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The Call - Leg nicht auf! - Plakat
The Call - Leg nicht auf! - Plakat
© Universum Film © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany © Squareone

Kritik: The Call - Leg nicht auf! (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Dass er psychologisch aufgeladene Spannung wirkungsvoll auf der großen Leinwand zu inszenieren versteht, hat der in letzter Zeit vor allem im Fernsehen tätige Brad Anderson bereits mehrfach unter Beweis gestellt. Ob in "Session 9" (2001), "Der Maschinist" (2004) oder "Transsiberian" (2008), stets war der Regisseur in der Lage, den Zuschauer mit angsterfüllenden Szenarien zu überraschen, in denen begrenzte Räumlichkeiten eine nicht unwesentliche Rolle spielen. Angesichts dieser Vorgeschichte scheint Anderson geradezu prädestiniert für die Inszenierung des von Richard D’Ovidio entwickelten Thriller-Stoffes "The Call – Leg nicht auf!", der in seiner Fixierung auf ein Telefongespräch, das unter keinen Umständen abreißen darf, durchaus Erinnerungen an Joel Schumachers "Nicht auflegen!" (2002) und David R. Ellis‘ "Final Call" (2004) weckt.

Die in einigen früheren Werken zu beobachtende räumliche Reduktion spitzt Anderson in seiner neuen Regie-Arbeit zu. So spielt sich ein Großteil der Handlung lediglich zwischen der betriebsamen, geräumigen Notrufzentrale und dem beengten Kofferraum ab, in dem Casey gefangen gehalten wird. Mit dynamischen Schnitten etabliert der Regisseur sehr schnell eine hektische Atmosphäre, die perfekt auf die atemlose Handlung abgestimmt ist. Spannungstechnisch interessiert sich der Film allein für die Frage, ob es Jordan gelingen kann, Casey zu retten. Zusätzliche Dramatik entsteht durch das im Prolog geschilderte Trauma der Protagonistin, die – wie es die Genre-Konventionen vorsehen – eine zweite Chance bekommt, und das gleich in doppelter Hinsicht. Schließlich könnte sie nicht nur das Leben der entführten Frau retten, sondern ebenso den Mann zur Strecke bringen, der für ihre eigene Krise verantwortlich ist. Im Gegensatz zum Zuschauer kann Jordan allerdings nicht sofort erkennen, dass Caseys Entführer auch die junge Anruferin auf dem Gewissen hat, die einen Einbruch melden wollte.

Ähnlich mitreißend wie die Inszenierung gestalten sich die Story-Wendungen, die Drehbuchautor D’Ovidio in seine Vorlage eingebaut hat. Obschon Casey sichtlich verstört ist, durchbricht sie – zumindest zeitweise – die Rolle des passiven, auf Heulkrämpfe reduzierten Opfers, indem sie dank Jordans präziser Anleitung andere Verkehrsteilnehmer auf ihre Notlage aufmerksam macht. Gesteigert wird die Spannung dann durch die Reaktionen des Entführers, der Caseys "Hilferufe" mit drastischen Maßnahmen beantwortet. Der Kanadier Michael Eklund spielt den psychisch gestörten Täter mit beängstigender Intensität, bleibt letztlich aber gefangen in einer Rolle, die sich allzu deutlich an klassischen Motiven des Serienkillerfilms abarbeitet.

Während die ersten zwei Drittel von "The Call" spannend und packend zu unterhalten wissen, gerät der finale Akt leider zu einer Farce. Nachdem die Polizei die Spur des Serienmörders verloren hat, liegt es nun – so will es das ab diesem Punkt ausufernde Drehbuch – an Jordan, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Die immer fragwürdigeren Wendungen laufen schließlich auf einen mit Genre-Klischees vollgestopften Showdown hinaus, dessen moralisch zweifelhafte Pointe auch noch die Hauptfiguren zu beschädigen droht.

Fazit: Rasant in Szene gesetzter und zumeist recht spannender Psychothriller, der seine Wirkung jedoch mit einem enttäuschenden Finale leichtfertig aufs Spiel setzt.





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