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Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie
Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie
© Warner Bros.

Kritik: Reminiscence: Die Erinnerung stirbt nie (2021)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Regisseurin des Films, Lisa Joy, kennt sich aus mit dystopischen, düsteren und in der Zukunft angesiedelten Stoffen. Denn die Frau von Drehbuchautor Jonathan Nolan (der Bruder von Christopher Nolan) ist Mitschöpferin der herausragenden HBO-Serie "Westworld". "Reminiscence" ist ihr erster Langfilm. Die Produktion verschlang ein Budget von fast 70 Millionen US-Dollar.

Der Titel des Films (zu Deutsch: Reminiszenz) ist Programm: Nicht nur dass Regisseurin Joy einen Protagonisten präsentiert, der mit den Erinnerungen anderer Leute sein Geld verdient. "Reminiscence" ist auch eine wahre "Reminiszenz" und Huldigung des Genres des Film Noir, der seine Hochzeit in den 40er- und 50er-Jahren erlebte.

Eine mysteriöse, hübsche Femme Fatale, der die (schicksalsgeplagte) Hauptfigur erliegt. Eine unheilvolle Atmosphäre und pessimistische Grundstimmung. Von Lakonie und Melancholie durchzogene, um ihr Seelenheil ringende Figuren. Und schließlich schwer zu lösende Rätsel oder Verbrechen sowie daran anschließende Ermittlungen, die die Handlung vorantreiben. All dies sind charakteristische Merkmale des Noir-Thrillers und all das findet man auch in "Reminiscence". Inklusive des zynischen Off-Kommentars von Hugh Jackman. Insofern funktioniert der Film als Verbeugung vor dieser filmischen Gattung ausgezeichnet, zumal Joy das Spiel mit den Zeit- und Realitätsebenen gut versteht. Der stimmige Wechsel zwischen der Gegenwart und Filmhandlung sowie den Erinnerungen (und damit der Vergangenheit) gehört zu den großen Stärken. Er sorgt für Dynamik und Abwechslung.

Als fadenscheinig, reißerisch und einfach nur unglaubwürdig erweist sich hingegen die Klimawandel-Prämisse, die "Reminiscence" glaubhaft in der Realität der Zuschauer verorten soll. Getreu dem Motto: Der Film zeigt die künftigen, dramatischen Folgen der Wetterextreme und des Klimawandels (hier: Überflutungen und Hochwasser) schon jetzt auf der Leinwand. Weiter vertieft werden die Hintergründe und Ursachen dafür aber nicht, stattdessen dient die Thematik nur als Möglichkeit und (vorgeschobener) Grund, spektakuläre CGI-Effekte und plakative Katastrophenszenarien in übertriebenen, stilisierten Bildern zu zeigen. Die noch dazu durchwachsen animiert sind. Schade ist auch, dass der Funke zwischen Jackman und der verführerisch auftretenden Ferguson selten überspringt. Zu oft wirkt ihr Miteinander auf der Leinwand seltsam gestelzt und unauthentisch.

Fazit: Die detailreiche, liebevolle Hommage an den klassischen Noir-Film der 40er-Jahre sowie die dynamische Inszenierung stehen künstlichen, seelenlosen Bilderwelten und überzogenen CGI-Effekten gegenüber.




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