VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder
Hitchcock - Poster
Hitchcock - Poster
© 20th Century Fox

Kritik: Hitchcock (2013)


Basierend auf dem Buch "Hitchcock und die Geschichte von Psycho" setzt Regisseur Sacha Gervasi in seinem Spielfilmdebüt nicht dem Meisterregisseur, sondern dem Ehepaar Alfred und Alma Hitchcock, das über 50 Jahre lang zusammen Filmgeschichte geschrieben hat, ein Denkmal. Dabei dient ihm die Produktion von "Psycho" als Rahmenhandlung, die Einblicke auf das Arbeiten des Regisseurs gibt und zudem einige Details rund um die Entstehung enthält. So wollte Hitchcock mit allen Mitteln verhindern, dass das Ende von "Psycho" bekannt wird und ließ alle Exemplare der Romanvorlage aufkaufen. Die Schauspieler durften keine Interviews geben und es gab vorab auch keine Ausschnitte zu sehen. Daneben zeigt Sacha Gervasi auf amüsante Weise Hitchcocks ständigen Kampf mit der Zensur-Behörde – und einen seiner Siege: "Psycho" ist der erste Film, in dem eine Toilettenspülung zu hören ist.

Für Lacher sorgen auch die vielen Anspielungen auf Hitchcockc Filme im Allgemeinen und "Psycho" im Besonderen. So heuert er Joseph Stefano (Ralph Macchio) als Drehbuchautor an, weil er zum Psychiater geht, um über seine Mutter zu sprechen. Leider sind nicht alle Einfälle gelungen. Beispielsweise ist die Idee, Hitchcock am Anfang und Ende als Erzähler auftreten zu lassen, eine nicht geglückte Hommage an "Mr. Hitchcock presents", die dem Film einen weiteren, unnötigen Rahmen verleiht. Auch Hitchcocks Zwiegespräche mit dem Bates-Vorbild Ed Gein fügen sich nicht in den Film ein. Zwar erfüllen sie ihre Funktion, die dunkle Seite des Regisseurs zu zeigen, aber in der Inszenierung dieser Treffen fehlen der Ernst und die Abgründigkeit.

Dass "Hitchcock" trotz deutlicher Längen im Mittelteil ein unterhaltsamer Film ist, liegt an den guten Dialogen, den interessanten Einblicken und der sehr guten Besetzung. Anthony Hopkins verschwindet fast völlig in der Maske Alfred Hitchcocks, wenngleich insbesondere seine Mundzüge beim Sprechen gewöhnungsbedürftig sind. Tony Collette als Hitchcocks Sekretärin und Michael Stuhlbarg als sein Agent sind hervorragend, Scarlett Johannsen spielt sehr zurückgenommen als Vivien Leigh und Jessica Biel ist als Vera Miles gut besetzt. Vor allem aber nutzt Helen Mirren Alma Hitchcock die Freiheiten gut aus, die diese Rolle ihr bietet. Im Gegensatz zu Alfred ist über Alma weit weniger bekannt, so dass dieser Charakter verschieden interpretiert werden kann. Helen Mirren spielt Alma als attraktive, weiterhin begehrenswerte Frau, die mit ihrem Mann eine enge, wenngleich vornehmlich freundschaftliche Verbindung hat. Sie ist seine Cutterin, Drehbuchautorin, Gesprächspartnerin und Gefährtin, sie toleriert seine Besessenheit von seinen Hauptdarstellerinnen – und bleibt meist im Hintergrund. Als sie ihn bei "Psycho" anfangs nur wenig unterstützt und ein eigenes Projekt mit einem anderen Drehbuchautor verfolgt, weckt sie Alfreds Eifersucht und löst eine Krise bei ihm aus, die den Zuschauern letztlich den Menschen Hitchcock näher bringen soll. Diese Erzählkonstruktion ist ein guter Ausgangspunkt, allerdings lässt die Ausgestaltung analytische Tiefe vermissen. Daher bleibt es letztlich vor allem der anekdotische Charakter des Films, der überzeugt.

Fazit: "Hitchcock" ist ein Film mit deutlich erkennbaren Stärken und Schwächen, der aber insgesamt gut unterhält.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.