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Kritik: Margos Spuren (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die verträumte, romantische Coming-of-Age-Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von John Green, der auch die Buchvorlage für "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" verfasste. Das besondere Einfühlungsvermögen dieses Autors für junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsensein prägt auch diesen Film, der nach "Robot & Frank" die zweite Kinoregiearbeit von Jake Schreier darstellt. Es geht um Themen wie der ersten Liebe und dem Abschluss der Highschool mit den immergleichen bangen Fragen, wer die Tanzpartnerin sein wird, wann es endlich zum ersten Sex kommt, wie das Leben ohne die Kindheitsfreunde verlaufen wird. Aber "Margos Spuren" behandelt all das ein klein wenig anders und schlägt den Zuschauer trotz der verhaltenen Erzählweise zunehmend in Bann.

Die Zeit des Highschool-Abschlusses markiert das Ende eines Lebensabschnitts, macht Angst und verspricht zugleich Erleichterung: Nicht nur die Außenseiter und Nerds – Quentin und seine Freunde gehören eher zu dieser Kategorie - werden endlich von der Pflicht befreit, sich weiterhin um ihren Rang in der schulischen Hackordnung sorgen zu müssen. Quentin ist ein guter Schüler, er weiß schon, dass er Medizin studieren wird. Und dann kommt Margo zum Fenster herein, um ihm zu sagen, dass es Zeit wird, die eigene Komfortzone zu verlassen und sich ins Abenteuer zu stürzen. Margo ist ein wandelndes Geheimnis, das Model Cara Delevingne stattet sie mit einer starken Präsenz und Anziehungskraft aus. Sie ist mutig, schwänzt die Schule, steigt in Häuser ein. Aber sie ist unglücklich, findet die Stadt und ihre Menschen oberflächlich, unecht, merkt, dass jeder in ihr nur das sieht, was er sehen will. Als sie verschwindet, beginnt Quentin akribisch nach ihr zu suchen, findet überall von ihr versteckte Hinweise – denen er folgt, auch wenn er dafür die Schule schwänzen muss. Nat Wolff spielt die allmähliche Verwandlung des braven, sensiblen Jungen in einen Menschen, der mit allen Sinnen im Hier und Jetzt steht, beeindruckend.

Sobald der Roadtrip Quentins und seiner Freunde beginnt, drängt die Wehmut des nahenden Abschieds voneinander stärker ins Zentrum. Es passiert nicht viel, die Geschichte verdichtet sich quasi auf leisen Sohlen, legt ihren inneren Kurs erst dann richtig frei, wenn alles schon fast wieder vorbei ist. Während der langen Fahrt in Richtung Norden erklingen Lieder voller Melancholie, Sehnsucht, Freiheitsdrang – seit den Zeiten der Beat Generation ist on the road ein amerikanisches Lebensgefühl, ein Zustand an sich, bei dem es gilt, das Land zu ermessen, um sich zu finden. Man verlässt das Kino berührt – vielleicht auch ohne im einzelnen auseinanderhalten zu können, weshalb.

Fazit: Ein geheimnisvolles Mädchen, der nahende Schulabschluss und ein Roadtrip mit Freunden befeuern die Entwicklung eines Jungen zum Mann, der hinaus ins Leben tritt. Die bittersüße Coming-of-Age-Geschichte entfaltet ihre zarten Reize erst nach und nach, bis einen die eigentümliche Atmosphäre doch noch vollkommen umgarnt.




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