VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Burn After Reading - Wer verbrennt sich hier die Finger? (2008)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nachdem die Brüder Joel und Ethan Coen im vergangenen Jahr für den düsteren "No Country for old Men" mit dem Oscar ausgezeichnet wurden, wenden sie sich nun mit "Burn after reading" wieder jenem Genre zu, dass den eher unter Kritikern und Cinephilen beliebten Filmemachern ihre bislang größten Kassenerfolge bescherte: der Komödie.

Angeblich ersannen die Brüder die im Washingtoner Geheimdienstmilieu angesiedelte Spionagegeschichte nur um eine Reihe von Darstellern unterzubringen, mit denen sie schon lange zusammenarbeiten wollten. So finden sich auf der beeindruckenden Castliste neben alten Bekannten wie Joel Coens Ehefrau Frances McDormand (ihr 5. Auftritt in einem Film ihres Mannes) und George Clooney (3. Coen-Film) denn auch die Coen-Novizen Brad Pitt, John Malkovich und Tilda Swinton. Dass sie alle ziemlich großen Spaß an der Sache hatten, ist offensichtlich: Mit fast kindlicher Begeisterung legen hier alle Beteiligten großartige Darstellungen hin.

Und Spaß hatten vermutlich auch die Maskenbildner, durften sie doch einigen Darstellern ziemlich übel mitspielen. John Malkovich etwa ließen sie als fluchend-fuchtelnder Ex-CIA-Agent eine fies-glänzende Glatze zur Schau stellen, Brad Pitt hingegen, als naiv-trotteliger Fitnesstrainer mit chronischer Schmolllippe, blonde Strähnchen im Skunk-Muster zu engen Shirts, knappen Shorts und dämlichen Tennissocken.

Aber Achtung: So lustig die Figuren auch daherkommen, bedeutet Komödie im Fall der Coen-Brüder natürlich nicht, dass wirklich unbeschwert gelacht werden dürfte: Das Script zu "Burn after reading", angeblich parallel zu "No Country for old Men" entstanden, ist Coen-typisch dermaßen schwarzhumorig, dass einem durchaus mehr als einmal das Lachen im Halse stecken bleibt.
Bitterböse ist die Weltsicht, die "Burn Afer Reading" (wie allen Coen-Filmen) zugrunde liegt - alle wesentlichen Akteure sind hier entweder emotionslos und zielgerichtet handelnde Eisblöcke (ausschließlich Frauen) oder aber mehr oder minder trottelige Loser auf der erfolglosen Jagd nach Liebe und Glück (mit Ausnahme der Fitnesstrainerin Linda Litzke alle männlich). Dass dabei dann nicht etwa die emotionalen Nieten, sondern die tollpatschigen (und zugegebenermaßen gierigen) Glücksjäger die größten Katastrophen verursachen und sterben wie die Fliegen, ist fraglos nicht sehr herzerwärmend. Sofern man nicht auf eine wohlige Winterkomödie hofft (und wer tut das in einem Coen-Film?) - ist das ganze aber dennoch recht spaßig anzusehen,. zumal die filmenden Brüder gekonnt von leichter Hand inszenieren und in der Story eine ganze Reihe skurriler Gags und aufgenzwinkernder Zitate untergebracht haben.

Fazit: Typisch schwarzhumorig Coen. Sicher nicht der beste Film des Bruderpaars, aber allein schon wegen der Darstellerleistungen sehenswert.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.