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Battleship
Battleship
© 2011 Universal Studios

Kritik: Battleship (2011)


Dass die USA in den Hollywood-Realitäten regelmäßig mit einer Mischung aus todesverachtender Naivität und wenig angebracht erscheinender Coolness in die finalen Schlachten um den Fortbestand der Menschheit zieht, ist spätestens seit "Independence Day" keine Neuigkeit mehr. Roland Emmerich verstand es seinerzeit aber zumindest seinen Film, der von einer Invasion zerstörerischer Außerirdischer handelt, mit einer ordentlichen Portion Ironie zu versehen.

In der zweiten Dekade des 21. Jahrhundert, zu einer Zeit, in der den USA die Feindbilder auszugehen drohen (der Ostblock ist zerfallen, der Arabische Frühling hat eingesetzt und mit China möchte man es sich nicht verderben), sind fiese außerirdische Invasoren im SciFi-Genre so beliebt wie seit den 1950ern, der Ära der Invasionsfilme, nicht mehr. Selbst solch ein Klassiker unter den Brettspielen wie "Schiffe Versenken" ("Flottenmanöver") bleibt als Vorlage nicht verschont. Doch wie aus einem recht statischen Steck- und Ratespiel einen temporeichen Actionfilm zimmern? Insbesondere, wenn Lizenzhalter Hasbro, mit an der Produktion beteiligt ist und das Ur-Spiel selbst im Film mitvermarkten möchte?

Angesichts dessen wundert es nicht, wenn manche Sequenz im Film lediglich daraus besteht, minutenlang gemeinsam mit den Protagonisten auf ein elektronisches Raster zu starren und über Taktiken zu grübeln, wie man den Gegner ausschalten könnte. Trotz State-of-the-Art-Spezialeffekte und einem immensen Aufwand kommt so wenig Laune auf. Überhaupt stellt der holprige Erzählrhythmus – neben der grenzdebilen Logikleistung der Story – eines der größten Probleme von "Battleship" dar. Sich anderseits über überbordendes militärisches Pathos, amerikanische Alleinstellung (sieht man von einem japanischen Captain ab) bei der Bekämpfung der Aliens oder mangelnden Tiefgang aufzuregen, erscheint völlig unangebracht: Wer seine teuer verdienten Euronen an der Kinokasse opfert um sich Filme wie "Battleship" oder "Transformers" anzusehen (im Grunde setzt "Battleship" einfach auf dem bereits etablierten Image der Blechkameraden auf), dem sollte klar sein, was er geboten bekommen wird.

Zumindest aber Spaß machen sollte solch eine Hirnfrei-Krawallorgie aber bitte schon. Stattdessen dümpelt die Show aber lieb-, wie leblos in Postkartenidyllen verheißenden hawaiianischen Gewässern vor sich hin und will einfach nicht Fahrt aufnehmen. Eine Spur von Stimmung kommt erst gegen Ende auf, als ein Haufen Veteranen aus dem Pazifik- und Koreakrieg sich mit einem zum Museum umfunktionierten Schlachtschiff aus dem II. Weltkrieg der Vernichtungsmaschinerie der Invasoren entgegenstellen.

Wer dann noch geneigt ist, tiefer zu bohren, kann sich überdies fragen, wie es möglich ist, dass aufgrund eines Signals, dass die Menschheit in den Weltraum zu einem weit entfernten erdähnlichen Planeten schickte, wenige Jahre später aus den Tiefen des Raums plötzlich eine Invasionsvorhut bei uns erscheint. Bedenkt man, dass ein Signal, gleichwohl wie stark es ist, immer nur mit Lichtgeschwindigkeit reisen kann und allein schon zur Überbrückung der einfachen Distanz etliche Jahrzehnte vergehen würden. Ebenso stellt sich die Frage, wie ein außerirdisches Schiff in der Lage sein kann ein Kraftfeld zu erzeugen, dass 200 Kilometer im Durchmesser misst und 90 Kilometer nach oben reicht, aber selbst keine Schutzschilde besitzt um sich gegen ein paar Granaten und Raketen zu verteidigen?

Fazit: Abgesehen von der eingesetzten CGI-Technik ist das einzige Erfreuliche an "Battleship" dass zumindest auf 3D verzichtet wurde. Die Story ist so dünn, dass sie wie eine Seifenblase zerplatzt, zudem türmen sich zuhauf Logikfehler. Die Charaktere sind blass und austauschbar (bis auf Liam Neeson vielleicht, dessen Rolle aber klein ausfällt). Stimmung will selten aufkommen, insgesamt wirkt der Film wie mit angezogener Handbremse inszeniert und liefert nicht einmal das, was man im Mindesten erwarten sollte. "Battleship" ist ein glatter Schuss in Wasser.





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