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Hüter der Erinnerung - The Giver
Hüter der Erinnerung - The Giver
© Studiocanal

Kritik: Hüter der Erinnerung - The Giver (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Hüter der Erinnerung – The Giver" von Philipp Noyce ist der jüngste Betrag zum Genre der pädagogisch wertvollen Sci-Fi-Abenteuer für Jugendliche. Wie zuvor bereits die "Tribute von Panem" und "Divergent", basiert auch "The Giver" auf einem gleichnamigen Roman für junge Leser einer amerikanischen Autorin. Im Falle dieses Films stammt die literarische Vorlage von Lois Lowry und ist bereits über 20 Jahre alt. Somit ist zumindest das Buch in Wirklichkeit kein Nachzügler, sondern ein Vorreiter einer aktuellen Welle, in deren Folge nun auch dieses Wunschprojekt des Giver-Darstellers und Koproduzenten Jeff Bridges verwirklicht werden konnte. Lois Lowrys Buch "The Giver" stammt aus dem Jahre 1993, ist kein Jugend- sondern ein Kinderbuch und kein ausufernder Dreiteiler, sondern ein kleiner, schlanker Roman. Der auf dem Buch basierende Film "Hüter der Erinnerung – The Giver" erinnert besonders am Anfang stark an den Film "Die Bestimmung – Divergent", in dem die Gesellschaft ebenfalls zwangsbefriedet ist und jeder in einer feierlichen Zeremonie seinen späteren Platz in der Gesellschaft zugeteilt bekommt. Allerdings ist "The Giver" weniger schematisch und eindeutig der bessere Film.

"The Giver" beginnt mit schönen Schwarzweißbildern, die eine auf einem Bergplateau gelegenen Siedlung, die aus lauter gleichen modernistisch-futuristischen Häuschen und einigen größeren Kommunalbauten besteht, an der die alten Bauhaus-Architekten wahrscheinlich ihre Freude hätten. - Damals glaubte man ja tatsächlich, dass eine neue Architektur einen neuen Menschen erschaffen würde. Transparente Gebäude standen für eine transparente Gesellschaft. Dass einige der großen Architekturklassiker von ihren Eigentümern früh verlassen wurden, da sich trotz großer innerer Offenheit nicht jeder ins Bade- und ins Schlafzimmer gucken lassen wollte, war da nur ein sekundärer Nebeneffekt. - In "The Giver" geht die von oben verordnete Erziehung zum neuen Menschen jedoch soweit, dass bereits jede Art von menschlichen Regungen suspekt ist. Deshalb wird jedes Kind gleich nach seiner Geburt von seinen leiblichen Eltern getrennt und deshalb werden alle Bürger mit Hilfe von Medikamenten zwangsweise ruhiggestellt.

Redet Jonas nach heimlicher Absetzung seiner Medikamente von unerhörten Dingen, wie Gefühlsäußerungen, weist ihn seine (Pflege-)Mutter sofort mit dem immer gleichen Kommentar "unangemessener Sprachgebrauch" zurück. Denn so, wie diese Siedlung über künstlich produzierten Wolken schwebt, welche "das Anderswo" verbergen, so ist auch das Innenleben der Bewohner dieser Siedlung derart medikamentös vernebelt, dass diesen nicht nur jede Art von Gefühlen, sondern auch ihr Farbsinn abhanden gekommen ist. So einfach, wie effektiv ist es deshalb, wenn Jonas' inneres Erwachen mit einem langsamen Einsetzen seiner Fähigkeit Farben zu sehen einhergeht. Bei Jonas' großen Fortschritten kann selbst der – von Jeff Bridges hart am Rande zur Karikatur gespielte - Giver nur freudvoll glucksen.

"The Giver" erfindet den dystopischen Sci-Fi-Film keineswegs neu. Aber der Film aktualisiert die Grundidee von Filmen wie George Lucas' "THX1138" aus dem Jahre 1971- dem Indie-Debüt des späteren Blockbuster-Erschaffers Nr. 1, bevor dieser auf die dunkle Seite der Macht überwechselte – für ein junges Publikum in unserer Zeit. Rein filmisch gesehen ist "The Giver" nicht viel mehr, als solides Handwerk. Auch ist der Film eine Spur zu glattgebügelt, um restlos überzeugen zu können. Im Vergleich mit dem ähnlichen "Divergent" hat das Werk von Philipp Noyce jedoch eindeutig die Nase vorne und darf - mit leichten Abstrichen – durchaus einem jugendlichen Publikum ans Herz gelegt werden.

Fazit: "Hüter der Erinnerung – The Giver" ist ein Sci-Fi-Film, der ein jugendliches Publikum gut unterhalten und zugleich zum Nachdenken anregen kann.





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