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Unterwegs - Hauptplakat
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© Concorde

Kritik: On the Road - Unterwegs (2011)


Bereits kurz nach Erscheinen seines Buches "On the road" im Jahre 1957 schrieb Jack Kerouac angeblich einen Brief an Marlon Brando, in dem er ihm die Filmrechte anbot. Aber es sollte weit über 50 Jahre dauern, bis der Roman der Beat-Generation tatsächlich für die Leinwand adaptiert wurde. Das Haupthindernis lag auf der Hand: Kerouacs Roman folgt nicht der bekannten Erzählstruktur, sondern verknüpft in einem eigenen Rhythmus Episoden, wechselt zwischen Fiktion und Biographie und hat einen unverkennbar eigenen Stil.

In ihrer Verfilmung betonen der brasilianische Regisseur Walter Salles und Drehbuchautor Jose Rivera die autobiographischen Züge des Kulturbuches, indem sie die Entstehungsgeschichte des Romans mit eingearbeitet haben. Dadurch sind die Figuren einfach zu identifizieren: Moriarty ist der Beat-Kultpoet Neal Cassidy, Sal Paradise ist Jack Kerouac, Marylou (Kristen Stewart) ist Luanna Henderson. In Nebenrollen sind William S. Burroughs als Old Bull Lee (Viggo Mortensen), Allen Ginsberg als Carlo Marx (Tom Sturridge) und Al Hinkel als Ed Dunkel (Danny Morgan) zu sehen. Dabei erweist sich insbesondere die Besetzung der Hauptrollen als Glücksgriff. Nach "Control" und "Brighton Rock" besticht Sam Riley abermals mit einer zurückhaltenden Intensität, die Sals anfänglicher Bewunderung für Dean Glaubwürdigkeit verleiht. Garrett Hedlund verleiht Dean Charisma und Unstetigkeit und lässt dadurch auch dessen Anziehungskraft deutlich werden. Als immer wieder auseinandertreibende und sich doch anziehende Freunde passen beide Schauspieler sehr gut zusammen. Auch Kristen Stewart zeigt eine überzeugende Mischung aus Leidenschaftlichkeit, Unbekümmertheit, Tiefe und Verführung – und passt sehr gut in die Rolle der anfangs erst 16-jährigen Marylou. Außerdem stimmt die Chemie zwischen ihr und Garret Hedlung, so dass ihr Tanz auf einer Silvesterfeier einer der wenigen Momente des Films ist, in denen er an die Intensität des Romans heranreicht.

Leider gelingt es Walter Salles nicht in allen Sequenzen, das Lebensgefühl, das der Roman "On the road" so eindrucksvoll transportiert, auf die Leinwand zu bringen. Es bleibt gerade am Anfang des Films eine Behauptung – hier wirken allen Authentizitätsbemühungen in Kostüm und Ausstattung zum Trotz die Szenen nicht lebendig, sondern nacherzählt. Dazu trägt vor allem bei, dass Regisseur und Drehbuch dem Film einen Erzählbogen verleihen, den das Buch nicht hat. Ist Kerouacs Buch eine einzige Reise, besteht das Ziel des Trips in dem Film darin, Sal zum Schreiben zu bringen. Aber letztlich werden nur Orte und Personen aneinander gereiht, ohne näher auf sie einzugehen.

Letztlich ist "On the road" ein Film, der den Erwartungen nicht vollends standhalten kann. Was möglich gewesen wäre, zeigt sich in den Szenen, in denen der Rhythmus und die fiebrige Atmosphäre des Romans auf der Leinwand zu sehen sind. Dazu gehört insbesondere das Ende des Films, als auf der letzten Reise nach Mexiko die Triebhaftigkeit des Handelns deutlich wird. Und hiervon würde man gerne mehr sehen.

Fazit: "On the road" ist ein Film, der dank einiger gelungener Szenen und guter Schauspieler zu unterhalten vermag. Als Verfilmung des Kult-Buches der Beat-Generation bleibt er hingegen zu brav.




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