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Creed - Rocky's Legacy
Creed - Rocky's Legacy
© Warner Bros.

Kritik: Creed - Rocky's Legacy (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die "Rocky"-Filmreihe um den Schwergewichts-Weltmeister Rocky Balboa und dessen Kämpfe im Ring wie auch im Privatleben, zählt zu den bekanntesten Filmreihen überhaupt und machte den jungen Sylvester Stallone 1976 weltberühmt. Zwischen 1976 und 2006 gab es insgesamt sechs Filme des Franchise, "Creed" gilt als Ableger der Serie nun als erstes Spin-Off sowie möglicher Neustart, je nachdem, ob sich der Film an den Kassen bewährt. Gedreht wurde der Boxfilm Anfang 2015 in Philadelphia, Liverpool und London mit einem Produktionsbudget von knapp 35 Millionen Dollar. Für Sylvester Stallone war es nicht neu, als Mentor und Trainer eines jüngeren Boxers zu fungieren. Bereits im fünften Film von 1990 – dem mit Abstand schwächsten Teil – versuchte er, einem aufstrebenden Jungsportler zum Erfolg zu verhelfen. Seine Premiere feierte "Creed" im November 2015 in den USA.

Zum ersten Mal in der Geschichte der "Rocky"-Filme gab Erfinder und Hauptdarsteller in allen bisherigen Filmen, Stallone, hier die Zügel weitestgehend aus der Hand. Er übertrug die Regie dem jungen, nicht einmal 30-jährigen Filmemacher Ryan Coogler, der zuvor erst einen Film inszenierte ("Fruitvale Station"). Und das Vertrauen in Coogler hat sich gelohnt: "Creed" ist nach dem ersten "Rocky"-Film von 1976 mit Abstand der beste Teil, was an der großartigen Verbindung von Huldigungen und Reminiszenzen an die Figur des Rocky Balboa, dessen sportlichen Werdegang sowie Geschichte mit neuen, frischen Einfällen und Figuren liegt. "Creed" steckt voller Verweise und Anspielungen in erster Linie auf den ersten Film, was sich vor allem bei den ausgiebigen Jogging-Einheiten von Adonis durch die verdreckten und heruntergekommenen Straßenzüge Philadelphias zeigt.

Wie schon Balboa Mitte der 70er, joggt auch Adonis vorbei an finster drein blickenden Gestalten am Straßenrand, streift die Elendsbezirke der Stadt, das italienische Viertel oder genehmigt sich einen Blick auf die berühmte Skyline. Szenen, die man bereits so oder so ähnlich 1976 bestaunen durfte. Und mitten drin ein motivierter, innerlich angetriebener und enorm fähiger Boxer, der mit ernster Miene und mit Kapuze über dem Kopf nur ein Ziel kennt: ein erfolgreicher Boxer zu werden. Genauso wie Balboa exakt 40 Jahre zuvor. Jedoch punktet Coogler auch mit neuen Ansätzen.

Im Gegensatz zu Balboa, der aus einfachsten Verhältnissen stammte, mittellos und ohne nennenswerte Schulbildung war, könnte Adonis in dieser Hinsicht kaum unterschiedlicher sein: er hat einen eigentlich sicheren, gut bezahlten Job in einer Bank und stammt als Millionärssohn aus wohlbehütetem, extrem reichem Hause. Darstellerisch überzeugt Jordan als Adonis auf ganzer Linie. Er verkörpert den mit sich hadernden, emotionalen Träumer glaubwürdig und mit großer mimischer Kraft. Sein für den Film antrainierter, stählerner Körper ist beeindruckend und er sorgt allein mit seiner physischen Präsenz für Staunen.

Die Boxszenen sind rasant gefilmt und orientieren sich größtenteils wieder an der zwar immer wieder überzogenen Darstellung aber jederzeit packenden Action der Kampfszenen der "Rocky"-Filme. Denn damals wie heute fragt man sich: wie ist es möglich, dass man so viele Volltreffer am Stück verkraften kann, ohne zu Boden zu sinken. Aber die Fans lieben diese Brachial-Übertreibung, und sie bekommen sie. Störend ist einzig die unnötige, kitschige Liebesgeschichte zwischen Adonis und der R&B-Sängerin Bianca (Tessa Thompson).

Fazit: Packende, mit heftigen Kampfszenen und überzeugenden Darsteller-Leistungen ausgestattete Verbeugung vor einer der legendärsten Film-Reihen der Geschichte.





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