Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger?
Userwertung 9/10
Burn After Reading
Komödie der Oscar-Preisträger Joel und Ethan Coen
Inhalt
CIA-Agent Ozzie Cox (John Malkovich) wird kurz vor der Pensionierung wegen eines Alkoholproblems vor die Tür gesetzt. Seiner so strengen wie untreuen Ehefrau Katie (Tilda Swinton) will er den Grund für seine Kündigung nur ungern preisgeben und so behauptet er kurzerhand, er habe den sicheren Job aufgegeben, um seine Memoiren zu schreiben. Und gesagt, getan.
Derweil fahndet die unglückliche, weil einsame Fitnesstrainerin Linda Litzke im Internet nach neuen Bekanntschaften und träumt von einer chirurgischen Runderneuerung - die scheinbar in greifbare Nähe rückt, als ihr gutaussehender, aber dümmlicher Kollege Chad Feldheimer in der Umkleidekabine des Studios eine CD mit scheinbar brisantem Geheimdienstmaterial findet. Dank eines Hackerfreundes ist der Verfasser - Osborne Cox - schnell ausfindig gemacht. Doch der weigert sich überraschenderweise standhaft auf die Erpressungsversuche von Linda und Chad einzugehen. Daher sehen sich die trotteligen Fitnesstrainer mit Finanzsorgen dazu gezwungen, sich an die Russen zu wenden. Dass sie damit in Washingtons Agentenszene für reichlich Verwirrung sorgen und alle Beteiligten bald unter verschärfter Beobachtung stehen, ist ihnen leider nicht wirklich bewusst.
Und so muss sich schließlich auch der etwas paranoide Regierungsbeamte Harry Pfarrer (George Clooney), der neben allerlei One Night Stands mit Online-Bekanntschaften auch eine Affäre mit Ozzies Ehefrau Katie hat, bald fragen, warum er eigentlich beim Joggen ständig von einer schwarzen Limousine verfolgt wird...
Nachdem die Brüder Joel und Ethan Coen im vergangenen Jahr für den düsteren "No Country for old Men" mit dem Oscar ausgezeichnet wurden, wenden sie sich nun mit "Burn after reading" wieder jenem Genre zu, dass den eher unter Kritikern und Cinephilen beliebten Filmemachern ihre bislang größten Kassenerfolge bescherte: der Komödie.
Angeblich ersannen die Brüder die im Washingtoner Geheimdienstmilieu angesiedelte Spionagegeschichte nur um eine Reihe von Darstellern unterzubringen, mit denen sie schon lange zusammenarbeiten wollten. So finden sich auf der beeindruckenden Castliste neben alten Bekannten wie Joel Coens Ehefrau Frances McDormand (ihr 5. Auftritt in einem Film ihres Mannes) und George Clooney (3. Coen-Film) denn auch die Coen-Novizen Brad Pitt, John Malkovich und Tilda Swinton. Dass sie alle ziemlich großen Spaß an der Sache hatten, ist offensichtlich: Mit fast kindlicher Begeisterung legen hier alle Beteiligten großartige Darstellungen hin.
Und Spaß hatten vermutlich auch die Maskenbildner, durften sie doch einigen Darstellern ziemlich übel mitspielen. John Malkovich etwa ließen sie als fluchend-fuchtelnder Ex-CIA-Agent eine fies-glänzende Glatze zur Schau stellen, Brad Pitt hingegen, als naiv-trotteliger Fitnesstrainer mit chronischer Schmolllippe, blonde Strähnchen im Skunk-Muster zu engen Shirts, knappen Shorts und dämlichen Tennissocken.
Aber Achtung: So lustig die Figuren auch daherkommen, bedeutet Komödie im Fall der Coen-Brüder natürlich nicht, dass wirklich unbeschwert gelacht werden dürfte: Das Script zu "Burn after
reading", angeblich parallel zu "No Country for old Men" entstanden,
ist Coen-typisch dermaßen schwarzhumorig, dass einem durchaus mehr als
einmal das Lachen im Halse stecken bleibt.
Bitterböse ist die Weltsicht, die "Burn Afer Reading" (wie allen
Coen-Filmen) zugrunde liegt - alle wesentlichen Akteure sind
hier entweder emotionslos und zielgerichtet handelnde Eisblöcke
(ausschließlich Frauen) oder aber mehr oder minder trottelige Loser auf der erfolglosen
Jagd nach Liebe und Glück (mit Ausnahme der Fitnesstrainerin Linda
Litzke alle männlich). Dass dabei dann nicht etwa die emotionalen
Nieten, sondern die tollpatschigen (und zugegebenermaßen gierigen)
Glücksjäger die größten Katastrophen verursachen und sterben wie die
Fliegen, ist fraglos nicht sehr herzerwärmend. Sofern man nicht auf eine wohlige Winterkomödie hofft (und wer tut das in einem Coen-Film?) - ist das ganze aber dennoch recht spaßig anzusehen,. zumal die filmenden Brüder gekonnt von leichter
Hand inszenieren und in der Story eine ganze Reihe skurriler Gags und
aufgenzwinkernder Zitate untergebracht haben.
Fazit: Typisch schwarzhumorig Coen. Sicher nicht der beste Film des Bruderpaars, aber allein schon wegen der Darstellerleistungen sehenswert.
a.g.wells vom 03.09.2008 Die Brüder Joel und Ethan Coen sind eine feste Größe im Filmgeschäft. Seit 1984 sind beide als Drehbuchautoren, Produzenten und Regisseure tätig. Ihre Filme zeichnen sich immer durch eine besondere Note aus. Dabei folgen sie keiner Moderichtung. Vielmehr [mehr] kreieren sie häufig neue Trends. Auch ihre letzte Produktion macht da keine Ausnahme.
Wie finanziere ich mehrere Schönheitsoperationen, wenn die Krankenkasse diese Leistungen nicht übernehmen will? Da gibt es bestimmt mehrere Möglichkeiten. Eine etwas ausgefallene lässt sich Linda Litzke (Frances McDormand) einfallen. Sie erpresst den CIA.
Aber ich greife der Geschichte vor.
Ozzie Cox (John Malkovich), Abhörspezialist beim CIA, findet sich urplötzlich als Arbeitsloser wieder. An die Luft gesetzt wegen seines Alkoholproblems. Seiner Frau Katie (Tilda Swinton) gegenüber, erklärt er, gekündigt zu haben, weil er den Verein leid war. Er werde jetzt ein Buch über seine Tätigkeit schreiben.
Katie die ihrer Ehe schon lange überdrüssig ist und ein Verhältnis mit dem smarten Regierungsbeamten Harry Pfarrer (George Clooney) hat, reicht die Scheidung ein. Harry seinerseits lässt keine Gelegenheit aus seine Frau zu betrügen. Spezialität – One Night Stand mit Internetbekannschaften.
In dem Fitnesscenter indem Linda arbeitet findet ihr Kollege Chad Feldheimer (köstlich Brad Pitt) eine CD mit brisanten Details aus dem Arbeitsleben von Ozzie Cox. Linda und Chad nicht faul, wittern das große Geld und zapfen Ozzie an. Doch der entpuppt sich als ziemlich störrisch und zahlt keinen Cent.
Also, warum das Material nicht der russischen Botschaft anbieten. Aber wieder nichts. Die Russen sind an diesem angeblichen Geheimmaterial nicht interessiert. Die Botschaft schaltet den CIA ein. Und jetzt nimmt das Karussell für alle Beteiligten richtig Fahrt auf. Ob Linda jetzt schöner wird – im Kino gibt es die Lösung!!
Eine rasante, tief schwarze und hervorragende Komödie mit jeder Menge politischem Sprengstoff. Von allen Schauspielern präzise und mit Spaß an ihren Rollen umgesetzt. Man kann den Coen Brüdern nur zurufen – mehr davon.
95 Minuten – köstlicher Zeitvertreib der das Eintrittsgeld wert ist.