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Kleine Ziege, Sturer Bock
Kleine Ziege, Sturer Bock
© 20th Century Fox © Majestic Filmverleih GmbH

Kritik: Kleine Ziege, Sturer Bock (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein Roadmovie mit Schafbock, einem Mann, der gerade erst erfahren hat, dass er seit 12 Jahren Vater ist, und seiner Tochter: Das klingt nach Spaß und munterem Herumgezicke, worauf auch schon der Titel verweist. Das Drehbuch von Petra K. Wagner wird unter der Regie des fernseherprobten Regisseurs Johannes Fabrick eine hübsche kleine Komödie, die etwas unter dem Radar läuft. Sie bietet ihrem Star Wotan Wilke Möhring die Gelegenheit, sich als Vater eines pubertierenden Mädchens zu bewähren, das sich ihren Erzeuger ganz anders vorgestellt hat.

Die Geschichte beginnt spannend, denn das Vater-Tochter-Gespann ist sich nicht nur völlig fremd, sondern stammt auch aus unterschiedlichem sozialen Milieu. Mai ist eine adrette, etwas hochnäsige Cellospielerin, die den Tag mit Yoga-Übungen beginnt. Jakob kann seine Miete wieder mal nicht bezahlen und greift nach dem Schaftransport-Job wie nach dem rettenden Strohhalm. Und er hat im Auto eine CD mit Elvis-Liedern, die er selbst singt. Auf die Entdeckung, dass sich der eigene Vater dermaßen lächerlich macht, können zwölfjährige Mädchen ganz schön zickig reagieren. Á propos – Wotan Wilke Möhrings Auftritt als Elvis-Imitator in einem Seniorenheim ist, nun ja, eine spannende Überraschung. Und wenn schon starke Kontraste gefragt sind, dann darf der auf die Rollen ernster, schweigsamer Kerle abonnierte Mime ja auch gleich seine weiche, herzliche Seite offenlegen. Jakob reift praktisch in wenigen Stunden zum stolzen, liebevollen Vater, der sich unfassbar über die neue Wendung in seinem Leben freut. Vor allem in der zweiten Filmhälfte, wenn Mai seine Zuneigung nicht mehr brüsk abblockt, bringt er mit einem einzigen treuherzigen Blick auch das härteste Zuschauerherz zum Schmelzen.

Allerdings ist so viel Nettigkeit auf Dauer auch nicht besonders interessant: Die Geschichte erweist sich als holprig konstruiert, indem sie aus der biestigen Zicke Mai praktisch im Handumdrehen ein umgängliches, anlehnungsbedürftiges Mädchen macht. Da geht dem Roadmovie auch ziemlich die Puste aus, selbst wenn die norwegische Landschaft mit ihren Fjorden und der menschenleeren Weite die reine Augenweide ist. Selbst das Schaf arrangiert sich bald mit der Situation und taugt nur noch bedingt als Lieferant neuer Anekdoten. Man merkt dem Film die Absicht an, pures Wohlgefühl zu verbreiten. Ja, der Trip von Mai und Jakob wird noch ganz schön, bleibt aber auch in seiner Harmlosigkeit und Beiläufigkeit etwas unergiebig.

Fazit: Mit einem Vater-Tochter-Gespann, das sich gerade erst kennenlernt, entpuppt sich dieses Roadmovie als hübsche kleine Komödie, die ihre Reibungspunkte allerdings frühzeitig verschenkt. Wotan Wilke Möhring ist der sympathische Mittelpunkt des Films, verblüfft als Elvis-Imitator und erprobt den ultimativ liebevollen Blick. Die harmlose Geschichte geht mit ihren eigenen Reizen jedoch etwas achtlos um.




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