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Mission: Impossible - Rogue Nation
Mission: Impossible - Rogue Nation
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Mission: Impossible - Rogue Nation (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie tritt ein schweres Erbe an. Nach J. J. Abrams' düsterem dritten Teil schien die Reihe um den Superagenten Ethan Hunt (Tom Cruise) am Ende. In Film Nummer vier brachte Brad Bird ("Die Unglaublichen", "A World Beyond") die Leichtigkeit zurück. Sein "Mission: Impossible – Phantom Protokoll" hatte alle Zutaten, die Fans bereits an den beiden Fernsehserien (1966 - 1973 und 1988 - 1990), die den Kinostreifen vorausgegangen waren, liebten: charismatische Charaktere, eine ausgewogene Mischung aus Spannung, Action und Humor und die Lust an der Täuschung dank jeder Menge technischer Spielereien. Das zu toppen, schien eine unmögliche Mission. Doch McQuarrie bewältigt sie mühelos.

McQuarrie ("Die üblichen Verdächtigen") ist in erster Linie ein brillanter Drehbuchautor. Das merkt man "Mission: Impossible – Rogue Nation" bereits an Kleinigkeiten an. Anfang und Ende, also die Art, wie das Syndikat Ethan Hunt und später der Agent das Syndikat zu Fall bringt, stehen zueinander in Beziehung. Das ist simpel, aber auch viel runder als in den vorangegangenen Filmen der Reihe.

Der zweite große Pluspunkt aus McQuarries Feder ist die Figurenzeichnung. Er räumt dem Computerspezialisten und Publikumsliebling Benji Dunn (Simon Pegg) mehr Zeit auf der Leinwand ein – und nutzt diese sinnvoll. Benji ist dieses Mal mehr als ein Gaglieferant. "Mission: Impossible – Rogue Nation" ist auch ein Film über Männerfreundschaft(en), die McQuarrie behutsam, aber mit Nachdruck entwickelt.

Und auch die Feindschaften bekommen wieder mehr Raum. Während Michael Nyqvist in "Phantom Protokoll" wie ein gesichtsloser Schemen durch den Film geisterte, verleiht Sean Harris dem Bösewicht in "Rogue Nation" deutlich mehr Profil. Sein Solomon Lane, der Anführer des Syndikats, ist ein Soziopath, dem man nicht im Dunkeln begegnen möchte.

In erster Linie ist der fünfte Teil jedoch ein Film über eine starke Frau. Mit der britischen Agentin Ilsa Faust (Rebecca Fergusson) hat McQuarrie die resoluteste weibliche Figur geschrieben, die die Reihe je hatte. Sie ist die erste, die nicht Ethan Hunts Charme erliegt. Mehr noch: Sie rettet dem Agenten gleich mehrfach das Leben. So sehr war Hunt noch nie auf die Hilfe des anderen Geschlechts angewiesen. Ein Schritt, der angesichts des fortschreitenden Alters des Superagenten bitter nötig war und der der Reihe äußerst gut zu Gesicht steht.

Action, Spannung und Täuschung kommen selbstverständlich auch nicht zu kurz. Das Drehbuch weiß, die Höhepunkt klug zu setzen und durch die eine oder andere Wendung zu verblüffen. McQuarrie inszeniert das mit einer visuellen Souveränität, die sich vor den Größen des Genres nicht zu verstecken braucht. Eine Schießerei in der Oper beeindruckt durch ihr präzises Timing, eine Verfolgungsjagd über Stadt und Land durch ihre atemberaubende Geschwindigkeit. Alles in allem die perfekte Mischung für gelungenes Popcornkino.

Fazit: Tom Cruise wird nicht jünger und obwohl der Schauspieler seine Stunts weiterhin selbst dreht, nimmt ihm das Publikum den Superagenten Ethan Hunt von Film zu Film weniger ab. "Mission: Impossible – Rogue Nation" überzeugt dennoch - dank eines klugen Drehbuchs und einer starken Frau an Hunts Seite, die seinem Alter endlich Rechnung tragen. Regisseur und Drehbuchautor Christopher McQuarrie gelingt das schier Unmögliche: Brad Birds unterhaltsamen vierten Teil zu toppen. Popcornkino vom Feinsten.




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