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Kritik: Ritter aus Leidenschaft - He will rock you (2001)


Wenn ich mir das bisherige Kinojahr anschaue, dann ist es zwar besser, als die meisten anderen, aber es bietet im Blockbuster-Bereich fast nur Langeweile (vor allem "Shrek" mal ausgenommen). Mit "Ritter aus Leidenschaft" ändert sich das. Hier kommt ein groß budgetierter Unterhaltungsfilm, der es auch wirklich schafft zu unterhalten. Nennen wir es ein Wunder.

Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland drehte mit "Ritter aus Leidenschaft" keinen typischen Ritterfilm, wie man vermuten könnte. Es ist eher eine Mischung aus zwei Genres, eben dem Ritterfilm und dem Sportfilm. Gerade von letzterem lebt die Story weitaus mehr, ersterem ist das Setting zu verdanken. Konsequent und um die Stärken und Schwächen des Genrekinos wissend setzt Helgeland dementsprechend - und wie sich herausgestellt hat, sehr medienwirksam - Rocksongs ein, um vor allen die sportliche Atmosphäre zu stärken. Dieser Kniff gelingt, ebenso wie der Versuch, durch eben diese Musik und die Dialoge eine modern wirkende Variante des Heldenstücks zu produzieren. Die coolen Ritter von heute scheren sich nicht um altenglisches Geplänkel und übertriebene Ritterlichkeit, die Ladys sind zudem weitaus emanzipierter, als es im 12. Jahrhundert wohl wahr gewesen sein dürfte. Aber egal, der Film macht Spaß.

Eigentlich bietet die Story nicht viel. Der Film erzählt - wie für Ritterfilme üblich - eine einfache Gut-gegen-Böse-Story, bei der es um die Gunst der edlen Dame geht. Dazu erzählt er auch die Du-kannst-es-schaffen-Story eines klassischen Sportfilms, bei dem sich der Held auf dem sportlichen Feld vor allen und vor sich selbst beweisen muss. Dass dies nicht langweilig wird, ist dem Regisseur Helgeland zu verdanken, der gerade die unterschiedlichen Duelle mit allen erdenklichen Kameratricks zu immer neuen Ereignissen macht. Dazwischen platziert der Drehbuchautor Helgeland sehr viel Wort- und Situationskomik, damit es auch so nicht langweilig wird. Der Grund des Funktionierens liegt dabei auch bei dem gut gewählten Cast, vor allem den britischen Nebendarstellern, die den Humor sehr prägnant präsentieren. Helgeland schafft es dazu, immer ein wenig Distanz zu waren, um erst im richtigen Moment das Gefühlskino auszupacken. Dadurch wirkt der Film, wie es ein Genrefilm muss, man erwartet die Plotpoints regelrecht, freut sich darauf, spielt mit den Klischees und den Neuerungen, die sich hier die Klinke in die Hand geben, ein kleines Spiel.

"A Knight's Tale", der englische Titel, passt viel besser auf diesen Film. Er ist "Eine Rittergeschichte", ein Film, der bewusst mit dem Genre arbeitet, es teilweise auch verändert oder mit Verweisen und Bildern aus anderen Genres anreichert. Im Endeffekt kommt er aber immer wieder an den Grundpol zurück. Wer Ritterfilme mag, der wird diesen Film wahrscheinlich lieben. Wer nicht, sollte sich überzeugen lassen.

Knut Brockmann


He will rock you? Von Brian Helgeland, dem Regisseur des stilsicher gemachten Thrillers "Payback", haben wir uns mehr erhofft als einen Film zum legendären Song der Gruppe "Queen". Sein postmoderner Blick aufs ehrwürdige Rittergenre hat mit dem eigentlichen Mittelalter nichts am Hut und ist dabei nicht halb so originell, wie man zunächst vermuten möchte.

Zwar hängt "A Knight's Tale", so der Originaltitel, den alt bekannten Ritterfilm weit gehend an den Nagel, doch Helgeland ersetzt dabei nur eine Konvention durch eine andere: Die Geschichte vom kometenhaften Aufstieg eines armen Jungen zum Ritter und (Pseudo-)Edelmann macht minnehafte Lanzen-Wettbewerbe zu rockigen Stadion-Events, folgt dabei aber einer allzu simplen und durchschaubaren Dramaturgie.

Das freilich würde man dem Streifen gern verzeihen, wenn er zum Ausgleich für die ausgelutschte Story optisch mehr zu bieten hätte. Doch die repetitiven Wettkampf- und Turniersequenzen muten, zumindest bis zum unvermeidlichen Finale, erstaunlich bieder an: Die kecke MTV-Version der alten Ritterspiele bleibt auf halber Strecke liegen.

Statt dessen haben wir durch diesen Film etwas über das Marketing in Hollywood gelernt: Held William alias Girlie-Schwarm Heath Ledger ist nämlich, so das bestechliche Urteil des vom US-Verleih in seiner Not erfundenen Phantasiekritikers David Manning, der "heißeste Newcomer des Jahres".

Schade. Beinahe hätten wir's geglaubt.





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