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Kritik: Die Frau in Gold (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Im Zuge des Schwabinger Kunstfundes, bei welchem Anfang 2012 weit über tausend Werke aus einstmals jüdischem Besitz in der Wohnung des Händlersohnes Cornelius Gurlitt beschlagnahmt wurden, wurde das Thema "Restitution von NS-Raubkunst" in jüngerer Vergangenheit ins öffentliche Bewusstsein geholt. Auch der Kampf, den die Jüdin Maria Altmann mit der Republik Österreich ausfechten musste, erregte seinerzeit Aufmerksamkeit. Die Britin Jane Chablani legte hierzu im Jahre 2007 den gründlich recherchierten Dokumentarfilm "Stealing Klimt" vor, in dem sowohl Altmann als auch ihr Anwalt Randol Schoenberg und ihr publizistischer Unterstützer Hubertus Czernin zu Wort kamen.

Der Autor Alexi Kaye Campbell hat die Ereignisse in seinem Skript zu "Die Frau in Gold" mit einigen künstlerischen Freiheiten dramatisiert. Was der Regisseur Simon Curtis ("My Week with Marilyn") daraus wiederum geschaffen hat, ist grundsolides Erzählkino – ein gehobener Mainstreamfilm, der offenbar ein möglichst breites Publikum ansprechen will, ohne dieses dabei allerdings intellektuell zu unterfordern. Denn es geht um staatliche Ignoranz und den Wunsch nach Gerechtigkeit. Das Ganze wird mit geschliffenen Dialogen dargeboten und in erlesenen Bildern präsentiert, die zuweilen mit wuchtiger Musik unterlegt sind.

Helen Mirren läuft in ihrer Interpretation (wie so oft) zu großer Form auf. Sie macht – nicht nur mit Worten, sondern auch mit Blicken und Gesten – die Klugheit einer Frau, die aus dem jüdisch-wienerischen Bildungsbürgertum stammt, sowie deren Stärke und Beherztheit deutlich. Zugleich vermittelt sie in ihrem Spiel aber auch den Schmerz Marias – und den Zorn, der doch nie zur Verbitterung wird. An Mirrens Seite kann sich Ryan Reynolds darstellerisch behaupten: Er verleiht Randol etwas leicht Unbeholfenes und weiß die recht formelhafte charakterliche Entwicklung des Junganwalts auf zurückhaltende Weise zu beglaubigen. Als Duo lassen die beiden Stars unwillkürlich an Judi Dench und Steve Coogan denken, die in ihren Rollen in der (ebenso auf einer wahren Begebenheit basierenden) Tragikomödie "Philomena" gleichfalls eine Reise in die Vergangenheit der Frau unternehmen und dabei auf ein jahrzehntealtes Unrecht stoßen. Die Chemie zwischen Mirren und Reynolds ist der von Dench und Coogan durchaus ebenbürtig; in beiden Konstellationen gelingt es, aus den gemeinsamen Momenten Witz und Charme zu ziehen – und die Männerfigur an der Begegnung mit der älteren Dame wachsen zu lassen.

Daniel Brühl ist als idealistischer Publizist die optimale Besetzung. In den Rückblenden in die 1930er Jahre versteht es indes insbesondere Tatiana Maslany, sich als junge Maria mit ihrer intensiven Performance einzuprägen. Was die Nebenparts betrifft, konfrontiert der Film sein Publikum geradezu verschwenderisch mit bekannten Gesichtern. Von Katie Holmes (als Randols schwangere Gattin) über Max Irons (als Marias Ehemann) und Tom Schilling (als SS-Soldat) bis hin zu Justus von Dohnányi (als Museumsdirektor) wartet "Die Frau in Gold" mit reichlich Prominenz auf. Gleichwohl fungieren diese namhaften Akteurinnen und Akteure eher als Staffage – oder haben, wie im Falle Dohnányis, allzu stereotyp gezeichnete Personen zu verkörpern.

Fazit: Die klassisch erzählte David-gegen-Goliath-Geschichte bietet keine Faktentreue, ist jedoch souverän inszeniert und wird in den Hauptrollen von überzeugenden Schauspielern getragen.




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