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Die Qual der Wahl
Die Qual der Wahl
© Warner Bros.

Kritik: Die Qual der Wahl (2012)


Mit seiner neuesten Komödie "Die Qual der Wahl" beweist Regisseur und Comedy-Spezialist Jay Roach ("Austin Powers", "Meine Braut, ihr Vater und ich") wieder einmal sein Talent für zotigen Humor und absurd-satirische Gags. In dem prominent besetzten Film liefern sich Will Ferrell und Zach Galifianakis eine turbulente Wahlkampf-Schlacht um einen Sitz im US-Kongress. Die Macher hätten sich kaum einen besseren Kinostart für ihre derbe Komödie aussuchen können, schließlich finden im November die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA statt. Auch mit politischen Themen kennt sich Roach bestens aus. In den letzten Jahren widmete er sich in seinen ausgezeichneten Polit-Dramen für den US-Bezahlsender HBO dem Skandal bei den Präsidentschaftswahlen 2000 in Florida ("Recount", 2008) und dem politischen Aufstieg der ungeliebten und umstrittenen Republikanerin Sarah Palin ("Game Change", 2012).

Weniger ernst geht es nun in "Die Qual der Wahl" zu, in dem sich die beiden Comedy-Superstars Will Ferrell und Zach Galifianakis ("Hangover") in einer hitzigen, körperbetonten Schlammschlacht duellieren. Dank seiner zwei bestens aufgelegten Hauptdarsteller und einer ganzen Reihe an respektlosen und schlüpfrigen Gags gelingt Regisseur Roach eine überzeugende Polit-Komödie, die nicht an satirischen Seitenhieben auf den wahnsinnigen (amerikanischen) Polit-Zirkus spart.

Ein süßes, unschuldiges Baby, das einen Faustschlag mitten ins Gesicht verpasst bekommt oder ein Politiker, der aus Rache die Frau seines Gegenkandidaten zum Sex verführt – und das alles mit einem Camcorder aufzeichnet um das lustvolle Treiben später an die Fernsehsender weiterzugeben. Dies sind nur zwei Beispiele für den derben, anarchischen Witz, der sich durch den gesamten Film zieht und nicht gerade zimperlich daherkommt. Diese Art von Brachial-Humor kennt man bereits aus den "Austin Powers"-Filmen von Regisseur Roach, der in "Die Qual der Wahl" seinen Hang zu zotigem, schlüpfrigem Humor voll ausleben darf. Für den Zuschauer bedeutet dies mitunter auch, hier und da einen Witz und Dialog unterhalb der Gürtellinie präsentiert zu bekommen, etwa wenn die Kinder von Neu-Kandidat Marty Huggins am Esstisch ihrem Vater ihre schlimmsten Vergehen der Vergangenheit beichten müssen ("Ich war im Streichel-Zoo und habe die Tiger an meinem Schniedel lecken lassen"). Alles in allem zünden die satirischen Gags aber und sorgen für echte Erheiterung, da sie das mitunter arg aufgesetzte und pathetische Verhalten von Politikern in Wahlkampf-Zeiten herrlich durch den Kakao ziehen.

Dass der Humor so gut funktioniert ist natürlich auch den beiden prächtig harmonierenden Hauptdarstellern zu verdanken. Will Ferrell gehört seit Jahren zur ersten Liga der amerikanischen Comedians und Zach Galifianakis beweist, dass er wohl zu den heißesten Comedy-Neu-Entdeckungen der letzten Jahre gehört. Es ist höchst amüsant und extrem unterhaltsam mit anzusehen, wie sich das unbedarfte hässliche Kleinstadt-Entlein Marty Huggins im Laufe der Zeit zum ernstzunehmenden Gegenkandidaten mausert, und den Wahlkampf mit allen erdenklichen (und nicht immer ganz legalen) Mitteln führt. Huggins liefert sich mit Brady eine hitzige Wahlkampf-Schlacht, in der beide Kandidaten bald zur Höchstform auflaufen. Ein Highlight des Films ist die herrliche Szene, in der das Wahlkampfteam von Brady ein von Huggins handgemaltes Bilderbuch namens "Regenbogenland" aus der zweiten Klasse auftreibt, um es vor laufenden Kameras als kommunistische Hetzschrift darzustellen.
Erwähnenswert ist zudem der hochkarätige Cast mit Stars wie John Lightow und Dan Aykroyd in Nebenrollen. Am Ende geht dem Film aber leider etwas von seinem satirischen Witz verloren und das Finale gestaltet sich doch arg kitschig und vorhersehbar. Das sind dann aber auch die einzigen negativen Aspekte einer ansonsten in allen Belangen gelungenen politischen Komödie.

Fazit: Die beiden Hauptdarsteller Will Ferrell und Zach Galifianakis und der satirisch angehauchte, derbe Humor in bester "Austin Powers"-Tradition machen "Die Qual der Wahl" zu einer in allen Belangen gelungenen, starken Polit-Komödie. Darüber kann auch das zu kitschig geratene Ende nicht hinwegtäuschen.





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