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Verleugnung
Verleugnung
© Universum Film © SquareOne

Kritik: Verleugnung (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Das britische Drama von Regisseur Mick Jackson ("Bodyguard") schildert den aufsehenerregenden Gerichtsprozess, den der Holocaust-Leugner David Irving 2000 in London angestrengt hatte. Mit einer Verleumdungsklage gegen eine amerikanische Historikerin hatte er versucht, seinen Ruf als Geschichtsforscher zu retten und erreichte das Gegenteil. Dem Film liegt viel daran, diesen Fall realitätsnah aufzurollen. Der Prozess entlarvte Irving als systematischen Verdreher historischen Quellenmaterials, der aus antisemitischen Motiven handelte. Es wurde auch klargestellt, dass der Holocaust als Tatsache gilt und nicht als Glaubens- und Meinungsfrage. Gerade in heutigen postfaktischen Zeiten bekommt dieser filmische Verweis auf die Notwendigkeit, zwischen Fakten und Meinungen deutlich zu trennen, eine neue Aktualität.

Das Drehbuch hielt sich bei den Dialogen im Gerichtssaal an den originalen Wortlaut. Die filmische Faktentreue birgt die Gefahr, dass sich das Drama im juristischen Klein-Klein verliert. Aber Jackson schafft es, gerade dieser Authentizität eine eigene Spannung abzugewinnen. Wenn die Anwälte ihre Strategie akribisch vorbereiten und auch, wenn sie den Holocaust-Leugner im Detail widerlegen, erinnert dieser Ernst an die Erzählweise von "Spotlight". Indem der Film Deborah Lipstadt und Richard Rampton auch auf eine Reise nach Auschwitz begleitet, sorgt er für einen wichtigen emotionalen Rückbezug zur Historie, um die es vor Gericht geht.

Als zentrales Spannungselement dient dem Film der Konflikt zwischen der Beklagten Deborah Lipstadt und ihren Anwälten. Weil der Filmheldin der große Auftritt vor Gericht verwehrt bleibt, gestaltet sich Rachel Weisz' Rolle ziemlich ungewöhnlich für das Genre. Aber die Schauspielerin meistert die Herausforderung, sich dennoch als Herz der Geschichte zu etablieren, mit Leichtigkeit. Tom Wilkinson und Andrew Scott überzeugen als die beiden juristischen Vollprofis, die kühl und überlegt vorgehen und sich somit vom wortmächtigen, aber eitlen Irving unterscheiden. Timothy Spall spielt den Autor sehr glaubwürdig als Menschen, der ein Gefangener seines von persönlichen Motiven gesteuerten Denkens ist. Insgesamt überzeugt dieses Drama als solide Inszenierung, die der Versuchung widersteht, den Prozess zu vereinfachen und auf diese Weise der schwierigen, aber wichtigen Materie vollends gerecht wird.

Fazit: Das britische Gerichtsdrama, das den Prozess des Holocaust-Leugners David Irving gegen die amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt aus dem Jahr 2000 aufrollt, beeindruckt mit Authentizität und Detailtreue. Es versteht es, juristischer Strategie und Akribie eine spannende Seite abzugewinnen. Dazu tragen auch die überzeugenden darstellerischen Leistungen von Rachel Weisz, Tom Wilkinson und Anthony Spall bei. Indem er daran erinnert, wie wichtig die Trennung von Fakten und Meinungen ist, verfügt der Film auch über einen sehr aktuell erscheinenden Bezug.





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