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Kritik: American Ultra (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Was passiert, wenn man die Grundidee des Spionagethrillers "Die Bourne Identität" ins Absurde übersteigert und mit allerlei deftigen Splatter-Szenen versieht? Diese Frage dürften sich der Regisseur Nima Nourizadeh ("Project X") und Drehbuchautor Max Landis ("Chronicle – Wozu bist du fähig?") gestellt haben, als sie "American Ultra" konzipierten. Auf dem Papier klingt die Mischung aus Agentenparodie, Kifferromanze und Actionkracher nach einem wohltuend abgedrehten Meta-Spaß. Doch die Wahrheit sieht leider anders aus. Nach unterhaltsamem Start verliert der Genre-Bastard schnell seinen anarchischen Charme und entpuppt sich in weiten Teilen als monoton-uninspirierte Schieß- und Prügelorgie, der es an starken Gags und cleveren Anspielungen fehlt.

Schuldlos am qualitativen Abfall sind allerdings die beiden Hauptdarsteller, die schon im ersten Drittel eindrucksvoll beweisen, dass sie ihre Rollen bestens auszufüllen wissen. Jesse Eisenberg, der nicht erst seit "The Social Network" auf verschrobene Außenseiterfiguren abonniert ist, bringt die Antriebslosigkeit des Kleinstadtkiffers Mike ebenso überzeugend zum Ausdruck wie dessen Gefühle für seine Freundin Phoebe. Kristen Stewart verleiht der jungen Frau das richtige Maß an Einfühlsamkeit, sodass die Beziehung der beiden lebendig und intensiv erscheint. Beim Anblick einiger nachdenklicher Momente könnte man fast den Eindruck haben, das in den Tag hineinlebende Loser-Pärchen stamme aus einem waschechten Provinzdrama.

Aufgebrochen wird der romantische, Marihuana-vernebelte Kleinstadttrott durch die Ankunft skrupelloser CIA-Schergen, die nur einen Auftrag kennen. Mike, der einst im Rahmen eines Geheimdienstprogramms zur perfekten Killermaschine ausgebildet, nach dessen Einstellung allerdings ohne Erinnerung ins Nirgendwo West Virginias geschickt wurde, muss sterben. So will es der machthungrige Beamte Adrian Yates (genüsslich überzogen: Topher Grace). Herrlich absurd ist schließlich der Moment, als Victoria Lasseter (Connie Britton), die damalige Leiterin des Experiments, bei Mike auftaucht und sein Gedächtnis mit speziellen Code-Begriffen zu aktivieren versucht. Der junge Mann versteht freilich nur Bahnhof und gibt sich keine Mühe, dies zu verbergen. Allerhand Situationskomik bietet wenig später auch die Szene, in der Mike die auf ihn angesetzten Mörder zu seiner eigenen Überraschung mit einem harmlosen Alltagsgegenstand um die Ecke bringt.

Auch wenn Nourizadeh und Landis im weiteren Verlauf Seitenhiebe auf die Arbeit der US-amerikanischen Geheimdienste bzw. den Überwachungsstaat im Allgemeinen verteilen und genreparodistische Elemente aus dem Hut zaubern, erreicht "American Ultra" zu keinem Zeitpunkt die überbordende Gewitztheit, mit der die Anfang 2015 in Deutschland gestartete Agentenpersiflage "Kingsman: The Secret Service" aufwarten konnte. Gingen dort überdrehte Komik und Spannung Hand in Hand und waren die Actionsequenzen häufig beeindruckend choreografiert, muss der Zuschauer hier die meiste Zeit mit halbgaren Pointen und Gewaltexzessen vorlieb nehmen, die nur wenig Variation erkennen lassen. Schlimmer noch: Inmitten blutiger Knalleffekte gehen die Protagonisten zunehmend unter, und die romantischen Anflüge wirken plötzlich deplatziert und aufgepfropft. Was wirklich schade ist, da das stimmige Zusammenspiel von Eisenberg und Stewart die Figuren anfangs erstaunlich interessant macht.

Fazit: Gute Ansätze sind, nicht zuletzt dank der überzeugenden Hauptdarsteller, zweifellos vorhanden. Am Ende kann "American Ultra" seine unterschiedlichen Genre-Konzepte – Kleinstadtromanze, Agentenparodie und Action-Splatter – aber nicht zu einem gewitzt-durchgeknallten Gesamtkonstrukt verbinden. Vieles bleibt Stückwerk, und irgendwann dominieren vor allem eintönige Krawallmomente.





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