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Philomena
Philomena
© Universum Film © Walt Disney Studios Motion Pictures Germany © Squareone

Kritik: Philomena (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die wahre Geschichte einer Frau, die ungewollt schwanger wird und aufgrund der schmutzigen Aktivitäten der katholischen Kirche in Irland ihr Kind verliert, kann sehr schnell ins Kitschige und Melodramatische abdriften. Jedoch bewahren die Drehbuchautoren Steve Coogan und Jeff Pope stets das Gleichgewicht aus berührenden, komischen und ernsthaften Momenten. Deshalb ist "Philomena" keine rührselige Schicksalsstory, sondern ein Film, der vor allem zeigt, wie tief die Komplexe und Strukturen sitzen können, die einem Kind eingeimpft wurden. Noch heute glaubt Philomena, dass die Kirche und die Schwestern des Klosters Roscrea ihr nichts "böses" wollten, auch fürchtet sie weiterhin, dass sie sich durch ihre Schwangerschaft versündigt hat und deshalb bestraft werden musste. Zugleich lebt Philomena den christlichen Gedanken der Nächstenliebe und Vergebung weitaus aufrichtiger als manche Ordensträger der Kirche. Kontrastiert wird ihr Glauben mit dem Zynismus des ehemaligen Journalisten, der an keinen Gott glaubt und von den Menschen stets das Schlechte annimmt. Durch ihre gemeinsamen Nachforschungen überdenken sie ihre Positionen und Verhaltensweisen, bleiben sich aber dennoch selbst treu. Dadurch erzählt der Film fast nebenbei von Klassenunterschieden und Glaubensfragen.

Nebem dem Drehbuch sorgen auch die Hauptdarsteller dafür, dass Stephen Frears Tragikomödie sehr bewegt. Judi Dench verleiht der rührenden älteren Philomena Charisma, Charme und vor allem Würde. Sie legt Wert auf Höflichkeit, ist stets ordentlich gekleidet und frisiert. Zu keinem Zeitpunkt wirkt sie unbeholfen oder allzu naiv, sondern sie ist eine einfache Frau, die ihr Leben lang gearbeitet hat und deshalb mit den Annehmlichkeiten des Lebens eines Reporters nicht vertraut ist. Wenn sie im Hotel mit dem Koch des Frühstücksbüffets spricht, ist dieser Moment nicht lächerlich, sondern beweist ihre Menschlichkeit und Wärme. Steve Coogan lässt unter der zynischen und abgeklärten Fassade des Polit-Journalisten beständig dessen Selbstzweifel und auch gutes Herz durchschimmern, außerdem verfügt er über ein bemerkenswertes Timing. Insgesamt ist "Philomena" daher ein sehenswerter und berührender Film, der lediglich am Ende zu sehr aufträgt.

Fazit: "Philomena" überzeugt nicht nur mit großartigen Hauptdarstellern, sondern auch durch ein sehr gutes Drehbuch, in dem jede Formulierung und Entwicklung der Geschichte gelungen ist.





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