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Wie der Wind sich hebt
Wie der Wind sich hebt
© Universum Film

Kritik: Wie der Wind sich hebt (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der 73-jährige Anime-Regisseur und Begründer des japanischen Ghibli-Studios, Hayao Miyazaki, hat sich für diesen Film, der als sein letzter angekündigt wurde, ein Erwachsenenthema ausgesucht. Er porträtiert einen ikonischen Technikpionier des Landes, den Entwickler des im Zweiten Weltkrieg eingesetzten Zero-Kampfjets, Jiro Horikoshi. Neben dem Ingenieur stand jedoch auch noch sein Zeitgenosse, der Schriftsteller Tatsuo Hori, Pate für den Filmcharakter Jiro. Der Titel ist ebenfalls einer Novelle von Hori entliehen. Miyazaki erklärt in einem Regiestatement: "Das Porträt eines ganz in seiner Arbeit aufgehenden Individuums möchte ich kreieren, eines Menschen, der seine Träume verfolgt, koste es was es wolle." Man darf diese Huldigung kreativer Arbeit also auch als ein Bekenntnis Miyazakis zu seiner eigenen Leidenschaft als Filmemacher interpretieren.

"Der Wind hebt sich! Wir müssen versuchen, zu leben!" Dieses Zitat aus einem Gedicht von Paul Valéry wird im Film öfter wiederholt, weil es Jiro, zum Beispiel wenn er zweifelt, die Richtung weist. Jiro arbeitet hauptsächlich am Schreibtisch, rechnet und zeichnet, aber was ihn antreibt, zeigen seine emotionalen, dynamischen Tagträume. Die Magie des Fliegens lässt Jiro nie los. Der herbeiimaginierte Ingenieur Caproni tröstet den Kurzsichtigen über den geplatzten Traum vom Pilotenleben hinweg. Obwohl Jiros Studium und Arbeit im Mittelpunkt seines Lebens und somit auch des Films stehen, erzählt Miyazakis Drama viel mehr. Man erfährt einiges über die japanische Gesellschaft jener Jahre, die Armut, die Wirtschaftskrise, die Sitten. Und darüber, wie die japanischen Besucher Europa, speziell das Deutschland zwischen den Weltkriegen, erleben. Sie werden misstrauisch beäugt, begegnen Arroganz und schwärmen dennoch für deutsche Technik, für Thomas Mann und Schubert.

Der 126-minütige Film ist mit seiner komplexen Animation eine Augenweide. Miyazaki zaubert wunderbare Landschaftsbilder und beeindruckt ebenso mit Massenszenen im Gewühl der Städte. Er schildert das große Erdbeben von Kanto 1923 auf unvergleichliche Weise. Man vergisst aufgrund des lebendigen, dramatischen Gehalts der Animationen zwischendurch immer mal wieder, dass es nicht um einen Realfilm handelt. So entfaltet dieses reiche, nicht nur an der Fantasie, sondern vor allem auch an den dinglichen Phänomenen so interessierte Bild-Universum einen ganz speziellen Charme. Dem kann man sich trotz der unspektakulären, biografisch und historisch geprägten Geschichte, die vor allem für ein japanisches Publikum konzipiert ist, nicht entziehen.

Fazit: Hayao Miyazakis Hommage an einen anderen kreativen Geist, den Flugzeugbauer Jiro Horikoshi, erzählt eine im Japan der Vorkriegsära angesiedelte Geschichte für Erwachsene. Die bunte Vielfalt und Ausdruckskraft der Animation beeindruckt und bezaubert trotz des relativ nüchternen Inhalts.





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