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Kritik: The Boss Baby (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Regisseur Tom McGrath kennt sich aus im Animationsbetrieb. Gemeinsam mit seinem Kollegen Eric Darnell hat er bei den "Madagascar"-Filmen (2005-2012) Regie geführt, für "Megamind" (2010) zeichnete er zum ersten Mal allein verantwortlich. "The Boss Baby" ist technisch wie erzählerisch McGraths bislang beste Animation und rückt DreamWorks wieder ein Stück näher an die enteilte Konkurrenz heran. Zur Jahrtausendwende sah das noch ganz anders aus. "Antz" (1998) und vor allem "Shrek" (2001) brachten einen neuen, ebenso locker selbstironischen wie bitterbösen Ton in die Filmgattung und ließen die allzu braven Kollegen bei Disney ganz schön alt aussehen. Aus dem kreativen Vorsprung ist in der Zwischenzeit längst ein Ruckstand geworden.

"The Boss Baby" bringt etwas von diesem Ton zurück. Schon die Titelsequenz, in der die Neugeborenen im Himmel über ein Förderband rollen und in familientaugliche Kinder und Manager unterteilt werden, ist gleichermaßen frivol, ironisch und bissig. Wenn etwas später Alec Baldwin beziehungsweise dessen deutscher Synchronsprecher Klaus-Dieter Klebsch seine sonore Stimme in den Mund des titelgebenden Säuglings legt und mit Wirtschaftsweisheiten um sich wirft, ist das nicht nur wegen seiner schieren Absurdität urkomisch, sondern auch aufgrund der tieferen Wahrheit, die dahintersteckt.

Während viel zu viele Filme aus dem Hause DreamWorks – von "Madagascar" bis zur "Kung-Fu-Panda"-Reihe (2008-2016) – nur noch auf ein junges Publikum abzielten und den Erwachsenen lediglich Anspielungen auf Filmklassiker boten, zieht "The Boss Baby" die lange vermisste zweite Ebene wieder ein. Bei all der temporeichen Action, die Tom McGrath virtuos und in sehenswertem 3-D inszeniert, müssen die Zuschauer nur genau hinsehen und -hören. Das Baby im Anzug ist nicht nur eine gelungene Metapher auf die Veränderungen, die eine Familie durch die Geburt eines zweiten Kindes durchlebt, dieses Baby steht auch sinnbildlich für eine Gesellschaft, in der der Leistungsdruck immer früher beginnt und in der Topmanager den Ton angeben, die sich allzu häufig wie gekränkte Kleinkinder benehmen. Die Lösung, die McGrath und sein Drehbuchautor Michael McCullers dafür bieten, ist freilich ein wenig simpel geraten und reicht noch nicht an die großen Klassiker von "Shrek" bis "Alles steht Kopf" (2015) heran.

Fazit: "The Boss Baby" ist ein ebenso liebenswerter wie schrullig-böser Animationsfilm für Klein und Groß. Zwar reicht Tom McGraths Komödie noch nicht ganz an die besten Werke der Konkurrenz oder die aus dem eigenen Haus heran, zieht aber endlich wieder eine zweite Ebene ein, die vor allem den Eltern gefallen dürfte.





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