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Findet Nemo 3D
Findet Nemo 3D
© Walt Disney Studios Motion Pictures Germany

Kritik: Findet Nemo (2003)


Für das 3D-Kino war das Jahr 2012 der endgültige Durchbruch. Das sagen jedenfalls einige. Und ganz Unrecht haben sie nicht, betrachtet man nur die zahlreichen in 3D auf den Kinomarkt geworfene Filme und die dazu passenden Zuschauerzahlen. Mit Sicherheit wäre der finanzielle Erfolg von „The Avengers“ nicht so horrend hoch gewesen, wenn da nicht das Aufschlagmittel Nr. 1 wäre: Die dritte Dimension. Doch auch mit diesem Argument im Rücken will sich auch im dritten Jahr der 3D-Technik nicht der idealistisch geführte Kampf einstellen. Zu groß sind die Meinungsunterschiede, die zwischen Befürworter und Gegner fest vergraben sind. Fakt bleibt, dass 3D ein Schau-Effekt für das massenkompatibel geschaffene Popcorn-Kino ist – auch wenn das nicht jeder in Anspruch nimmt. Weder „The Dark Knight Rises“, noch „Skyfall“, noch „Looper“ oder „Total Recall“ setzen auf das Notenpapierförderinstrument Nr. 1. Im Gegenteil: Man entschied sich bewusst dagegen.
Genauso, wie sich eine kleine Sparte des 3D-Kinos bewusst für geldfördernde Maßnahmen entscheidet: Eine Reihe von nachkonvertierten, längst verstaubten Kinofilme wurden reanimiert und in eine weitere Kino-Runde geschickt. George Lucas startete seine Star Wars Filme, James Camerons sein „Titanic“, so wie Disney den Evergreen „König der Löwen“. Nun darf also auch für eine kurze Zeit der zehn Jahre alte Pixar-Klassiker „Findet Nemo“ an den Start, dessen Marketingkampagne aber eindeutig darauf hinausläuft, den Film im neuen 3D-Blu-Ray Format unter das Volk zu mischen. Auch wenn die schlussendliche Konvertierung von „Findet Nemo“ keineswegs schludrig von Statten ging, beweist der Film als Endprodukt, dass der 3D-Effekt kein Mehrwert bringendes Stilmittel, sondern lediglich ein Schauwert bleibt. Und dieser ist in der Neuauflage mehr als dürftig ausgefallen. So bleibt nach „Findet Nemo 3D“ die Hoffnung, dass das Nachkonvertierten bald wieder aussterben möge. Zu jeder Sekunde merkt man, wie im Hintergrund listige Produzenten jeden einzelnen Geldschein aus ihrem Projekt quetschen. Und dennoch: „Findet Nemo“ bleibt Kult.

Lediglich fünf Jahre nach der Erscheinung des mit dem Academy Award ausgezeichneten „Findet Nemo“ konnte die Pixar-Filmschmiede mit der Ehre hausieren gehen, dass ihr erst fünfter Film vom American Film Institute in den Top 10 der besten Animationsfilme aller Zeiten aufgenommen wurde. Eine Auszeichnung, die nicht jedem zu Teil wird und zeigt, wie zeitlos der Klassiker ist. So ist es fast schon nebensächlich zu erwähnen, wie herzzerreißend, intelligent und ungemein gut pointiert das wiederholte Aufeinandertreffen mit Nemo, Marlin, Dorie und Khan auch nach zehn Jahren noch funktioniert. Damals wie heute galt das Pixar-Team, welches mit dem legendären „Toy Story“ seine Anfänge setze, als das Nonplusultra in Sachen Computeranimation und kann dies auch heute noch eindrucksvoll unter Beweis stellen.
Dabei ist es fast schon ironisch, dass nicht der neue 3D-Effekt den Zuschauer tiefer in die Welt von Nemo eintauchen lässt, sondern weiterhin der bissige Schlagabtausch zwischen den Figuren, die einmalig animierte Unterwasserwelt und die vielschichtige Handlung, die neben kindertauglichen Humor, so manchen heimlichen Querverweis auf die Filmgeschichte verbirgt. Es ist somit etwas schönes „Findet Nemo“ mal wieder oder das erste Mal auf großer Leinwand zu genießen. Die Verbindung zwischen Leinwand und Zuschauer baut sich mit den ersten Sekunden auf, langsam rutscht man den Kinosessel, bequemt sich ein und lässt sich berieseln von der fabelhaften Dorie, dem notorischen Marlin und dem kecken Nemo. Dritte Dimension? Wer ist das?
Es bewahrheitet sich ein Sprichwort, was Gegner der neumodischen Technik gerne verwenden: „Gute Filme sind so oder so dreidimensional“. Wie recht sie haben. „Findet Nemo“ ist ein zeitloser Klassiker unter den Animationswerken, ein Film, den Generationen zu Gesicht bekommen sollten und der für eine Trendwende in der Familienunterhaltung zu Beginn des 21. Jahrhundert steht.

Im Gegensatz dazu steht der Werbelockruf einen alten Film in einer neuen Dimension zu sehen. Popouts zu erwarten, ist bei einem alten Film so oder so überflüssig, doch auch stellt sich in vielerlei Hinsicht kein neues Sichterlebnis ein. Zu schnell gewöhnen sich die Augen an den kaum übermäßig eingesetzten 3D-Effekt, die Tiefenschärfe kann dagegen hier und dort überzeugen, während Kopfschmerzen dankenswerter Weise ausbleiben. Viel größere Kopfschmerzen bereitet hingegen die Marketingkampagne hinter dem Film. Nur für kurze Zeit – und so geschah dies auch schon mit „Der König der Löwen“ - rattert „Nemo 3D“ noch einmal durch die Filmspielhäuser, danach geht es umgehend auf den Verkaufsmarkt. Nicht einmal fünf Wochen liegen zwischen Kino und Verkaufsstart des Werkes. Was hier geschieht, ist offensichtlich: Jemand verdient sich ein zweites Mal die Nase goldig und dies zumal in zweifacher Hinsicht.

Fazit Auch wenn sich die Produzenten im Hintergrund zweckgemäß mit Lobhuldigungen überschlagen, so mäßig bleibt das 3-D Ergebnis hinter seinen Erwartungen zurück. Nach der 96 minütigen Kino-Reunion von Nemo, Dorie und Marlin bleibt die Magie des Pixar-Klassikers am Zuschauer kleben, doch nicht wegen der dritten Dimension.




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