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The Counselor - Hauptplakat
The Counselor - Hauptplakat
© 20th Century Fox

Kritik: The Counselor (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Eine zynische, verrohte Welt erwartet den Zuschauer in dem spannenden Thriller "The Counselor". Im amerikanisch-mexikanischen Grenzland, wo das ganz große Geld mit Drogen winkt und ein Menschenleben nicht viel zählt, sucht ein Anwalt das Spiel mit dem Feuer. Er steigt in ein kriminelles Geschäft ein, das er nicht im Geringsten überblickt, vertraut aber darauf, die Regeln herauszufinden. Unter der Regie von Ridley Scott entfaltet sich eine bizarre, gnadenlos brutale Szenerie, die streckenweise an "No Country for Old Men" von den Coen-Brüdern erinnert. Der Westernthriller basierte auf dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy, der hier sein erstes Kino-Drehbuch präsentiert. Darin ist es nur ein Schritt vom coolen, smarten Dialog und den Anflügen von schwarzem Humor bis zu einer Serie kaltblütiger Morde.

Wenn ein Thriller besonders raffiniert konstruiert ist, lässt man sich gerne auf Umwege oder falsche Fährten locken, um Detektiv zu spielen und von geistreichen Wendungen überrascht zu werden. "The Counselor" geht noch einen Schritt weiter und wirkt dadurch wirklich innovativ: Man wartet lange im Vertrauen darauf, die Zusammenhänge, in die sich die Titelfigur verirrt, irgendwann doch noch zu begreifen. Wer zieht an welchen Strippen, welche Killer gehören zu welcher Seite? Der namenlose Counselor weiß es nicht, und der Zuschauer erfährt es ebenfalls nur rudimentär. Außer dass es um Drogenmillionen, um Snuff Videos, ein bisschen Liebe und etwas mehr Sex geht, verrät die Geschichte konsequent wenig, damit man sich so klein und ratlos wie der Counselor fühlt.

Der Film ist voll von interessanten Charakteren, die auf ganz verschiedene Weise cool wirken oder wirken wollen. Der Counselor hält sich für sexy und intelligent und verwechselt das Drogengeschäft mit einem Casinobesuch. Bardem spielt als Reiner einen protzigen Reichen mit hochgegeltem Wuschelkopf, der dem Counselor eine bizarre Sexgeschichte auftischt. Seine Freundin Malkina, gespielt von Cameron Diaz, wirkt wie einer der stolzen, in sich ruhenden Geparden, die sie mit sich führt. Sarkasmus und makabere, böse Sequenzen wie jene, in der ein Mord mit einem über die Straße gespannten Drahtseil vorbereitet wird, prägen die Atmosphäre. Gegen Ende überwiegen dann aber die philosophisch-weisen Monologe, die sich der Counselor oft von seinen Gesprächspartnern anhören muss. Zu diesem Zeitpunkt wirken sie nicht mehr spannend, sondern nur noch pseudoklug und angeberisch. Schauen, erschauern und das lästige Bedürfnis überwinden, alles verstehen zu wollen: Für mehr als nur einen interessanten Thriller wird dieses Rezept vermutlich nicht taugen.

Fazit: Der Thriller nach dem ersten Kino-Drehbuch des Schriftstellers Cormac McCarthy legt mit coolen Dialogen, markanten Charakteren und eiskalten Morden eine Spur in ein zynisches Labyrinth, das sich als Sackgasse entpuppt.




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