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Kritik: Booksmart (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Booksmart" ist das bemerkenswerte Langfilm-Regiedebüt der als Schauspielerin bekannten Olivia Wilde ("Dr. House", "Tron: Legacy"). Zum einen wählte die 1984 geborene US-Amerikanerin ein Drehbuch (verfasst von Emily Halpern, Sarah Haskins, Susanna Fogel und Katie Silberman), dem es bei aller Überspitzung gelingt, sich nie über seine Figuren lustig zu machen, sondern diese als Charaktere auszuformen. Und zum anderen findet Wilde originelle Bilder, um selbst allzu vertraute Schauplätze wie den Highschool-Flur mit frischen Ideen aufzuladen.

Die Geschichte um die beiden Musterschülerinnen Amy und Molly, die am Abend vor ihrem Highschool-Abschluss den Entschluss fassen, einfach mal hemmungslos zu feiern, ist überaus witzig und dabei erfreulich unverklemmt. Während Genre-Beiträge wie "American Pie" (1999) ihren Humor in erster Linie aus extremer Albernheit beziehen und ihr Personal der Lächerlichkeit preisgeben, zeigt "Booksmart" das nötige Herz und die erforderliche Intelligenz. Selbst sämtliche Nebenparts, die zunächst stereotyp erscheinen, gewinnen im Laufe des Plots an Tiefe. Das Skript und dessen temporeiche Umsetzung lassen an die Arbeiten des Regisseurs, Produzenten und Drehbuchautors John Hughes denken (etwa "Pretty in Pink" oder "Ferris macht blau"); der Film verzichtet jedoch auf deren Klischees und entzieht sich somit dem im Adoleszenzkino üblichen Schubladendenken. Hinzu kommen herrliche Dialoge, Slapstick-Einlagen, imaginierte Passagen und ein toller Soundtrack, unter anderem mit Songs von Perfume Genius und Lizzo.

Die Schauspiel-Leistungen sind durchweg großartig. Kaitlyn Dever ("Short Term 12", "Unbelievable") und Beanie Feldstein ("Lady Bird") legen nicht nur ein erstaunliches Comedy-Talent an den Tag; sie lassen uns auch die tiefe Freundschaft spüren, die seit langer Zeit zwischen den beiden Protagonistinnen besteht. Flankiert werden sie von einem wunderbaren Cast, darunter Jessica Williams als unkonventionelle Lehrerin, Jason Sudeikis als Schuldirektor mit Nebenverdienst, Billie Lourd als Partygirl und Noah Galvin als exzentrischer Theater-Fan.

Fazit: Eine äußerst lustige, einfallsreich gefilmte und perfekt gespielte Coming-of-Age-Story, die sich klug der Klischeedarstellung junger Menschen widersetzt.




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