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Rock The Kasbah
Rock The Kasbah
© Splendid Film

Kritik: Rock The Kasbah (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Regie-Veteran Barry Levinson ("Good Morning, Vietnam") siedelt seine fidele Culture-Clash-Komödie am Kriegsschauplatz Afghanistan an. Dort liefern sich die regionalen Platzhirsche erbitterte Gefechte um jedes Dorf, während im Schlepptau der US-Armee gerissene ausländische Geschäftemacher das große Geld verdienen wollen. Ausgerechnet hier entdeckt ein alternder Rock-Manager, der noch nie einen echten Star unter Vertrag hatte, eine fantastische Sängerin. Laut Abspann ist der Film Setara Hussainzada gewidmet, die sich 2008 wegen eines Auftritts in der Castingshow "Afghan Star" den Hass konservativer Kräfte zuzog. Aber hier geht es nicht so sehr um die Fiktionalisierung eines realen Emanzipationsversuchs, sondern vielmehr darum, dass das Gesangstalent Salima Khan (Leem Lubany) einen amerikanischen Manager braucht, um groß herauszukommen. Dieser chauvinistische Einfall muss prinzipiell geschluckt werden, erweist sich dabei aber als ziemliche Kröte in einer lustig gemeinten Handlung.

In Kabul und selbst in der Wüste regieren die Waffen. Das Leben gleicht einem Tanz auf dem Pulverfass, den Levinson mit satirisch-zynischem Humor choreografiert. In der Not setzt der arme Richie auf das einzige Geschick, das er besitzt, nämlich das Palavern. Und mit dieser Kunst verweist er selbst den von Bruce Willis gespielten Haudegen in die zweite Reihe. Die Komödie trägt dick auf und lässt Richie, der musikalisch noch in den 1970er Jahren lebt, im Kreis der Dorf-Paschtunen den Deep-Purple-Song "Smoke on the Water" singen. Wenn die kulturellen Spannungslinien von Rock-Nostalgie flankiert werden, entsteht ein eigenwilliger Offbeat-Humor.

Musikalisch beschwört die Komödie die glorreiche Ära der Rock- und Folkmusik, zum Beispiel mit Liedern von Bob Dylan und Cat Stevens, herauf. Wenn Salima "Peace Train" singt, zeigt sich erneut, wie großartig diese Musik ist, die hier auch für einen Appell zur amerikanisch-afghanischen Annäherung und Versöhnung genutzt wird. Als Salima zum ersten Mal auf der Bühne steht, schauen ihr Richie und die blonde Prostituierte Merci (Kate Hudson) zu, die ebenfalls eine Botin aus einer aufmüpfigeren Epoche ist und als solche in Afghanistan besonders fehl am Platz. Aber Levinsons Brückenschlag verweist auch zunehmend ins Utopische. Ihm ist mehr an einer süffigen Geschichte gelegen, am unschuldigen Größenwahn der Luftgitarrenspieler und Tagtraumsänger, als an der afghanischen Realität.

Fazit: Regie-Veteran Barry Levinson veranstaltet mit namhaften Darstellern wie Bill Murray, Bruce Willis und Kate Hudson ein überdrehtes Culture-Clash-Szenario am Schauplatz Afghanistan. Ein erfolgloser kalifornischer Rock-Manager nimmt eine Paschtunin unter seine Fittiche, die trotz moralischer Verbote im Fernsehen singen will. Die süffige, einfältig-satirische Komödie huldigt vor allem dem wilden Geist der 1970er Jahre, aber mit dem störenden Beigeschmack, dass Amerikaner den rückständigen Afghanen ein wenig Nachhilfe im Coolsein erteilen.





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