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Beltracchi - Die Kunst der Fälschung
Beltracchi - Die Kunst der Fälschung
© Senator Film

Kritik: Beltracchi - Die Kunst der Fälschung (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Der vielfach ausgezeichnete Filmemacher Arne Birkenstock nahm sich dieses spektakulären Betrugsfalles an und drehte die extrem unterhaltsame und amüsante Doku "Beltracchi – die Kunst der Fälschung". Das große Problem des Films: da Birkenstock der Sohn des Kölner Anwalts Reinhard Birkenstock ist, der Beltracchi vor Gericht verteidigte, fehlt es dem Film natürlich völlig an Objektivität und Unvoreingenommenheit. So klammert der Filmemacher entscheidende Aspekte und Infos fast vollständig aus und lässt das Ehepaar – immerhin rechtmäßig verurteilte Betrüger – in extrem positivem Licht erscheinen. Dies lässt sich im Prinzip schon am Untertitel des Films "Die Kunst der Fälschung" vermuten - und es bewahrheitet sich.

Regisseur Birkenstock zeichnet in seiner handwerklich einwandfreien Doku das Bild des größten Kunstfälschers seiner Zeit nach. Sein Film ist informativ, unterhaltsam und kurzweilig, wenn er das ganze unfassbare Ausmaß des Betruges offenlegt und dabei einen stets schelmisch grinsenden Beltracchi präsentiert, der mit süffisanten Kommentaren und bissigem Humor die Sympathien zweifelsfrei auf seiner Seite hat – trotz des Betruges und des großen Schadens, den er auch unter renommierten Aktionshäusern, Gutachtern, Kunsthistorikern anrichtete. "Die Kunst der Fälschung" gibt seinen beiden Protagonisten entsprechend viel Raum, um die Persönlichkeiten und entscheidenden Wesenszügen der Beltracchis deutlich werden zu lassen und auszuloten sowie die Frage zu beantworten: Was sind das für Menschen, die eine ganze Branche für etliche Jahre hinters Licht führte und der Lächerlichkeit preisgab?

Dabei macht der Film – was als seine stärkste Leistung angesehen werden muss - auch eines deutlich: die unglaubliche, scheinbar unstillbare Gier der Kunst-Szene und -Branche nach neuen Meisterwerken und die horrenden Summen, die ein verschollener Meister auf dem Kunstmarkt erzielen kann. "Die Kunst der Fälschung" zeigt, dass im Prinzip keiner der Beteiligten – egal ob Auktionator, Gutachter, Sammler – ein Interesse am Aufdecken der wahren Herkunft der Bilder zu haben scheint.

Doch das größte Problem des Films, was ihn letztlich auch scheitern lässt: Filmemacher Arne Birkenstock fehlt es als Sohn des Beltracchi-Verteidigers an dem nötigen Abstand zur Thematik und an der erforderlichen Objektivität, die es braucht, um so einen spektakulären Fall filmisch zu bearbeiten. Zudem lässt sich nicht von der Hand weisen, dass die Beltracchis auch eine übertriebene Form der Beweihräucherung und positiven Darstellung erfahren. So darf das Ehepaar ganz unverblümt und ohne Gegenwind oder kritische Nachfragen des Regisseurs seine krude Weltsicht und verzerrte Meinung zu dem ganzen Fall äußern. So z.B. dass sich die Kunst-Szene aufgrund ihrer Gier solche Fälscher wie Beltracchi selber erschaffe, dass Beltracchi aufgrund seiner Fähigkeiten geradezu zum Fälscher berufen sei oder dass es darauf ankäme, so lange und intensiv als möglich zu leben. Dies alles ist zwar unterhaltsam und klingt heiter, doch eine Straftat lässt sich damit natürlich nicht rechtfertigen. Es klingt schlicht danach, als sei die jahrelange Fälschung (in 40 Jahren soll Beltracchi rund 300 Bilder gefälscht haben) nichts weiter als ein irrsinnig großer Spaß gewesen, an dessen Ende die Millionen für das Ehepaar nur so sprudelten.

Weiterer Minuspunkt: Birkenstock scheint kein Interesse an der Darstellung der tatsächlichen Dramaturgie des Kriminalfalls zu haben. Den Aufsehen erregenden Prozess gegen das Ehepaar, blendet sein ganz auf die hohen künstlerischen Fähigkeiten Beltracchis zugeschnittener Film dementsprechend fast vollkommen aus. Auch hinterfragt der Film nicht weiter, wieso die Beltracchis trotz der Schwere der Tat ihre Haftzeit im offenen Vollzug verbüßen dürfen.

Fazit: Unterhaltsamer Mix aus verklärtem Künstler-Portrait und wahrem Kriminalfall, dem es an der notwenigen Objektivität fehlt, weswegen er seine "Täter" zu positiv darstellt.




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