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Kritik: Cry Macho (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der Schauspiel- und Regieveteran Clint Eastwood bewegt sich erneut in Gefilden, die auch aus einem klassischen Western stammen könnten. Zwar reitet der von ihm gespielte Milo nicht, sondern fährt – es ist das Jahr 1979 - in einem überdimensionierten Pkw mit Ladefläche durch Mexiko. Aber er trägt einen Cowboyhut und seine Mission ist die eines Kerls, der das Recht in die eigene Hand nimmt. Im Auftrag eines texanischen Pferdezüchters soll er dessen halbwüchsigen Sohn, der in Mexiko bei der Mutter lebt, in die USA bringen. Für den Film, der auf dem gleichnamigen Roman von N. Richard Nash basiert, schrieb der Autor gemeinsam mit Nick Schenk das Drehbuch. Eastwood ergreift die Gelegenheit, sich mit den Werten und dem Männlichkeitsideal des Westerngenres auseinanderzusetzen und ein Stück weit davon abzusetzen.

Der vernachlässigte, und wie sich herausstellt, auch misshandelte Teenager Rafo will gerne ein harter Kerl werden, ein Macho. Auch seinen Kampfhahn nennt er so. Milo wirft er einmal vor, er sei alt und schwach. Im Dialog mit diesem Heranwachsenden stellt Milo dann klar, dass sich die Perspektiven verschieben können: Machos sind nicht mehr in, und Gewissheiten eines Lebens können sich im Alter als Irrtum erweisen.

Wie schon in "Gran Torino" und "The Mule" widersetzt sich Eastwood erneut dem Klischee des aufs Abstellgleis gehörenden Alten. Er spielt einen Charakter, der noch vieles tun kann, auch wenn er langsam geht und bedächtig spricht. Eastwood beweist immer wieder Humor, wenn er sich als Milo ganz offen den Vorurteilen der jüngeren Umgebung aussetzt. So rückt er ein Bild des Altseins zurecht, das in Spielfilmen unserer Zeit noch gerne so aussieht: Am Ende der Geschichte muss der oder die Betagte dahingeschieden sein.

Auch hier gibt es Westernatmosphäre, Verfolgungsjagden, Lagerfeuer, und es wird sogar geritten. Da stellt sich aber schon die Frage, welcher Mann mit 90 Jahren – auch Milo sieht man Eastwoods Alter an - in Wirklichkeit noch ein Wildpferd einreiten würde. Ähnlich abwegig wirkt es, wenn gleich zwei Frauen, die Jahrzehnte jünger sind, den Greis becircen. In der zarten Romanze mit der Wirtin aber spielt Eastwood auch sehr reizvoll den Gentleman alter Schule. Das Drehbuch wirkt etwas holprig und Rafos Dialoge klingen oft wie aufgesagt. Dennoch entfaltet die Beziehung des Alten und des Teenagers einigen Witz und Charme.

Fazit: Auch im hohen Alter kann man noch der Held eines Dramas im Westernstil sein, zumindest wenn man Clint Eastwood heißt. Der Hollywoodveteran setzt sich als Schauspieler und Regisseur in dieser Geschichte mit den Männlichkeitsidealen des Genres auseinander, das ihn berühmt machte. In der Rolle eines Texaners, der einen Teenager aus Mexiko zu seinem Vater in die USA bringen soll, ficht er Wortgefechte mit dem Schützling aus, trickst dessen Verfolger aus und knüpft eine romantische Beziehung. Unterhaltsam wirkt vor allem Eastwoods selbstbewusster, selbstironischer Feldzug gegen die Unsitte, alte Leute zu unterschätzen.




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