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Kritik: Trumbo (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein Mann geht seinen Weg und muss sich gegen ein schier übermächtiges System behaupten. Geschichten wie diese sind in Hollywood gern gesehen. Vor allem dann, wenn sie auf wahren Begebenheiten beruhen. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Erlebnisse des Drehbuchautors Dalton Trumbo nun ihren Weg ins Kino gefunden haben. Berühmtheit erlangte der fleißige Schreiberling nicht nur mit seinen Filmvorlagen, sondern auch als Mitglied der sogenannten Hollywood Ten. Einer Gruppe von Filmschaffenden, die 1947 vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe zitiert wurden, da man ihnen Verbindungen zur Kommunistischen Partei nachsagte. Trumbo und seine Mitstreiter verweigerten die Aussage, wanderten dafür ins Gefängnis und hatten nach der Haftentlassung mit Berufsverboten zu kämpfen.

Dass die in den 1940er und 1950er Jahren grassierende Kommunistenhatz in den USA auch vor der Traumfabrik nicht Halt machte, erscheint aus heutiger Perspektive fast absurd. Damals war die Angst vor einer Verführung durch linke Kräfte aber derart ausgeprägt, dass die Branche immer wieder von Schmutzkampagnen erschüttert wurde. "Trumbo" macht das heutige Publikum mit diesem unrühmlichen Kapitel in der Geschichte Hollywoods vertraut und wirft einen Blick auf die Auseinandersetzungen, die hinter den Kulissen tobten. Hervortun kann sich im Film vor allem die einflussreiche Kolumnistin Hedda Hopper (wunderbar biestig: Helen Mirren), der jedes Mittel Recht ist, um vermeintliche Gegner des Systems zu Fall zu bringen. Eine Figur, die Ränkespiele treibt und Denunziantentum befeuert. Dalton Trumbo hingegen tritt in Bryan Cranstons mitreißend-schelmischer Verkörperung als standhafter Freigeist auf, dem es gelingt, weiterhin zu arbeiten, obwohl er auf einer schwarzen Liste steht.

Erfrischend sind nicht nur die Einbindung von Archivaufnahmen und der Wechsel zwischen farbigen Einstellungen und Schwarz-Weiß-Bildern. Auch die Energie, mit der Regisseur Jay Roach ("Meine Braut, ihr Vater und ich") manche Szenen inszeniert, ist allemal bemerkenswert. Köstlich und pointiert gerät das Aufeinandertreffen des Protagonisten mit Hollywood-Star John Wayne (David James Elliott), der sich als reaktionärer Phrasendrescher entpuppt. Eine angenehme Spannung liegt immer dann in der Luft, wenn Hedda Hopper das Geschehen an sich reißt. Und auch die Auftritte des loyalen B-Movie-Produzenten Frank King (John Goodman) sorgen für beste Unterhaltung – besonders ein hemmungsloser Wutausbruch.

Roach, der bislang vor allem für Komödien verantwortlich zeichnete, lockert die ernste Thematik regelmäßig auf, trifft aber nicht jedes Mal den richtigen Ton. Reichlich grotesk mutet etwa – zumindest in der Originalfassung – die Performance von Christian Berkel an, der in der Rolle des aus Österreich stammenden Hollywood-Regisseurs Otto Preminger sehr dick aufträgt. John McNamaras Drehbuch, das auf einer Trumbo-Biografie von Bruce Cook basiert, lässt an entscheidenden Stellen den nötigen Tiefgang vermissen und raubt den historischen Hintergründen damit einiges von ihrer Brisanz. Genauer hätte der Film zum Beispiel den Leidensdruck des geächteten Autors beleuchten können, der nach seinem Gefängnisaufenthalt unter falschem Namen weiterschrieb, für seine Erfolge jedoch lange Zeit keine Anerkennung finden konnte.

Oberflächliche Szenen müssen häufig auch dann herhalten, wenn das Biopic die Auswirkungen der Hexenjagd auf das Familienleben der Trumbos einfängt. Daltons Ehefrau Cleo (Diane Lane) ist nicht mehr als eine blasse Stichwortgeberin, während Tochter Niki (Elle Fanning) die Enttäuschung über das egozentrische Verhalten ihres Vaters und seine Arbeitswut nach der Haft deutlicher artikuliert. Zumeist wirken die Diskussionen allerdings wie eine Pflichtaufgabe und lösen sich entsprechend schnell in Wohlgefallen auf. Am Ende erweist sich "Trumbo" als eine schön anzuschauende Filmbiografie mit starken Darstellern, die thematisch jedoch einige Wünsche offen lässt.

Fazit: Sehenswert ist die Lebensgeschichte des Drehbuchautors Dalton Trumbo in jedem Fall, etwas weniger gefällig hätte sie allerdings schon auf die Leinwand gebracht werden dürfen. Trotz wunderbarer Einzelmomente vereinfacht das Biopic manches Mal die Auswirkungen der Kommunistenhatz und lässt leider nur selten echte Ambivalenzen zu.





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