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Man lernt nie aus
Man lernt nie aus
© Warner Bros.

Kritik: Man lernt nie aus (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die neue Wohlfühlkomödie der Regisseurin und Drehbuchautorin Nancy Meyers ("Was das Herz begehrt", "Liebe braucht keine Ferien") kreist um eine originelle Idee: Ein Rentner sehnt sich nach dem Berufsleben zurück und wird Praktikant bei einem Internet-Unternehmen. Nicht er sagt den jungen Leuten, wo es langgeht, sondern umgekehrt – aber in Wirklichkeit führt er schon durch seine Andersartigkeit den Nachwuchskräften vor, dass sie noch hinzulernen können. Vielleicht macht diese Idee Schule: Von einem Praktikanten wie dem drahtigen, von Robert De Niro gespielten Ben jedenfalls würde jede Firma nur profitieren. Weniger originell entwickelt sich hingegen die Beziehung von Ben zur jungen Firmengründerin Jules, die dringend eine Schulter zum Anlehnen braucht.

De Niro ist der Motor der ganzen Geschichte: Er stattet Ben mit einem Eifer und einer Genauigkeit aus, die zwischen lustig und solide schwankt. Schon wie der Alte seinen Anzug am Abend vor dem ersten Arbeitstag zurechtlegt und zwei Wecker stellt, damit ja nichts schiefgeht, lässt ihn selbst wie einen Berufsanfänger wirken. Sein Erscheinungsbild ist direkt schrill altmodisch zwischen all den T-Shirt tragenden Kollegen, die keine Stifte auf den Tisch legen, sondern elektronische Geräte. Weil Ben keine Berührungsängste hat und sich überall einbringt, wird sein Rat bald gefragt – auch in privaten Dingen. Es ist herrlich, wie er zum Beispiel erklärt, warum Männer ein Stofftaschentuch dabeihaben sollten. Mit Ben führt der Film so zwingend wie unterhaltsam vor, dass tatsächlich so einiges voreilig aus der Mode gekommen ist, was mit Lebensart zu tun hatte.

In den Mittelpunkt der Geschichte rückt schon bald die Beziehung zwischen Ben und Jules. Für Anne Hathaway ist die Rolle der Geschäftsfrau, die mit der Arbeit nie fertig wird und Schuldgefühle gegenüber dem Ehemann und dem Töchterchen entwickelt, wie maßgeschneidert. Sie spielt Jules abwechselnd unter Strom und sehr sensibel. Ben hat vor allem die Aufgabe, ihr den Rücken zu stärken, weil sie glaubt, die Prioritäten im Leben falsch gesetzt zu haben. Der Film vertritt durchaus die Ansicht, dass auch eine Frau, die Familie hat, die Arbeit an die erste Stelle setzen darf. Aber er tut das auf so konventionelle Art - indem sich Jules an Ben anlehnt, der immer Zeit zu haben scheint -, dass keine dramatische Spannung aufkommt. So plätschert die Geschichte in lauer Wellnessmanier dahin, während De Niro für Jules alle möglichen Funktionen, des Trösters, Butlers, Babysitters, Sekretärs, Ersatzvaters ausfüllt, für die er sich mit seiner kernigen Art im Grunde gar nicht empfiehlt.

Fazit: Die originelle Idee, Robert De Niro einen Rentner spielen zu lassen, der lieber ein Praktikum macht, als zuhause zu versauern, beliefert die Komödie von Nancy Meyers mit charmantem Humor. Aber aufgrund der Fürsorge, die er für Anne Hathaways Figur der gestressten Firmenchefin entwickelt, versickert die Spannung in purem Wohlgefühl.




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