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Kritik: Hexen hexen (2020)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Unter der Regie von Robert Zemeckis ("Forrest Gump") ist Roald Dahls schräg-schauriges Kinderbuch "Hexen hexen" aus dem Jahr 1983 nun erneut verfilmt worden. Die erste Kinoversion der pfiffig skurrilen Gruselgeschichte über einen Jungen im Kampf gegen feindliche Hexen gab es 1990 unter der Regie von Nicolas Roeg. Zemeckis, der mit Guillermo del Toro ("Pans Labyrinth") und Kenya Barris das Drehbuch schrieb, verlegt die Handlung des Buchs von Europa in den Süden der USA. Die einzigartige Mischung aus unheimlichen und witzigen Zutaten, die Dahls Geschichte ihren Charme verleiht, kommt auch an diesem Schauplatz gut zur Geltung.

Der namenlose Junge im Zentrum der Handlung wird selbst in eine Maus verwandelt. Das ist ebenso typisch für den schrägen Humor, wie dass er unverzagt seine kleine Statur nutzt, um die bösen Pläne der Hexen zu durchkreuzen. Ihm und seinen beiden Freunden in Mausgestalt bietet die Großmutter Zuflucht in ihrer Handtasche. Octavia Spencer spielt die alte Dame als moralischen Fels in der Brandung, bei ihr fühlt sich der Enkel auch als Nager geliebt und geborgen.

Diese Großmutterfigur bietet ein gutes Gegengewicht zur wahrlich furchteinflößenden Hoch- und Großmeisterhexe. Anne Hathaway verleiht ihr eine Aura kühler Eleganz. Sie kann so attraktiv wirken mit ihren Perücken und der teuren Garderobe, aber wenn sie den Mund über die Mundwinkel hinaus bis zu den Ohren aufreißt, mutiert sie zur Horrorfigur. Wie alle Hexen hat sie an den Seiten des Mundes Schnittnarben, die an die Figur des Jokers aus "The Dark Knight" erinnern. Schon deshalb ist dieser Film erst für größere Kinder zu empfehlen.

Trotz der taffen Großmutter ist der Junge selbst die mutigste Figur der Handlung. Wie er sich als Maus in die Gefahrenzone begibt, in die Hotelküche wagt und akrobatische Einlagen vollführt, schildert der Film in lustigen und spannenden Szenen. Die Computeranimation und die visuellen Effekte wirken gekonnt und ideenreich, beispielsweise bei der Verwandlung von Menschen oder Hexen in Mäuse. Erwachsene Zuschauer werden auch die musikalischen Anspielungen an die Ära genießen, wenn "Reach Out (I‘ll Be There)" von den Four Tops oder "(Sittin‘ On) The Dock of the Bay" von Otis Redding erklingen. Diese stilvolle Inszenierung wird der Originalität des Stoffes auf ansprechende Weise gerecht.

Fazit: Regisseur Robert Zemeckis hat die gleichnamige Geschichte des Schriftstellers Roald Dahl neu verfilmt und bringt ihren skurril-schaurigen Zauber ansprechend zur Geltung. Die in den amerikanischen Süden der späten 1960er Jahre verlegte Handlung präsentiert Anne Hathaway als elegante Oberhexe, die ihr Gefolge zur Verwandlung aller Kinder in Mäuse aufruft. Der kleine Junge, der es mit ihr aufnimmt, bleibt von der Hexerei selbst nicht verschont, weiß aber eine von Octavia Spencer mit Kraft und Güte ausgestattete Großmutter an seiner Seite. Gruselspannung und Komik halten sich die Waage in dieser mit ideenreichen Effekten und gelungener Animation gewürzten Inszenierung.




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