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Kritik: Mission: Impossible 2 (1999)


Im wesentlichen zwei Filme dürften es in diesem Jahr sein, die sich die Last der übergroßen Erwartung teilen. Zum einen Tom Tykwers "Der Krieger und die Kaiserin", zum anderen John Woo’s Sequel vom "Mission: Impossible". Tykwer muss bestätigen, dass er nach "Lola rennt" und vor allem "Winterschläfer" der interessanteste deutsche Regisseur ist. Und John Woo hatte zuletzt mit "Face off" den vermutlich intelligentesten und virtuosesten Actionfilm aller Zeiten abgeliefert. Bei "Mission: Impossible 2" waren eigentlich von vornherein Zweifel angebracht. Tom Cruise als Produzent und Hauptdarsteller würde kaum an seinem Image kratzen und sich somit als ungebrochener Strahlemann inszenieren lassen. Außerdem braucht er nach zwei Ausflügen in die Kunst ("Eyes Wide Shut" und "Magnolia") dringend einen Erfolg im Mainstream. Dass John Woo und Mainstream nur zusammengeht, wenn der Meister völlig freie Hand hat, ist von "Face off" unterstrichen worden (obwohl er einen anderen und offeneren Schluss vorgesehen hatte). Alles in allem also nicht die besten Voraussetzungen für "M:I-2". Und prompt brodelt es seit einem halben Jahr in der Gerüchteküche. Von Streitereien zwischen Woo und seinem Star beim Dreh war die Rede, ebenso von Auseinandersetzung mit der Produktion beim Schnitt. Tatsache ist, dass der Film ursprünglich schon im Winter gestartet werden sollte, Woo aber mehr Zeit für die Postproduktion erstritt.

Die Querelen sind dem fertigen Produkt durchaus anzusehen. Fangen wir beim schwächsten Teil an, und das ist die Story, die immerhin aus der Feder von Robert Towne ("Chinatown") stammt. Diesmal soll Hunt einen tödlichen Virus, den ein durchgeknallter Superschurke namens Ambrose an sich gebracht hat, zurückklauen. Einer der Helfer, den der Agent für die Mission rekrutieren darf, ist die international tätige und gesuchte Meisterdiebin Nyah Hall. Hunt trifft sie in Sevilla und ist umgehend von der faszinierenden Frau bezaubert. Für die Liebe auf den ersten Blick ist jedoch nur wenig Zeit. Als frühere Geliebte des Gegenspielers von Hunt soll sie als Lockvogel dienen und die nötigen Kontakte herstellen. Dies gelingt zwar, doch dann geraten die Dinge aus dem Ruder. Ambrose nimmt nämlich seine frühere Freundin als Geisel und Versuchskaninchen für den Virus. Für Hunt vermischen sich also berufliche und private Dinge recht unerfreulich.

All dies ist leider reichlich umständlich und in der ersten Hälfte auch langatmig erzählt. Auch ist das zentrale Motiv des Films, die Liebesgeschichte zwischen Hunt und Nyah wenig glaubhaft, da sie geradezu der Prototyp der Bond-Gespielin ist, in die sich der Held tunlichst nicht verliebt. Überhaupt wirkt "M:I-2" in vielem eher wie ein James Bond-Film. Und die müssen bekanntlich ab 12 frei sein. Somit kommen also ausgerechnet die Stärken von John Woo, nämlich die rasanten Actionsequenzen, recht zerstückelt und sprunghaft daher. Hier wurde offensichtlich heftig rumgeschnippelt, gerade bei den Schießereien. In dieser entschärften Form wirken die Woo-typischen Beigaben leider etwas maniriert.

Jetzt aber genug des Gemeckers. Immerhin entwickelt sich nach zähem Beginn ein ca. vierzigminütiger Showdown, der trotzdem jede Menge atemberaubender Augenblicke und faszinierender Schnittfolgen hat. Bleibt zu hoffen, dass sich der virtuoseste zeitgenössische Filmregisseur bei seinem nächsten Projekt mehr Freiheiten in seinen Vertrag schreiben lässt.




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