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Green Room
Green Room
© Universum Film © 24 Bilder

Kritik: Green Room (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Ein Aufwärmraum für Musiker – im Englischen "green room" genannt – wird in Jeremy Saulniers gleichnamigem Survival-Schocker zu einer tödlichen Falle und weckt, sicher nicht ganz zufällig, Erinnerungen an das klaustrophobische Szenario aus John Carpenters Belagerungsstreifen "Assault – Anschlag bei Nacht" aus dem Jahr 1976. Nach dem eher ungewöhnlichen Rachethriller "Blue Ruin", der äußerst positive Kritiken erhielt, schickt sich Jungfilmer Saulnier abermals an, auf clevere Weise mit vertrauten Motiven zu spielen, und präsentiert dem geneigten Zuschauer erneut eine kompromisslos-wirkungsvolle Genrearbeit, die eine eigene Handschrift erkennen lässt.

Referenzpunkt ist dieses Mal das Subgenre des sogenannten Backwood-Horrors, das spätestens seit Tobe Hoopers Terrorklassiker "Blutgericht in Texas" fest im US-Unterhaltungskino verankert ist. Unzählige Filme handeln von zumeist jungen Protagonisten, die im amerikanischen Hinterland auf degenerierte Kräfte, häufig kannibalische Einsiedler, treffen und mit einer rohen, archaischen Gewalt konfrontiert werden. "Green Room" lenkt das oftmals fantastisch aufgeladene Konzept in realistische Bahnen, indem Saulnier skrupellose Neonazis als Antagonisten aufbietet und seinen Hauptfiguren einen verhältnismäßig natürlichen Anstrich verpasst. Pat (Anton Yelchin) und seine Freunde sind abgebrannte Punkmusiker, die sich selbstsicher und ironisch geben, allerdings, wie jeder normale Mensch, die Nerven verlieren, als sie nach dem Mord an einer jungen Frau plötzlich im Hinterzimmer einer rechten Szenekneipe eingesperrt werden. Dass ihre Lage wenig rosig ist, begreifen sie sofort. Was genau sie unternehmen können, um ihrem Dilemma zu entkommen, wissen sie zunächst jedoch nicht.

Von großer Bedeutung für die Sogkraft des spannungsgeladenen Hinterwald-Slashers ist die Darstellung des Nazi-Anführers Darcy Banker, den "Star Trek"-Kommandant Patrick Stewart als kühl-kalkulierenden, beherrschten, aber ebenso resoluten Problemlöser spielt. Gerade weil um ihn herum die Hölle losbricht, wirkt sein präzise-rationales Auftreten umso beängstigender.

Auch wenn "Green Room" im Vergleich mit "Blue Ruin" konventioneller ausfällt und eine recht vorhersehbare Eskalation entfesselt, gelingt es Saulnier mehrfach, das Publikum mit kleinen, garstigen Entwicklungen zu überraschen. Was als launig-chaotischer Road-Trip beginnt, nimmt schnell kammerspielartige Züge an und wächst sich schließlich zu einem schonungslosen Überlebenskampf aus, der einige deftige, handwerklich gut gemachte Splatter-Akzente setzt. Wer schwache Nerven und einen nervösen Magen hat, ist hier definitiv im falschen Film.

Neben einer gradlinig-effektiven Dramaturgie zaubert der junge Regisseur auch einige nachklingende Bilder hervor. Etwa wenn ein Kameraflug, angelehnt an die berühmte Eröffnungssequenz aus Stanley Kubricks Horrormeisterwerk "Shining", das Eindringen des Bandbusses in die dichte Waldlandschaft zeigt, in der sich der Nazi-Club befindet. Oder aber wenn sich im beinahe surreal anmutenden Finale ein blutrünstiger Kampfhund nach einer Odyssee durchs Dickicht friedlich neben sein totes Herrchen legt. Momente wie diese heben den Backwood-Streifen auf ein Niveau, das viele ähnlich gelagerte Filme nicht erreichen, und weisen Saulnier als waschechten Genre-Auteur aus. Schon jetzt darf man gespannt sein, was er als Nächstes in Angriff nimmt.

Fazit: Mit "Green Room" präsentiert Jungfilmer Jeremy Saulnier einen stilsicher inszenierten und wirkungsvoll zugespitzten Psycho-Schocker samt realistisch wirkenden Figuren und blutig-deftige Gewaltausbrüchen, die zartbesaitete Zuschauer nachhaltig verstören dürften.




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