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Only Lovers Left Alive
Only Lovers Left Alive
© Pandora Film

Kritik: Only Lovers Left Alive (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Keine Stadt auf der Welt hasst der sarkastische Adam mehr als Los Angeles. Für den bereits Jahrhunderte an seiner geistigen und künstlerischen Verfeinerung arbeitenden Musiker ist die glitzernde Westküstenmetropole nur die "Hauptstadt der Zombies". Mit Zombies sind die Menschen gemeint. Damit sind wir bereits beim subversiven Kern von Jim Jarmuschs neuem Film "Only Lovers Left Alive" angelangt. Die untoten Vampire sind hier diejenigen, die eigentlich leben, während die Menschen in ihren Augen "Zombies" also Untote sind. Der Quertreiber Jim Jarmusch eignet sich den Vampir-Mythos nur an, um dessen gängige Konventionen in ihr Gegenteil zu verkehren. Adam leidet keineswegs an einem "Fluch der Unsterblichkeit", der ihm sein ewiges Leben über die Jahrhunderte immer mehr vergällt. Es ist vielmehr die Kulturlosigkeit des modernen Menschen, die ihn anwidert. Diese sich so fortschrittlich wähnenden Menschen können in einem langen Prozess der Verfeinerung Entstandenes, nicht mehr wertschätzen, da sie zumeist nur dem neuesten Hype hinterherrennen.

Da jedoch bekanntermaßen in der Ruhe die Kraft liegt, frönen Adam und Eve mit ganzem Herzen der Entschleunigung. Warum auch die Dinge überstürzen, wenn man im wahrsten Sinne des Wortes alle Zeit der Welt hat? Die einzige Sache, die diese uralten Seelen in zeitliche Bedrängnis bringen kann, ist ein Mangel an frischen Blutkonserven. Vom klassischen Biss in den Hals ist man bereits lange abgekommen, da dies "so oldschool" ist. Manchmal können also auch Vampire modisch sein. Doch davon abgesehen dient ihnen ihr Leben wie gesagt der unendlichen Selbstverfeinerung. Nicht umsonst heißen die beiden Protagonisten ausgerechnet "Adam" und "Eve". Man könnte noch schier unendliche weitere Anspielungen auf Literatur, Kunst, Film, Musik und Geschichte anbringen, die Jim Jarmusch in den Film eingearbeitet hat. Denn natürlich ist auch dieser New Yorker Künstler mit seinen 60 Jahren bereits eine recht alte Seele, die sich zudem noch nie um aktuelle Trends geschert hat. Deshalb musste er auch 12 Jahre auf den aktuellen Vampir-Hype warten, bis er dieses Wunschprojekt verwirklichen konnte. Aber viel mehr noch, als über seine zahlreichen Referenzen, wirkt "Only Lovers Left Alive" über seine unglaubliche atmosphärische Intensität. Diese wird erzeugt durch die dunklen Nachtbilder und die Kamera, die selbst im unentwegten Kreisen noch eine extreme Ruhe bewahrt. Am wichtigsten ist jedoch die über diesen ruhigen, atmosphärischen Bildern liegende Musik, die unter anderem von Jim Jarmuschs eigener Band Sqürl stammt. Diese Musik ist langsam, analog und von einer betörenden Intensität. In der Ruhe liegt die Kraft.

Fazit: In Jim Jarmuschs neuen Film "Only Lovers Left Alive" sind die Vampire diejenigen, die wirklich leben, während die meisten Menschen für sie nur "Zombies" sind. Der Film selbst ist jedoch das Werk eines echten Vampirs und von daher von einer schier unglaublichen Intensität und Schönheit.





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