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Kritik: Logan Lucky (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Steven Soderbergh ist rückfällig geworden. Nach vier Jahren der selbst verordneten Abstinenz vom Kino hängt der Regisseur, der das Medium im Verlauf seiner Karriere ebenso häufig erneuerte, wie dessen Tod herbeiredete, wieder an seiner liebsten Droge. "Logan Lucky" ist eine ordentliche Dosis Schelmenstück und eine Art Gegenmittel zu Soderberghs bisherigen Gaunerkomödien "Out of Sight" (1998), "Ocean's Eleven" (2001), "Ocean's Twelve" (2004) und "Ocean's 13" (2007). Statt schöner Männer, die in schönen Anzügen vor schöner Kulisse verbotene Dinge tun, zeigt der Filmemacher eine Familie, die abfällige Zeitgenossen als Hinterwäldler bezeichnen. So amüsant und wendungsreich wie in den bereits erwähnten Werken geht es bei Soderbergh aber auch in den Bergen West Virginias und North Carolinas zu, in denen die Handlung angesiedelt ist.

Die präsentiert uns das Drehbuch in einer routinierten Mischung aus Verdecken und Enthüllen. Das Publikum ist nicht völlig in die Pläne der depperten Diebe eingeweiht, unterliegt wie manche Figur zunächst einer Täuschung, bevor ganz am Ende die Auflösung folgt. Dass das so wunderbar funktioniert, obwohl es das in der Filmgeschichte und selbst bei Soderbergh schon so oft gegeben hat, liegt nicht zuletzt an den liebevoll geschriebenen und bei aller Übertreibung auch liebenswert gespielten Charakteren, die dem Mangel ihres von Wirtschaft und Politik vergessenen Landstrichs mit Chuzpe und Bauernschläue begegnen. Statt Hightech gibt es hier bemalte Kakerlaken und Bomben in Einmachgläsern und Plastiktüten. Aber was will man von einem wasserstoffblonden, mit Tattoos übersäten Sprengmeister, den Daniel Craig genüsslich als Antithese zu seinem James Bond anlegt, auch anderes erwarten.

Es wäre ein Leichtes gewesen, diese Menschen angesichts all ihrer Verschrobenheiten der Lächerlichkeit preiszugeben. Doch Steven Soderbergh schlägt sich auf ihre Seite und hat einen Heidenspaß daran, die riesige Lücke, die zwischen ihrem aberwitzigen Plan und ihren geistigen wie körperlichen Fähigkeiten klafft, mit überraschenden Erkenntnissen zu füllen. All das ist von Soderbergh unter seinen Pseudonymen Peter Andrews und Mary Ann Bernard hervorragend gefilmt und geschnitten, vielleicht gar geschrieben. Denn der Verdacht liegt nahe, dass sich hinter Drehbuchautorin Rebecca Blunt, zu der nur der Regisseur persönlich Kontakt hatte, ebenfalls eine andere Person verbirgt. Wenn man so will, der letzte gelungene Coup eines Films, der durchaus süchtig nach mehr macht.

Fazit: Steven Soderbergh gelingt mit "Logan Lucky" nach vier Jahren Abstinenz ein beachtliches Comeback. Seine Gaunerkomödie ist eine Art "Ocean's Eleven" aus dem abgehängten Hinterland, die durch viel Einfallsreichtum, Witz, Spielfreude und Liebe zu den Figuren überzeugt.





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