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Zwei vom alten Schlag
Zwei vom alten Schlag
© Warner Bros. Ent.

Kritik: Zwei vom alten Schlag (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Zwei vom alten Schlag" – so lautet der deutsche Verleihtitel von Peter Segals Boxerkomödie, die Ende 2013 als "Grudge Match" in den amerikanischen Kinos anlief. Wirken deutsche Umbenennungen ausländischer Filme oft hilflos oder erschreckend peinlich, trifft der abgeänderte Titel hier gleich in mehrfacher Hinsicht ins Schwarze. Schließlich stehen sich nicht nur zwei gealterte Boxrivalen gegenüber, sondern auch zwei Schauspielurgesteine, die ein Stück Hollywood-Geschichte geschrieben haben. Robert De Niro gegen Sylvester Stallone, ein Aufeinandertreffen, das heute nicht mehr nach ganz großem Kino klingt, aber doch gewaltige Erwartungen schürt. Vielleicht lassen sich in gewisser Weise auch damit die sehr negativen Reaktionen erklären, die der Film unter amerikanischen Kritikern hervorrief. Frei von Schwächen ist er sicherlich nicht, aber ebenso wenig ein absoluter Fehlschlag.

Wie es bei einer Sportlerkomödie nicht anders zu erwarten ist, werden die beiden Kontrahenten vom sehr berechenbaren Drehbuch betont unterschiedlich gezeichnet. Während der draufgängerische Billy nach dem Ende seiner Karriere halbwegs einträgliche Werbeverträge abschließen konnte und nun als Geschäftsmann ausreichend Geld verdient, muss Henry als einfacher Arbeiter jeden Tag um seine Existenz kämpfen. Ähnlich gegensätzlich ist auch ihre Einstellung zu den früheren Erfolgen. Billy sehnt sich nach Aufmerksamkeit und würde den damals abgesagten Kampf jederzeit nachholen. Henry hingegen scheint mit der Vergangenheit abgeschlossen zu haben und möchte vom Boxen eigentlich nichts mehr wissen. Verkompliziert wird ihr angespanntes Verhältnis durch eine Jahre zurückliegende Affäre zwischen Billy und Henrys früherer Freundin Sally. B. J., der aus dem Seitensprung hervorgegangen ist und sich nach anfänglichem Zögern als Billys Trainer verpflichten lässt, beschließt das verworrene Beziehungsgeflecht. An emotionalem Konfliktpotenzial mangelt es dem Film sicher nicht. Ganz im Gegenteil, in manchen Momenten wirkt das Treiben auf der Leinwand eher unnötig überfrachtet.

Gekoppelt sind die vorhersehbaren Auseinandersetzungen unter den Figuren an einen ebenso überraschungsarmen dramaturgischen Bogen, der keineswegs vor klischierten Versatzstücken zurückschreckt. Beispielsweise scheint es unvermeidlich zu sein, dass der anvisierte Kampf im letzten Drittel vorübergehend in Gefahr gerät, wobei die hier bemühten Wendungen eher behauptet erscheinen. Dass die Boxerkomödie trotz ihrer erzählerischen Schwächen einigermaßen amüsant unterhalten kann, liegt am durchweg selbstironischen Anstrich des Geschehens. So sind sich die Hauptdarsteller nicht zu schade, ihr mittlerweile stattliches Alter und den doch gewagten Comeback-Versuch der ehemaligen Boxer auf die Schippe zu nehmen, und bereiten damit erst den Boden für einige wirklich komische Szenen. Etwa, wenn sich die Kontrahenten nach all den Jahren in einem Studio wiedertreffen, wo sie, eingepackt in quietschgrüne, lächerlich anmutende Motion-Capture-Anzüge, Aufnahmen für ein Videospiel machen sollen.

Neben den bissigen Scharmützeln der beiden Protagonisten lebt "Zwei vom alten Schlag" aber auch von seinen Verweisen auf die Genremeilensteine "Rocky", der Stallone zum Star machte, und "Wie ein wilder Stier", für den De Niro den Oscar als bester Hauptdarsteller entgegen nehmen durfte. Im Prinzip ist der Film ohne diese Werke gar nicht denkbar, da sie an jeder Ecke hervorscheinen und mitunter sogar direkt zitiert werden. Kenner und Fans der beiden Klassiker sollten daher zumindest ansatzweise auf ihre Kosten kommen. Positiv sticht zudem Nebendarsteller Alan Arkin hervor, der als Henrys altersschwacher, aber hartgesottener Trainer mit trockenem Humor und markigen Sprüchen frischen Wind in das allzu durchsichtige Treiben bringt. Wer sich im Übrigen einen gelungenen Abschlussgag nicht entgehen lassen will, sollte nach Ende des Films noch ein wenig im Kinosaal verharren.

Fazit: "Zwei vom alten Schlag" ist ein zweischneidiges Schwert. Während die Handlung stets durchschaubar bleibt und sich an Klischees abarbeitet, kann die Boxerkomödie mit einer betont selbstironischen Haltung zu ihren Hauptdarstellern und einigen knackigen Wortduellen punkten.




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