

"Annie Hall" gewann den Oscar als "Bester Film", für Regisseur Woody Allen, sein Drehbuch und Hauptdarstellerin Diane Keaton; Allen war zudem als Hauptdarsteller nominiert. Hauptdarstellerin Diane Keaton gewann den Golden Globe, für den der Film, Regisseur Allen, sein Drehbuch und seine Hauptrolle nominiert waren. Der Britische Filmpreis ging an den Film, Regisseur Allen, sein Drehbuch, Hauptdarstellerin Keaton und die Cutter Wendy Greene Bricmont und Ralph Rosenblum. Allen gewann zusätzlich den Directors Guild Award und den Writers Guild Award.

1992 nahm die US-Library of Congress den "kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutsamen" Film ins National Film Registry auf, um ihn der Nachwelt zu erhalten.

Ein Zuschauer urteilt: "Einer der originellsten Filme, die ich je gesehen habe. Woody Allen nutzt eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken, bis zu dem Punkt, wo sich das Ganze fast schon experimentiell anfühlt. Er durchbricht die vierte Wand zum Zuschauer, er lässt die Charaktere in ihren eigenen Rückblenden auftauchen, er untertitelt die Figuren mit deren eigenen Gedanken und fragmentiert die Handlung, ohne jemals eine dieser Techniken zu überdosieren. So fühlt sich alles frisch, lebendig und flott an. Und die Tatsache, dass der Streifen wahnsinnig witzig ist, schadet natürlich auch nicht."



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