VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: The Voices (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Am Anfang von David Lynchs Psycho-Noir-Meisterwerk "Blue Velvet" (1986) wird das idyllische Holzfällerstädchen Lumberton mit Bildern vorgestellt, zu denen ein freundlich dem Betrachter entgegen winkender Feuerwehrmann gehört. Die Szenerie wirkt fast ein wenig zu nett, um wahr zu sein. Die kurz darauf folgenden Bilder bestärken dramatisch den langsam einsetzenden Verdacht, dass unter der schönen Oberfläche so manches sehr Unschönes verborgen liegt. - Etwas Ähnliches hatte wahrscheinlich auch die iranische Künstlerin und Filmemacherin Marjane Satrapi ("Persepolis") im Sinn, als sie den Anfang von "The Voices" entworfen hat: Bei der Milton-Badewannenfabrik nervt bereits das penetrant rosafarbene Firmenlogo. Schlimmer ist, dass sogar die Gabelstapler im gleichen Mädchenzimmer-Pastellton angestrichen sind. Und mittendrin erscheint mit einem noch penetranteren Honigkuchenpferdgrinsen der langweilige Sonnyboy Ryan Reynolds ("R.I.P.D.") als netter Psychopath von Nebenan.

Im Gegensatz zu Lynch ist dies alles nicht nur extrem offensichtlich, sondern geht auch noch eine ganze Weile in diesem Stil weiter. Das böse Erwachen kommt umso härter, als Jerry aufgrund von rapide anwachsenden Komplikationen tatsächlich einmal dem Rat seiner Psychologin nachkommt und seine Tabletten einnimmt. Der erschreckende Effekt ist genau der gegenteilige zu dem was passiert, als die in einer kunterbunten Drogen-Traumwelt lebenden Menschen in "The Congress" ihre Psychopharmaka absetzen. Man versteht plötzlich, weshalb Jerry von der harten Realität derart überfordert ist, dass er eine bonbonbunte Traumwelt vorzieht, in der Hunde, Katzen und abgehackte Köpfe sprechen können. Auf der anderen Seite nervt die sehr gewollte Holzhammer-Dramaturgie von "The Voices" mit der Zeit jedoch fast so sehr, wie das penetrante Dauergrinsen des aalglatten Ryan Reynolds, dem man immerhin den langweiligen Durchschnittstypen jederzeit völlig abnimmt. Spätestens wenn der gut gelaunte Grinsemann gemeinsam mit Jesus und mehreren ebenfalls gut gelaunten Opfern zum Happy-Song ein kleines Tänzchen hinlegt, werden sich die Geister an dieser grellen Horror-Groteske scheiden.

Fazit: "The Voices" ist ein schrill bunter Genrecocktail, der eine dümmliche Komödie, einen blutigen Slasher und ein Psychodrama unter einen Hut bzw. in einen adrett gestapelten Haufen von mit Leichenteilen gefüllten Tupperdöschen zu bekommen versucht.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.