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Victoria & Abdul
Victoria & Abdul
© Universal Pictures International

Kritik: Victoria & Abdul (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der britische Regisseur Stephen Frears ("The Queen") siedelt erneut einen Spielfilm im englischen Königshaus an. Diesmal widmet er sich einer wahren Geschichte aus den späten Jahren von Königin Victoria. Der muslimische Inder Abdul Karim, der ihr nur ein Geschenk überreichen sollte, blieb viel länger als geplant am Hof. Er avancierte vom Diener zum Lehrer und Vertrauten der Königin, was zunehmend den Ärger und Argwohn ihres Hofstaats erregte. Nach dem Tod der Monarchin wurden alle Zeugnisse dieser ungewöhnlichen Freundschaft vernichtet, weil es dem Hof furchtbar peinlich war, dass sich ein "Farbiger", ein Moslem, ein Mann vermeintlich niederer Herkunft im Zentrum des Empires aufgehalten hatte.

Indem Frears nun an diese Geschichte aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert erinnert, setzt er auch ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in der Gegenwart. Wenn Victorias Hofstaat schockiert zur Kenntnis nimmt, dass Abdul Karim nicht nur Inder, sondern auch Moslem ist, drängt sich der Bezug zur Islamfeindlichkeit unserer Tage förmlich auf. Judi Dench spielt die alte Queen Victoria sehr berührend in ihrer fröhlichen, beinahe kindlichen Neugier, mit der sie den Erzählungen Abduls über Indien lauscht. Sie entwickelt ein aufrichtiges Interesse an der Kultur dieses ihr doch sehr fremden Landes.

Victorias Begeisterungsfähigkeit wird in humorvollen Szenen ausgeschmückt. Sie wünscht sich beispielsweise eine Mango, die aus Indien importiert werden muss. Als man sie ihr überreicht, stellt Abdul fest, dass sie verdorben ist. Das wiederum gibt dem Groll, den der Hofstaat gegen ihn hegt, neue Nahrung. Die Dialoge, in denen Victorias Angehörige und der ganze restliche Hofstaat schließlich sogar über die Königin selbst herziehen, geraten zu besonders sarkastischen Kostproben britischen Humors.

Der opulente Kostüm- und Ausstattungsfilm bietet dem Auge hübsche Attraktionen, von den farbenfrohen Gewändern Abbuls über den Prunk im Königsschloss bis zu einer königlichen Teepause samt Mobiliar und Porzellan in den grünen Hügeln Schottlands. All diese positiven Aspekte aber können nicht kaschieren, dass die Geschichte gelegentlich etwas rührselig wird. Vielleicht hätte Frears genauer ausführen sollen, wie Abdul selbst die Situation erlebte, anstatt ihn recht knapp und eindimensional als loyalen Verehrer der Queen darzustellen.

Fazit: Stephen Frears erzählt in diesem opulenten Historiendrama von der kaum bekannten Freundschaft der alten Königin Victoria mit einem indischen Bediensteten. Die großartige Judi Dench spielt die betagte Monarchin als wissbegierige Frau, die sich für die indische Kultur interessiert und sich ihrem von Dünkel und Rassismus infizierten Hofstaat entfremdet. Mit seinen Parallelen zur Fremdenfeindlichkeit heutiger Tage bekommt der Film auch eine aktuelle Relevanz. Leider aber betrachtet er diese ungewöhnliche Beziehung nicht besonders differenziert und auch nicht frei von Rührseligkeit.





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